SWR2 - Jazzprogramm Februar 2016
19.01.2016 14:20 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Februar 2016
Dienstag, 2. Februar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Gipfeltreffen
Höhepunkte vom Jazzfestival Saalfelden 2015 (1)
Mit Maja Osojnik, Jü mit Kjetil Møster und Mostly Other People Do The Killing
Am Mikrofon: Harry Lachner
Nachdem sich Trompeter Peter Evans aus der Band Mostly Other People verabschiedet hatte, nahm das Quartett einen radikalen Wechsel vor: Mit dem Pianisten Ron Stabinsky änderte sich der Ensemble-Klang entscheidend. Dennoch behielt die Band ihre ästhetische Ausrichtung bei: dezent ironisch unterspülte Erkundungen an der Grenze zwischen Komposition und Improvisation, zwischen Tradition und Postmoderne. Dieser künstlerisch-philosophischen Strömung folgten konsequent auch Maja Osojnik und das ungarische Power-Trio Jü (mit Gast-Saxofonist Kjetil Møster) – die Konfrontation musikalisch konträrer Elemente, die Negation der Geschlossenheit. Diese Konzertmitschnitte vom 36. Jazzfestival Saalfelden belegen, wie weitgefächert das Stilspektrum gerade in jenem Bereich ist, der sich dem Mainstream widersetzt.
Donnerstag, 4. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Thomas Loewner
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. In der Februarausgabe berichten wir unter anderem von den Ergebnissen der Studie zu Lebens- und Arbeitsbedingungen von Jazzmusikerinnen und Jazzmusikern in Deutschland und stellen die opulente Multimedia-Box „Hipp Is Cool – The Life And Art Of Jutta Hipp“ vor.
Freitag, 5. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Nein! Nein! Nein!
Eine improvisierte Hommage zum 100. Geburtstag von DADA
Von Julia Neupert
Am 5. Februar 2016 eröffneten Emmy Hennings und Hugo Ball in der Zürcher Altstadt das Cabaret Voltaire. Dieses Datum gilt heute als die Geburtsstunde von DADA – die ehemalige Meierei in der Spiegelgasse 1 war fünf Monate lang das künstlerisches Basislager von radikalen Künstlern, Schriftstellern und Performern. Lärmend haben sie gegen die fade Kulturelite rebelliert, mit grotesken Aktionen, die den Spaß an Trivialem mit harscher Kritik an gesellschaftlichen Missständen verbanden. Den Soundtrack dafür fanden viele Dadaisten im frühen Jazz – sicher auch, weil er völlig mühelos in kürzester Zeit das gesamte bürgerliche Establishment aufgescheucht hatte. Die kurze Liaison von Jazz und Dada hat in Europa und Amerika etliche Spuren hinterlassen: Einige von ihnen sollen in dieser assoziativen DADA-Hommage zu hören sein.
Samstag, 6. Februar, 9.05 – 10.00 Uhr
Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz across the border“ hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Samstag, 6. Februar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Kleine Gruppen, ganz groß
Benny Goodmans legendäre Small-Group-Aufnahmen der 1940er Jahre
Von Bert Noglik
Benny Goodman, vor allem durch unvergängliche Aufnahmen mit seinen Big Bands berühmt, brillierte zugleich mit Jazz im kammermusikalischen Format. Nachdem Louis Armstrong bereits Ende der 1920er Jahre mit seiner „Hot Five“ und seiner „Hot Seven“ Maßstäbe für den Combo-Jazz gesetzt hatte, gelang es dem Klarinettisten und Bandleader, in der Swing-Ära – parallel zu seiner Arbeit mit einem großen Orchester – auch mit kleineren Gruppen Jazzgeschichte fortzuschreiben. Berühmt wurden vor allem die Trio- und Quartettaufnahmen aus den 1930er Jahren. Doch auch die Einspielungen aus der ersten Hälfte der 1940er Jahre bestechen durch klangliche Transparenz, swingende Eleganz und vielfältig miteinander verwobene Soli.
