SWR2 - Jazzprogramm Januar 2015
15.12.2014 11:14 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Januar 2015
Donnerstag, 1. Januar, 00.05 – 02.00 Uhr
Swingin‘ Into The New Year
Von Günther Huesmann
Mit Schwung ins Neue Jahr: Die federnden Rhythmen legendärer Jazzorchester der 1930er und 1940er Jahren stehen in dieser Sendung im Vordergrund – genauso wie Perlen aus dem Bereich des Boogie Woogie, des Rhythm & Blues und des Latin Jazz. Count Basie, Duke Ellington, Chico O' Farrill appellieren mit ihren Big-Band-Melodien und -Beats leidenschaftlich ans Tanzbein. Und daher lautet die Losung für die ersten Stunden des Neuen Jahres ganz im Sinne des großen Duke: „It don' t mean a thing, if it ain' t got that swing.“
Donnerstag, 1. Januar, 19.40 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
König der Stratosphäre
Der Trompeter Maynard Ferguson
Von Gerd Filtgen
Mit seinen speziell in den oberen Registern der Trompete angesiedelten Soli fiel der kanadische Trompeter Maynard Ferguson sogar in Stan Kentons mit starken Blechbläsern besetztem Orchester auf. Jedoch auf Dauer war ihm der Status eines gefeierten Solisten in Kentons Klangwelt zu wenig: Nach Arbeiten als Studiomusiker in Hollywood gründete Maynard Ferguson Mitte der 1950er Jahre eigene Big Bands. Die großen Erfolge, die er damit auf vielen Festivals erzielte, gingen auch auf das Konto fähiger Arrangeure, zum Beispiel Slide Hampton und Bill Holman, die eine Erweiterung des Orchester-Klangspektrums nicht ausschließlich auf den Leiter abstimmten, sondern dessen Höhenflüge mit den Beiträgen anderer Solisten kontrastierten.
Donnerstag, 1. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Vom Reiz des Schwebens
Die Country- und Spacerock-Interpretationen des Gitarristen Bill Frisell
Von Harry Lachner
Country & Western aus der Perspektive eines Jazzmusikers, Bluegrass als Improvisationsgrundlage, Space Rock als Erinnerungsmodul? Bill Frisell, dem im Lauf seiner langen Karriere nichts Avantgardistisches je fern war, hegte immer schon eine besondere Zuneigung zur populären Musik. Ausgerüstet mit einem im Jazz mehr als raren Humor der feinsinnigen Art, begab er sich immer wieder mit Projekten wie etwa „The Willies“ auf eine Erkundungsfahrt durch das verzweigte Stollensystem der amerikanischen Musikkultur. Das führte ihn nicht nur an die Wurzeln ländlicher US-Kultur, zum Blues oder den Songs von Bob Dylan. Das vorläufig letzte Kapitel im Buch der Erinnerungen handelt nun von der Klangkultur des sogenannten „Space Rock“ der 1960er Jahre, wie sie maßgeblich vom Produzenten Joe Meek entworfen wurde.
Freitag, 2. Januar, 9.05 – 10.00 Uhr
Musikstunde: Jazz in Between (1)
Die Choro-Connection
Von Günther Huesmann
Das, was der Ragtime für den Jazz ist, ist der Choro für die brasilianische Musik: eine Keimzelle für die Entwicklung der musica popular brasileira. Die goldenen Jahre des Choro waren 1870 bis 1919. Der Musikstil entstand in Rio de Janeiro, als afro-brasilianische Musiker die europäischen Modetänze der damaligen Zeit – Polkas, Märsche, Mazurken – auf ihre ganz eigene Art interpretierten. Im Choro begegneten sich auf südamerikanischen Boden zum ersten Mal afrikanische und europäische Musik auf Augenhöhe. Dabei war und ist die Nähe zum Jazz essentiell. Kein Wunder, dass der Choro improvisierende Musiker weit über die Grenzen der südamerikanischen Musik hinaus immer wieder fasziniert.
Freitag, 2. Januar, 20.03 – 24.00 Uhr
SWR2 Krimi und Jazz: Lizenz zum Grooven
Der Jazz ’n‘ Crime-Abend
Am Mikrofon: Isabelle Demey
Kriminalhörspiel und Jazz – zwei akustische Nachtschattengewächse mit einer gemeinsamen Leidenschaft für intensive Spannungsmomente, seltsame Wendungen und überraschende Pointen. Wie schaurig schön die beiden Genres miteinander harmonieren, wird an diesem Abend auf verschiedene Weise zu hören sein, wenn zum Beispiel ein musikverrückter Serienkiller auf mystische Mörderballaden trifft, der Horror zum Swingen gebracht wird oder sich Fiktion und Realität vermischen: in Kriminalgeschichten und echter Kriminalgeschichte.
