SWR 2 - Jazzprogramm Januar 2014
18.12.2013 22:07 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Januar 2014
Mittwoch, 1. Januar, 00.05 – 02.00 Uhr
Swingin‘ Into The New Year
Mit Günther Huesmann
Mit Schwung ins Neue Jahr: zwei Stunden Juwelen des klassischen Big-Band- und Combo-Jazz mit den Ikonen der Swing-Ära. Neben den legendären Jazzorchestern der 1930er und 1940er Jahre bringt die Sendung aber auch Perlen aus dem Bereich des Boogie Woogie, des Rhythm & Blues und des Latin Jazz. Count Basie, Ella Fitzgerald, Frank Sinatra, Woody Herman und viele andere werden die Neujahrsnacht zu einem swingenden Erlebnis machen. So unterschiedlich die Sounds dieser Jazzlegenden auch sein mögen, in einer Hinsicht konnten sich diese Musiker mit dem Kreativ-Genie des Genres, Duke Ellington, sofort einigen: „It don't mean a thing, if it ain't got that swing.“
Mittwoch, 1. Januar, 19.26 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Flying Up: Der Tenorsaxophonist Mark Turner
Von Hans-Jürgen Schaal
Mark Turner ist anders: Konsequent wie kein anderer Saxophonist seiner Generation wandelt der Amerikaner auf den Spuren von stilistischen Außenseitern wie Warne Marsh und Lee Konitz. Turners Ton ist leicht, seine Linien flattern umher wie schwerelose Girlanden, sein Saxophon kennt lichtdurchflutete Höhen. Zu diesen luftigen Abenteuern passt Turners Herkunft: Er wurde auf einer Luftwaffenbasis in Ohio geboren, sein Vater war Captain der US Air Force; Mark Turners aktuelle Band trägt den Namen „Fly“. „Er spielt nicht extrovertiert“, sagt der Gitarrist Kurt Rosenwinkel über ihn. „Was er abliefert, ist wie ein wunderschönes, reines Objekt im Innern eines Prismas. Es ist spirituell, aber geerdet; es ist luftig, aber es handelt nicht von Menschen.“
Donnerstag, 2. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Organisiert
Das Kölner Improvisationskollektiv KLAENG
Von Anja Buchmann
Man nehme: Die Besetzung von Tobias Christls Lieblingsband (Tobias Christl; Gesang, Niels Klein; Saxophon, Pablo Held; Piano, Tobias Hoffmann; Gitarre, Robert Landfermann; Bass und Jonas Burgwinkel; Schlagzeug), füge noch den Trompeter Frederik Köster hinzu, dann hat man die sieben Mitglieder des 2009 gegründeten Jazz-Kollektivs KLAENG: Ein Kölner Netzwerk mit Musikern, die in vielen Bands miteinander verbunden sind, die sich gegenseitig unterstützen und eine gemeinsame Ästhetik frei von Genregrenzen immer weiter entwickeln wollen – in Anlehnung an andere europäische Zusammenschlüsse dieser Art, wie etwa das französische Yolk-Kollektiv oder die JazzWerkstatt Wien. Seit 2010 veranstalten die Musiker regelmäßig ein mehrtägiges Festival mit verschiedensten eigenen Formationen sowie Gastmusiker/innen und seit neuestem gibt es zudem das eigene KLAENG-Label.
Freitag, 3. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Sing A Soundsong
Die Vokalistin Lauren Newton
Von Julia Neupert
„Seit ich als Vokalistin Töne produziere, ist es mir ein Bedürfnis, kreativ mit meiner Stimme zu arbeiten“: Lauren Newton vermeidet die Berufsbezeichnung „Sängerin“, wenn sie über das spricht, was sie seit vielen Jahrzehnten tut: improvisieren, experimentieren, überraschen – sich selbst und andere. Seit 1976 lebt die Amerikanerin in Deutschland, war unter anderem Mitglied im Vienna Art Orchestra, Gast beim legendären Vocal Summit und hat in den verschiedensten Besetzungen der freien Improvisationsmusik für Bühne, Film und Hörspiel gearbeitet.
Samstag, 4. Januar, 09.05 – 10.00 Uhr
Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Die letzten Jahre haben gezeigt: Das Stildelta des Jazz ist immer breiter und tiefer geworden. Längst sind es nicht mehr nur Improvisatoren aus dem Mutterland des Jazz, den USA, sind es nicht mehr Musiker nur aus Europa, welche die improvisierte Musik prägen. Zunehmend spielen auch Improvisatoren aus Lateinamerika, Asien und Afrika eine wichtige Rolle. Welche musikalischen Antworten geben sie? Wie sehen ihre Beiträge aus? Ein Blick weit über die Tellerränder der Gattungen und Stile hinweg.