Sonntag, 7. Februar, 19.40 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Swinging The Classics
Das John Kirby Sextett
Von Hans-Jürgen Schaal
Die „größte kleine Band im Land“ – so nannte man um 1940 die Formation des Bassisten John Kirby. Im Vergleich zu den Swingorchestern jener Zeit war sie in der Tat nur eine kleine Band, aber mit einer großen Ausstrahlung. Bei Kirby gibt es originelle Begleitriffs und Themen-Variationen zu hören, überraschende Breaks, Zwischenepisoden und verblüffende Wechsel in Klangfarbe und Rhythmus. Das ist Bigband-Ästhetik, verdichtet auf ein virtuoses, fast kammermusikalisches Sextett. Eine Spezialität der Band war die swingende Bearbeitung von Melodien aus der klassischen Musik. „Mit einer Besetzung wie unserer können wir diese klassischen Dinge geschmackvoll behandeln“, sagte Kirby, „mit einer großen, konventionellen Swingband wäre das schwerer“.
Dienstag, 9. Februar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Gipfeltreffen
Höhepunkte vom Jazzfestival Saalfelden 2015 (2)
Mit Chris Lightcap's Bigmouth, Rob Mazurek und Black Cube SP und Ken Thomson & Slow/Fast
Am Mikrofon: Gerd Filtgen
Am Puls der Zeit: Die Energie einer Metropole wie New York wechselweise in aufregenden wie auch ruhigen Klangbildern zu ergründen, war das Anliegen des Bassisten Chris Lightcap und seiner Band Bigmouth. Der zwischen Chicago und Sao Paulo pendelnde Kornettist Rob Mazurek lotete mit Black Cube SP musikalische Zwischenwelten aus. Dabei wurden seine meditativen Chorusse von Electronic Beats und brasilianischer Percussion unterfüttert. Mit originellen Kompositionen und Arrangements inszenierte der Altsaxofonist und Bassklarinettist Ken Thomson mit seiner Band Slow/Fast ein fantasievolles, zwischen Jazz, Pop und Avantgarde zirkulierendes musikalisches Ambiente.
Donnerstag, 11. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Surprise! Surprise!
Der Experimental-Hip-Hopper Flying Lotus und der Jazz
Von Odilo Clausnitzer
Er gilt als Mastermind unter den experimentell orientierten Hip-Hop-Produzenten der Gegenwart. Im Werk wohl keines seiner Kollegen steckt dabei so viel zeitgenössischer Jazz wie in seinem: Steven Ellison alias Flying Lotus aus Los Angeles. Live und im Studio arbeitet er regelmäßig mit einer Clique herausragender junger Jazzmusiker zusammen. Sein Onkel 2. Grades, Ravi Coltrane, und Altstar Herbie Hancock wirkten auf seinen CDs als Gäste mit; als Produzent und Labelchef betreute er José James und Kamasi Washington. Inzwischen haben sogar Jazzmusiker wie Vijay Iyer und Kendrick Scott Songs von Flying Lotus gecovert. In seiner stark elektronisch geprägten Musik gibt es frickelige Saxofonsoli, hyperaktiv swingende Schlagzeugbeats und wilde Passagen, die vom Free Jazz inspiriert scheinen. Der psychedelische Sound seiner Großtante Alice Coltrane hat darin deutliche Spuren hinterlassen. Bei alledem aber ist dies Hip-Hop auf der Höhe der Zeit.