Samstag, 3. Januar, 9.05 – 10.00 Uhr
Musikstunde: Jazz in Between (2)
Südafrikanische Tastenkunst
Von Günther Huesmann
Mit Abdullah Ibrahim stellt Südafrika einen Jazzpianisten von großer internationaler Strahlkraft. Aber es gibt auch noch zahlreiche andere südafrikanische Klavierspieler, welche die Improvisationsmusik bereichern und ihr ganz eigene, afrikanische Impulse geben. In ihren Piano-Sounds mischen sich Bop und Kwela-Melodien, afrikanische Kirchen-Hymnen und die Mardi-Gras-Rhythmen des Kapstädter Karnevals. Eine kleine Reise durch eine Klavier-Szene, die ihre ganz besonderen magischen Reize hat.
Samstag, 3. Januar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Kreative Höhenflüge
Duke Ellington und sein Orchester in Aufnahmen aus den 1940er Jahren
Von Thomas Loewner
Duke Ellington zählt zu den herausragenden Größen des Jazz. Über einen Zeitraum von rund fünf Jahrzehnten hat er ein Werk von immensen Ausmaßen geschaffen. Dabei hat er sowohl als Komponist, Bandleader und Pianist Herausragendes geleistet. Eine künstlerisch besonders ergiebige Phase seiner Karriere war die erste Hälfte der 1940er Jahre. Ellington versammelte in seinem Orchester eine ganze Reihe herausragender Solisten, darunter Johnny Hodges, Ben Webster oder Barney Bigard. Deren individuelle Stärken setzte er gezielt in Szene, indem er für sie maßgeschneiderte Arrangements und Kompositionen schrieb. Ganz entscheidenden Anteil am Erfolg dieser Bandphase hatte aber auch Billy Strayhorn. Der Pianist war seit 1939 dabei und übernahm fortan viele wichtige Aufgaben. Er probte mit der Band, arrangierte und komponierte zahlreiche Klassiker. Mit „Take The A-Train“ schuf er sogar die Erkennungsmelodie des Ellington Orchesters.
Dienstag, 6. Januar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
Die Joachim Kühn Group 1975 in Freiburg
Am Mikrofon: Julia Neupert
Die 5000. Jazzsendung beim Südwestfunk sollte gefeiert werden und der damalige SWF-Redakteur Joachim-Ernst Berendt wünschte sich zu diesem Ereignis unter anderem ein Konzert mit Joachim Kühn. Dessen erstes Album hatte Berendt produziert, als dem Leipziger seine Heimat zu eng geworden und er der DDR den Rücken gekehrt hatte in Richtung Westen. Große Erfolge feierte der Pianist in den nächsten Jahren auch durch die Unterstützung Berendts, der Kühns künstlerisches Potential als einer der ersten erkannte. Für das Jubiläumskonzert 1975 in Freiburg ließ sich Joachim Kühn also nicht lange bitten und kam mit einer prominent besetzten Jazz-Rock-Band: Dabei waren der Japaner Terumasa Hino (Trompete), der Belgier Philip Catherine (Gitarre), der Brasilianer Naná Vasconcelos, die Amerikaner Alphonse Mouzon (Schlagzeug) und John Lee (Bass) und natürlich er selbst, Joachim Kühn, an den Tasten.
Donnerstag, 8. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Odilo Clausnitzer
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. In der ersten Ausgabe des Jahres 2015 gibt es unter anderem eine Leseprobe: Bert Noglik berichtet von seinen Eindrücken bei der Lektüre von Richard Havers Buch über das Label „Blue Note“. Außerdem berichtet Tobias Richtsteig von dem kleinen deutsch-russischen Festival, das Leo Records Ende Dezember in Berlin veranstaltet hat.
Freitag, 9. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: freejazzblog on air (4)
There’s No Business Like NoBusiness!
Julia Neupert im Gespräch mit Martin Schray
Free Jazz war immer auch verbunden mit unabhängigen Labels. Namen wie ESP in den USA, FMP in Deutschland oder Black Saint/Soul Note in Italien haben Musikern eine Plattform geboten, ohne sie wäre Free Jazz noch weniger im öffentlichen Bewusstsein verankert. Auch heute lebt diese Musik vom Engagement der Männer hinter den Musikern. Das litauische NoBusiness Label ist eine der umtriebigsten Plattenfirmen, bei dem der Name Programm ist: Der Gewinn, den die Musik abwirft, wird ausschließlich dazu verwendet, neue Projekte zu finanzieren. Freejazzblog on air stellt ausgewählte Alben vor.
Samstag, 10. Januar, 22.03 – 24.00 Uhr
Jazztime: Listen Here
Der Saxofonist Eddie Harris
Von Gerd Filtgen
Besser hätte es für Eddie Harris nicht laufen können: Bereits zu Beginn seiner Karriere landete der Saxofonist mit seinem Debütalbum „Exodus To Jazz“ einen Hit. Das lag an dem angenehm flexiblen Sound, den der Chicagoer Multiinstrumentalist nach akribischen Studien der Spielweisen prominenter Kollegen auf dem Tenorsaxofon kreierte, aber auch an seinem untrüglichen Spürsinn für attraktive Themen. Dafür hatte blendende Einfälle: Sein „Freedom Jazz Dance“ avancierte nicht zuletzt durch Miles Davis' Version zu einem Jazz-Klassiker, andere Stücke wie „Listen Here“ und „Live Right Now“ steckten voller Gospel- und Blues-Bezüge. Eddie Harris' vielschichtiges musikalisches Repertoire umfasste Bop, Soul Jazz und Fusion.