Samstag, 4. Januar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Edelmetall Stimmband
Ein Portrait des Sängers Gregory Porter
Von Ssirus W. Pakzad
Gregory Porter gehört zu den prominentesten Jazzmusikern dieser Tage. Viele namhafte Musik-Kritiker halten den 42jährigen Hünen aus Brooklyn sogar für den wichtigsten Sänger der letzten Dekaden. In seiner warmen Baritonstimme verschmelzen Jazz, Blues, Soul und Gospel auf unwiderstehliche Weise. Mit seiner dritten CD „Liquid Spirit“ hat Porter es bis in vordere Chart-Regionen geschafft.
Sonntag, 5. Januar, 19.30 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Soul Garant: Der Altsaxophonist Lou Donaldson
Von Gerd Filtgen
Ein sofort ins Ohr gehendes, mit Blues- und Gospel-Elementen angereichertes Thema, worüber in attraktivem Modern-Jazz-Kontext improvisiert wird, gehört zu Lou Donaldsons kreativem Signet. Wie viele Altsaxophonisten seiner Generation folgte auch er zunächst den Spuren der Bebop Legende Charlie Parker. Doch im Gegensatz zu dessen extrovertierten Chorussen reicherte Donaldson seine Improvisationen stärker mit markanten Blues Phrasen an. Der auf zahlreichen historisch wichtigen Aufnahmen mitwirkende Musiker etablierte sich zu einem der ideenreichsten Interpreten des Bop, Soul Jazz und Funk.
Dienstag, 7. Januar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
Die Tony Scott All Stars 1978 in Kaiserslautern
Am Mikrophon: Thomas Loewner
Als Tony Scott 1978 mit seinen All Stars in der Fruchthalle Kaiserslautern ein Konzert gab, hatte er schon eine bewegte Karriere hinter sich: Bereits mit 20 Jahren nahm er an Bebop-Sessions im berühmten Minton's Playhouse in New York teil und war in den folgenden Jahren ein gefragter Klarinettist, Saxophonist und Pianist in Bands von Buddy Rich, Claude Thornhill oder Duke Ellington. Danach schärfte Scott sein Profil dadurch, dass er sich auf die Klarinette spezialisierte und ein wichtiger Vertreter der Post-Swing-Ära auf dem Instrument wurde. Ein weiterer wichtiger Karriereschritt war ein mehrjähriger Arbeitsaufenthalt im Fernen Osten. Während dieser Zeit entwickelte sich Scott zu einem Vorreiter der Weltmusik. Doch auch den großen Namen des Jazz blieb Scott Zeit seines Lebens treu, wie das Konzert in Kaiserslautern zeigt: Auf dem Programm standen unter anderem Kompositionen von Duke Ellington, Thelonious Monk, Sonny Rollins und Miles Davis.
Donnerstag, 9. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Thomas Loewner
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. In der ersten Ausgabe 2014 berichten wir unter anderem über das 3. Winterjazzfestival in Köln und stellen Peter Ruedis 1522 Jazzkolummnen vor.
Freitag, 10. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: 2 x 2 = QUAT
Els Vandeweyer, Fred van Hove, Paul Lovens und Martin Blume im September 2012 im KULT in Niederstetten
Am Mikrophon: Julia Neupert
Ungewöhnliche instrumentale Konstellationen gehören in der zeitgenössischen Improvisationsmusik schon lange zum Alltag. Denn da, wo das Interesse an der ständigen Infragestellung formaler Konventionen oder Spielroutinen eine große Rolle spielt, da experimentiert man naturgemäß auch gerne mit extravaganten Ensemble-Besetzungen. Insofern ist es vielleicht weniger eine Überraschung, dass in QUAT zwei Schlagzeuger, eine Vibraphonistin und ein Pianist spielen. Aber die Namen derer, die hier aufeinandertreffen, versprechen ein außergewöhnliches Konzert: QUAT ist ein deutsch-belgisches Mehrgenerationen-Quartett, dabei sind: Fred van Hove, einer der Altmeister der europäischen Jazzemanzipation, Paul Lovens, der Pionier des freien Schlagzeugspiels in Deutschland, außerdem sein Kollege Martin Blume, der visionäre Klangforscher und Els Vanderweyer, eine der bemerkenswertesten Musikerinnen der jüngeren Szene.