Freitag, 12. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: On The Edge (2)
Bruchstücke einer Geschichte der frei improvisierten Musik
Wege in die Freiheit 2: Emanzipation vom (Noten)Text in der neuen Musik
Von Nina Polaschegg
Blickt man auf die Anfänge des Free Jazz und der sogenannten frei improvisierten Musik, steht die Frage im Zentrum, wovon sich die Musiker zu befreien suchten. Der zweite Teil der mehrteiligen Sendereihe lenkt den Blick auf die Entwicklungen der zeitgenössischen komponierten Musik nach 1945. Neben den Serialisten gab es Komponierende, die ganz andere Wege verfolgten. Der Begriff der Unbestimmtheit etwa wird zu allererst mit John Cage in Verbindung gebracht. Den Interpreten wird in gewissem Rahmen ein Mitbestimmungsrecht, ja eine Entscheidungspflicht auferlegt. Neue Notationsformen waren ein weiterer Schritt in diese Richtung, einige Komponisten lösten sich sogar völlig vom Notenkontext. Vieles von dem inspirierte auch diejenigen Jazzmusiker, die einen eigenen Weg des freien Spiels suchten. Vor allem von England aus begannen Musiker wie Derek Bailey, Tony Oxley, John Stevens oder die Formation AMM, sich immer mehr vom Jazz zu emanzipieren und eine völlig freie Musik zu entwickeln, die unter anderem auch von der Rezeption zeitgenössischer komponierter Musik und der Bildenden Kunst geprägt war.
Samstag, 13. Februar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Poet des lusophonen Jazz
Erinnerungen an den portugiesischen Pianisten Bernardo Sassetti
Von Günther Huesmann
Bernardo Sassetti starb am 10. Mai 2012, nachdem er von einer Klippe in der Nähe des portugiesischen Örtchens Guincho gestürzt war. Mit ihm verlor der lusophone Jazz seinen größten Hoffnungsträger und der europäische Klavier-Jazz einen seiner sensibelsten Lyriker. Er arbeitete mehrere Jahre in London und hatte seinen ersten großen Auftritt, als er in dem Kinofilm „Der Talentierte Mr. Ripley“ mit Matt Damon und Gwyneth Paltrow mitspielte. Berühmt geworden ist Bernardo Sassetti durch seine poetischen Klavier-Texturen, in denen die Emotionen für die „Saudade“ des portugiesischen Fado genauso ausdrucksstark mitschwingen wie die harmonischen und melodischen Finessen eines Bill Evans‘. Sassettis Gespür für feine Stimmungen, für dramatische Wendungen und große Erzählbögen machte ihn zugleich zu einem begehrten Filmmusik-Komponisten.
Dienstag, 16. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Gipfeltreffen
Höhepunkte vom Jazzfestival Saalfelden 2015 (3)
Mit dem Michael Riessler Trio, Matthew Shipp und dem Angelica Sanchez Quintet
Am Mikrofon: Harry Lachner
Kurzfristig anberaumt wurde das Konzert des Klarinettisten Michael Riessler – eine Band hatte knapp zwei Wochen vor Festivalbeginn abgesagt. Ein Glücksfall, denn der Auftritt des Riessler-Trios mit Cellist Vincent Courtois und dem Drehorgelspieler Pierre Charial geriet zu einem der Höhepunkte dieses an überragender Qualität gewiss nicht armen Festivals. Hier wurden präzise vorgegebene Strukturen in beeindruckend phantasievoller Weise „überspielt“, gestaltete das Trio schillernde, reibungsvolle Klangkombinationen. Auch wenn die Vorgaben weniger streng waren: Im Solo-Konzert von Matthew Shipp und dem Auftritt von Angelica Sanchez' Quintett lebte der Gedanke an die unendlichen Möglichkeiten eines freien Spiels auf, das in einer intellektuellen Reflexion gründet, dabei aber auf die emphatische Wirkung nicht verzichtet.