Samstag, 11. Januar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Like A Dry Martini
Der Altsaxophonist Paul Desmond
Von Odilo Clausnitzer
Nach seinem Soundideal auf dem Instrument gefragt, antwortete der amerikanische Altsaxophonist Paul Desmond einmal: „Wie ein trockener Martini“ wolle er klingen. Ein Beispiel für seinen Humor, aber auch ein passendes Bild für seinen glasklaren Ton. So zerbrechlich, leicht und rein wie Desmond spielte kein anderer. Bekannt wurde er im Quartett des Pianisten Dave Brubeck, für das er 1959 den Hit „Take Five“ geschrieben hatte. Ab Anfang der 1960er Jahre veröffentlichte er eine Reihe von Soloplatten, die ihn als swingenden, sensiblen und ideenreichen Improvisator zeigen. Seine Verbindung von Lyrizismus mit gedanklicher Schärfe trug ihm bis heute zahlreiche Bewunderer ein. Abgesehen von seiner außergewöhnlichen Musik war Desmond berühmt für seine witzigen Aphorismen und seine literarisch geschliffenen Platten-Begleittexte. 1977 starb er mit nur 52 Jahren.
Sonntag, 12. Januar, 19.40 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
„Das Leben mag chaotisch sein, auf der Bühne ist alles klar“
Die Vokalistin Sidsel Endresen
Von Michael Rüsenberg
Sidsel Endresen, 61, hat eine der ausdrucksvollsten Stimmen des europäischen Jazz. Seit 20 Jahren singt die Norwegerin keine eigentlichen Songs mehr: Sie improvisiert, bildet Phantasie-Laute, die auch den Scat-Gesang des Jazz hinter sich lassen – sie vokalisiert. Dabei folgt Endresen keiner erzählerischen Haltung. Ihre Welt ist das Meer bedeutungsfreier Laute. Emotionen? Spielen keine Rolle, sie stören eher. Die Bühne ist ihr Raum. Hier lässt sie alles hinter sich. Auf der Bühne gelten für Sidsel Endresen nur „Energiefelder“ und musikalisch bedeutsame Ereignispunkte.
Dienstag, 14. Januar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Höhepunkte vom Internationalen Jazzfestival Saalfelden 2013 (1)
Mit dem Duo Keiji Haino/Franz Hautzinger, Brandon Ross‘ „Blazing Beauty“ und Omaha Diner
Am Mikrophon: Harry Lachner
Drei Gitarristen, drei völlig verschiedene Konzepte: Im ersten Rückblick auf das Jazzfestival Saalfelden spannt sich ein Bogen vom leichthändig Ironischen zur Inszenierung klanglicher Extremzustände. Dort, wo der japanische Gitarrist und Vokalist Keiji Haino formale Muster improvisierend immer weiter entgrenzt, spekuliert Gitarrist Charlie Hunter mit dem Quartett Omaha Diner auf den Humor, der aus der Dekonstruktion von Popsongs heraus entsteht. In die Mitte zwischen Formenspiel und freier Improvisation begibt sich der Gitarrist Brandon Ross. Seine Stücke entwickeln sich in weiten Passagen über den Klang, über die enorme Dynamik – auch wenn ab und an ein bekanntes Blues-Schema auftaucht. Ohne Ironie, aber mit umso größerer Kunstfertigkeit.
Donnerstag, 16. Januar, 24.03 – 23.00 Uhr
NOWJazz: Wilde Señoritas
Die Pianistin Irène Schweizer
Von Bert Noglik
Die ersten Soloalben von Irène Schweizer, „Wilde Señoritas“ und „Hexensabbat“, datieren aus den 1970er Jahren und zählen heute zu den Kultplatten. Begonnen hatte die Laufbahn der in Schaffhausen aufgewachsenen und in Zürich heimisch gewordenen Pianistin bereits Anfang der 1960er Jahre. Irène Schweizer zählte zu den ersten Musikerinnen, die in Europa frei improvisierte Musik spielten. Ihr weit verzweigtes, auf Platten dokumentiertes Œuvre spannt sich von Solokonzerten über eine Reihe von Piano-Schlagzeug-Duos und Trios bis zur Mitwirkung in Großformationen. Nach wie vor setzt die Pianistin vor allem auf die Inspirationskraft des spontanen Spiels. Ihre Musik offenbart dabei Wachstum und Reife. Ging es anfangs oft um pure Power und die Negation der konventionellen Regeln des Jazz, so kamen im Laufe der Jahre immer mehr Differenzierungen und Nuancierungen hinzu.