Donnerstag, 18. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session
Das Pablo Held Trio feat. John Scofield und Kaja Draksler solo beim WDR 3 Jazzfest in Dortmund 2015
Am Mikrofon: Ssirus W. Pakzad
Als sich die Musiker des gefeierten Pablo Held Trios für ein Konzert im Rahmen der Reihe „Rising Stars“ einen musikalischen Gast einladen durften, traten sie an den Gitarristen John Scofield heran. Die Chemie zwischen dem Amerikaner, dem Pianisten Pablo Held, dem Bassisten Robert Landfermann und dem Schlagzeuger Jonas Burgwinkel stimmte vom ersten Takt an. Gemeinsam tourte man später quer durch Europa und gastierte am 29. Januar 2015 auch im Dortmunder Domicil, wo ein mitreißender Konzertmitschnitt entstand. Einen Tag zuvor saß dort eine junge Frau aus Slowenien am Flügel: Kaja Draksler. Die in Ljubljana, Groningen, Amsterdam und New York ausgebildete Musikerin gehört zu den experimentierfreudigsten Pianist*innen ihrer Generation. Sie nutzt das Innenleben des Klaviers, begreift das Piano gelegentlich als Perkussions-Instrument und setzt in ihrem Spiel sowohl Freies als auch Festgelegtes ein.
Freitag, 19. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Radikal fundamental
Die Kontrabassprojekte des Kölners Sebastian Gramss
Von Thomas Loewner
Sebastian Gramss ist seit Jahren eine der kreativen Lichtgestalten des deutschen Jazz. Mit Projekten wie seiner Band Underkarl oder dem Trio Fossile 3 hat er gezeigt, dass sich Mut zum Risiko und Erfolg nicht ausschließen müssen. 2013 gewann Gramss sogar einen Echo Jazz in der Kategorie „Bester nationaler Bassist“. Mit welcher Kompromisslosigkeit er sich für sein Instrument engagiert, zeigt Sebastian Gramss seit einiger Zeit mit verschiedenen reinen Bassprojekten. Dass er eine Solo-CD veröffentlicht hat, mag da noch wenig überraschen. Für große Aufmerksamkeit sorgte dagegen sein Ensemble Bassmasse. 50 (!) Kontrabassisten spielen in dieser Band, und sie war bereits auf verschiedenen Festivals eine der Hauptattraktionen. Intimer dagegen Gramss’ Langzeitprojekt „Double The Double Bass“, für das er bereits verschiedene international herausragende Improvisatoren als Duopartner gewinnen konnte, etwa Barry Guy oder Mark Dresser. Darüber hinaus hat Gramss noch weitere Bassgruppen (mit-)gegründet – es dürfte derzeit weltweit wohl kaum einen anderen Bassisten geben, der die Möglichkeiten seines Instruments so gründlich auslotet wie er.
Samstag, 20. Februar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Black Action
Der Vibrafonist Stefon Harris
Von Hans-Jürgen Schaal
Seit 20 Jahren ist der Vibrafonist Stefon Harris ein begehrter Sideman bei den Großen der Szene. Man hörte ihn auf Alben von Joe Henderson, Kenny Barron, Joshua Redman und vielen anderen. Aber der heute 42jährige Harris ist nicht nur einer der fantasievollsten Vibrafonisten unserer Zeit, er ist auch ein mutiger Klangvisionär und Arrangeur und ein brillanter Komponist. Mit verschiedenen Formationen erforschte Stefon Harris unter anderem die afrokubanische Tradition, die Klangwelt von Duke Ellington oder die Musik von Rachmaninow und Tschaikowsky. Für seine ungewöhnlichen Ensembles gewann er große Solisten wie Steve Turre und Greg Osby.
Dienstag, 23. Februar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Von Julia Neupert
Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in der Reihe „My Favorite Discs“ regelmäßig vorgestellt: von den Autorinnen und Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. In dieser Sendung spricht Julia Neupert über ihre Faszination für frühe Aufnahmen von Jelly Roll Morton als Solopianist und Leiter der „Red Hot Peppers“.
Donnerstag, 25. Februar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Spannende Interaktionen
Das Vijay Iyer Trio im Karlstorbahnhof Heidelberg
Am Mikrofon: Günther Huesmann
2015 war ein großes Jahr für Vijay Iyer. Der amerikanische Pianist mit indischen Wurzeln veröffentlichte sein Album „Break Stuff“ und landete mit diesem Werk in zahlreichen „Best-of“-Listen. Dies nicht von ungefähr: Denn gemeinsam mit dem Bassisten Stephan Crumb und dem Schlagzeuger Marcus Gilmore gelingt es Iyer, das Piano-Trio in eine neue Dimension zu heben. Im Heidelberger Karlstorbahnhof präsentierte sich das Vijay Iyer Trio in hervorragender Spiellaune. Dabei hatte es wenige Stunden zuvor noch sehr schlecht ausgesehen für den Auftritt. Ein Stromausfall am Flughafen in Brüssel zwang die Musiker, sich in aller Eile einen Mietwagen zu leihen und die 450 km nach Heidelberg zu hasten. Ankunft: knapp vor Konzertbeginn. Von derlei Tour-Stress war beim Auftritt des Iyer-Trios allerdings nichts zu spüren. „We’ve survived the day“, sprach ein überglücklicher Pianist ins Ansagemikro am Ende eines umjubelten Konzertabends.
Freitag, 26. Februar, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update: Sonic Wilderness
Von Julia Neupert
Diese neue Reihe auf dem freitäglichen NOWJazz Update Sendeplatz führt in abenteuerliche Zwischenwelten des Jazz. Ob Improv, Electronica, Klangkunst, Noise, Drones oder Rock – für die atmosphärischen Mixes gibt es nur eine Regel: Die Lust am musikalischen Abenteuer muss hörbar sein.
Samstag, 27. Februar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Ein Klassiker, neu entdeckt
Das „Complete Concert by the Sea“ des Pianisten Erroll Garner
Von Gerd Filtgen
Schon als Dreijähriger versuchte Erroll Garner (1921-1977) auf dem Piano die Melodien nachzuspielen, die er gerade hörte. Auch später hatte er keinen formalen Musikunterricht und lernte niemals Notenlesen. Offenbar war das für seine Karriere kein Hindernis: In späteren Jahren schwang er sich zu einem der originellsten Jazzpianisten empor. Unlängst erschien erstmalig vollständig sein legendäres „Concert By The Sea“ mit elf bislang unveröffentlichten Titeln. Die Eleganz, mit der Garner mit der rechten Hand Themenvorstellungen ausführt und diese mit rhythmischen Verzögerungen dramatisiert, während die linke Hand dazu eine swingende Begleitung kreiert, gehört zu seinem musikalischen Code. Mit seinen Improvisationen vollendet Garner die orchestrale Vehemenz seiner Spielweise.
Sonntag, 28. Februar, 19.37 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Dedications
Die Pianistin Anke Helfrich
Von Bert Noglik
Ihr Stil ist kraftvoll und facettenreich, in der modernen Jazztradition fundiert und im besten Sinne zeitgenössisch. Mit ihrem neuen Album „Dedication“ ist der Pianistin Anke Helfrich ein musikalisches Manifest gelungen, das in Gestalt von Widmungen zugleich autobiographische Züge trägt. Anke Helfrich wuchs in Weinheim und in Windoek/Namibia auf, wo sich ihre Eltern in einer Anti-Apartheid-Organisation engagierten. So gestaltet sie aus eigenem Erleben, wenn sie sich von einem Text des Dichters William Ernest Henley inspirieren lässt, der einst Nelson Mandela bestärkte. Widmungen an Nahestehende gelingen ihr ebenso wie eine Hommage an Thelonious Monk und ein Hymnus an das Leben. Zum Höhepunkt des Albums gestaltet sich die gekonnt zwischen Illustration, Kontrapunkt, Zurücknahme und Verstärkung balancierende Vertonung von Martin Luther Kings epochaler Rede „I Have A Dream“.
Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können als Audio on Demand im Internet 7 Tage online abgerufen werden. Auf www.swr2.de/jazz finden Sie Musiklisten und weitere Informationen zum Programm von SWR2.



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