Samstag, 18. Januar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Konsequent swingend
Ein Portrait des Labels „Criss Cross“
Von Gerd Filtgen
Der Schwerpunkt des von Gerry Teekens im Jahr 1980 gegründeten Criss Cross Labels liegt in der sachkundigen Betreuung des Modern Jazz. Dabei folgte der holländische Produzent – nach eigenem Bekunden – ohne kommerzielle Hintergedanken immer seinem eigenen Geschmack und nahm nur das auf, was ihm hundertprozentig gefiel. Mittlerweile umfasst sein Katalog mehr als 300 Titel. Für vielversprechende Talente hat Teekens, der als ehemaliger Jazz-Drummer bestens mit dem Metier vertraut ist, immer das richtige Gespür. Das unterstreichen unter anderen auch die aktuellen Sessions mit dem Pianisten Luis Perdomo und dem Saxophonisten Dayna Stephens.
Dienstag, 21. Januar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Höhepunkte vom Internationalen Jazzfestival Saalfelden 2013 (2)
Mit Marc Ducret’s „Tower Bridge“ und Christian Lillinger’s „Grund“
Am Mikrophon: Nina Polaschegg
Für die Besetzung der Variante seines Projektes „Tower“ wählte der Gitarrist Marc Ducret ein großes Ensemble, das seinerseits aus drei kleineren Formationen besteht. Verschmelzung und Isolation, Möglichkeiten der Interaktion und des Kontrastes der instrumentalen Klangfarben und eine musikalische Gestaltung zwischen Abstraktion und melodisch-rhythmischen Elementen. Der Berliner Schlagzeuger Christian Lillinger hat in seiner Band „Grund“ je zwei Instrumente einer Familie vereint: zwei Saxophonisten, Klavier und Vibraphon, zwei Bassisten. Er selbst treibt an, irritiert, hat die Musik verfasst. Es entsteht eine dichte, komplexe, stets vorwärtstreibende Musik, aber auch ruhig, zurückgenommene Passagen tauchen auf – ganz ohne Sentimentalität oder purem balladeskem Lyrizismus.
Donnerstag, 23. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Der Traum vom Fliegen
Sängerinnen und Sänger mit Lust am Experiment
Von Thomas Loewner
Die menschliche Stimme ist wie geschaffen für die Improvisation. Die Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten übertrifft locker die der meisten Instrumente – zumal dann, wenn Sängerinnen und Sänger am Werk sind, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mit erweiterten Vokaltechniken zu experimentieren, um die Grenzen des menschlich Machbaren auszuloten. Spektrum und Herkunft der KünstlerInnen sind inzwischen weit gefächert und sie stehen häufig in engem Zusammenhang. So arbeiten etwa der Schweizer Christian Zehnder oder Saadet Türköz aus Kasachstan mit Elementen der traditionellen Musik ihrer Heimatländer, während amerikanische Kollegen wie Mike Patton, David Moss oder Shelley Hirsch von so unterschiedlichen Stilen wie Heavy Metal, Rock und Neuer Musik beeinflusst sind. Trotzdem muss jeder Versuch scheitern, die Szene in klare Kategorien einzuteilen – die Vielfalt ist einfach zu groß, wie die Beispiele dieser Sendung zeigen.
Freitag, 24. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Der lange Atem
Drone Sounds in der experimentellen Improvisation
Von Julia Neupert
Der Begriff der „Drone music“ steht für lange, stehende, dröhnende Sounds. Das künstlerische Interesse liegt hier nicht vorrangig auf der horizontalen Entwicklung eines musikalischen Themas, sondern auf der Herausarbeitung des vertikal Komplexen. Es ist eine Konzentration auf feinste tonale Reibungen, auf die kaum wahrnehmbare Bewegung in vermeintlich statischen dynamischen Prozessen und auf die hypnotische Wirkung der zeitlichen Ausdehnung. In jüngster Zeit haben immer wieder auch Improvisatorinnen und Improvisatoren die Drones für sich als Stilmittel oder sogar Konzept entdeckt – auch, aber nicht nur im Kontext der elektronischen Musik.
Samstag, 25. Januar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: „Ivory & Brass“
Trompete-Klavier-Duos im Jazz
Von Günther Huesmann
Das vermutlich erste Trompete-Klavier-Duo in der Geschichte des Jazz hat der Kornettist King Oliver 1924 mit dem Pianisten Jelly Roll Morton aufgenommen: den „Tom Cat Blues“. 88 Jahre später klingen der Trompeter Marcus Belgrave und die Pianistin Geri Allen in dem Stück „Space Oddessey“ 2012 schon ganz anders. Sie zeigen: Es hat sich seitdem viel getan in dieser besonderen Duo-Disziplin. Trompete-Klavier-Duos sind im Jazz zwar vergleichsweise selten, musikalisch aber haben sie es in sich. Ob es auf der Bläserseite Louis Armstrong, Clark Terry oder Wynton Marsalis waren beziehungsweise sind oder auf der Seite des Tasteninstruments Earl Hines, Oscar Peterson oder Eric Lewis – die Kombination von „Ivory & Brass“ scheint Jazzsolisten trotz oder gerade wegen der spartanischen Instrumentierung immer wieder zu musikalischen Höchstleistungen herauszufordern.
Sonntag, 26. Januar, 19.40 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Come Together: Brian Melvins Trio Beatlejazz
Von Hans-Jürgen Schaal
Die Musik der Beatles wurde von Jazzmusikern schon häufig adaptiert. Selten aber geschah dies so vielseitig und originell wie beim Klaviertrio BeatleJazz und seinen Gästen. Das Projekt startete 1998 auf Initiative des Schlagzeugers Brian Melvin, die Idee dazu wurde allerdings schon zehn Jahre früher geboren. Im Mittelpunkt von BeatleJazz steht der Pianist Dave Kikoski, einer der ungekrönten Tastenhexer des Jazz und ein ewiger Geheimtipp. Vor allem seine Virtuosität beschert einen spannenden Slalomlauf zwischen Swing und Rock, Funk und Oldtime, Blues und World. Und ständig entdeckt man dabei neue, überraschende Facetten in den Kompositionen der Herren Lennon, McCartney und Harrison.
Dienstag, 28.Januar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Höhepunkte vom Internationalen Jazzfestival Saalfelden 2013 (3)
Mit Martin Küchen’s „Angles 10“, dem Wadada Leo Smith Golden Quartet & Pacifica Red Coral und dem Uri Caine Ensemble
Am Mikrophon: Gerd Filtgen
Mit seiner aus zehn Musikern bestehenden Band „Angles 10“ kreierte der schwedische Saxophonist Martin Küchen eine facettenreiche Musik, die ihre Spannung durch thematische Einschübe und rhythmische Verlagerungen bezieht. Als „Ten Freedom Summers“ bezeichnete Wadada Leo Smith ein Projekt mit Kompositionen, die in einem Zeitraum von über dreißig Jahren entstanden, wobei sich manche Titel auf Geschehnisse der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung beziehen. Und das Uri Caine Ensemble überzeugte mit einer etwas anderen Sicht auf George Gershwins Evergreens und seine „Rhapsody in Blue“.
Donnerstag, 30. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Piano Inside
Das präparierte Klavier in der improvisierten Musik
Von Harry Lachner
Er war nicht der Erste, der den Klang des Klaviers erweiterte, indem er die Saiten mit allerlei Gegenständen präparierte. Aber John Cage tat es in einigen seiner Kompositionen aus den 1940er Jahren am konsequentesten. Über die Jahre haben auch Pianisten aus dem improvisierten Bereich diese Technik aufgegriffen – und sie zu einer mittlerweile gängigen Praxis der Verfremdung gemacht. In Konzerten oder bei Studioaufnahmen griffen Keith Tippett, Hauschka, Ulrike Haage oder Aki Takase zu diesem Kunstgriff, bei dem die unterschiedlichsten Gegenstände zum klingenden Einsatz kommen: Radiergummis, Holzblöcke, Nägel, Pingpong-Bälle, Metallketten und was immer sich zwischen und auf die Saiten platzieren lässt. Präparation bedeutet mithin, dem Flügel ein völlig neues Spektrum klanglicher Möglichkeiten zu eröffnen.
Freitag, 31. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: „Just Not Cricket!“
Die 4 LP-Box mit Mitschnitten der „Three Days of British Improvised Music 2011 in Berlin“
Von Nina Polaschegg
Nein, in Großbritannien spielt man nicht nur Cricket! Das Land ist unter anderem auch bekannt für die hohe Kunst des Gambenspiels, für die Entstehung so mancher Meisterwerke Joseph Haydns, für die Beatles und schließlich auch als eine der Brutstätten frei improvisierter Musik. Drei Tage lang widmete 2011 ein Festival in Berlin der improvisierten Musik des Landes mit Auftritten wesentlicher Vertreter der Szene. Nachhören kann man diese Konzerte nun in einer 4-LP-Box, die das Label NI-VU-NI-CONNU herausgegeben hat. Nachlesen kann man ebenfalls, denn beigelegt ist sowohl ein umfassendes Booklet als auch das ebenso informative wie schön gestaltete Programmheft des Festivals.
Weitere Informationen finden Sie im Internet:
www.swr2.de/jazz



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