Sonntag, 11. Januar, 19.29 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
John & John: Big John Patton Meets John Zorn
Von Hans-Jürgen Schaal
Sein melancholisches, nachdenkliches Spiel auf der Hammond-Orgel machte „Big“ John Patton (1935-2002) zu einer kleinen Legende. Selbst John Zorn, der Avantgarde-Aktivist, verfiel irgendwann dem mythischen Zauber von Pattons Spiel: 1985 holte er den halb vergessenen Hammond-Helden für sein Album „Spillane“ ins Studio. Patton seinerseits revanchierte sich acht Jahre später und engagierte Zorn als Saxofonisten. Danach wurde John Zorn sogar Pattons Produzent und rückte das eigenwillig abgründige Spiel des Organisten in ein neues, starkes Licht. Der Hammond-Poet und der Musikkonzeptionist: eine faszinierende musikalische Begegnung.
Dienstag, 13. Januar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Tönendes Glasperlenspiel
Das Nikolas Anadolis Trio beim Festival Enjoy Jazz 2014 im Heidelberger Karlstorbahnhof
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Mit ihm bereichert Griechenland den europäischen Klavier-Jazz um eine neue, junge Facette. Nikolas Anadolis, 23, kommt aus Thessaloniki, er hat am Berklee College in Boston studiert, sein Spiel ist in der Jazztradition genauso tief verankert wie in der spätromantischen klassischen Klaviermusik. Dabei kann man beim Staunen über seine ultra-virtuosen Linien schnell vergessen, wie feingliedrig und interaktiv er improvisiert. Schon 2013 hatte der griechische Wunder-Jazzer beim Festival Enjoy Jazz überraschen können. Ein Jahr später gab ihm Festivalmacher Rainer Kern die Gelegenheit, sich in veränderter Besetzung erneut bei Enjoy zu präsentieren. Dabei zeigte sich Anadolis nicht nur solistisch und kompositorisch, sondern auch im kollektiven Zusammenspiel gereift. Im Trio mit dem Bassisten Simon Tailleu und dem Schlagzeuger Johannes Burgwinkel feuerte er pianistische Brilliantfeuerwerke voller Herz und Seele ab.
Donnerstag, 15. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Zwischen Partitur und freier Improvisation
Der Gitarrist und Komponist Scott Fields
Von Odilo Clausnitzer
Auf die Frage, was ihn besonders interessiert in der Musik, antwortet der Gitarrist Scott Fields gerne: Strukturen für die Improvisation zu schaffen. Auch wenn seine Musik frei klingt, so ist sie doch häufig durch mehr oder weniger komplexe Regelsysteme gebunden. So sieht sich der Amerikaner ebenso als Komponist wie als ausübender Musiker. Geboren 1960 in Chicago wurde er mit dem Blues der South Side und den experimentellen Klängen der AACM sozialisiert. Seit zehn Jahren lebt er in Köln, wo er auf ein dichtes Netzwerk von Kollegen zwischen Avantgarde-Jazz und Neuer Musik zurückgreifen kann. Zu seinen Projekten gehört u.a. das „String Feartet“, das drei klassische Streicher mit Fields' elektrischer Gitarre kombiniert. Sein „Freetet“ ist ein vor allem auf Improvisation ausgerichtetes, konventionell instrumentiertes Trio. In diversen anderen Projekten arbeitete und arbeitet er außerdem unter anderen mit Elliott Sharp, Paul Lytton, Matthias Schubert, Marilyn Crispell und John Hollenbeck.
Freitag, 16. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update: Adventurous Reading (3)
Sound American
Von Julia Neupert
In der dritten Folge unserer kleinen Reihe zu interessanter musikalischer Lektüre stellen wir heute das vierteljährlich erscheinende Online-Journal „Sound American“ vor. Als mediale Plattform des digitalen Archivs „Database of Recorded American Music“ (DRAM) gegründet, geht es hier allerdings nicht um die bloße Dokumentation der Archivarbeit. Es werden vielmehr verschiedene, mit der DRAM in weiterem Sinne vernetzte Themen von möglichst unterschiedlichen Perspektiven aus betrachtet und zur Diskussion gestellt. Ob in Interviews, Portraits, Essays oder Analysen: Vor allem sei es ihm wichtig, immer eine Sprache zu finden, die auch das angeblich schwer Zugängliche verständlich macht, es auf sehr persönliche Art und Weise vermittelt, sagt der Redakteur und Herausgeber von „Sound American“ – im Hauptberuf einer der spannendsten Vertreter der aktuellen amerikanischen Improvisationsszene – der Trompeter Nate Wooley.
Samstag, 17. Januar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Der sanfte Melodiker
Ein Porträt des Gitarristen Johnny Smith
Von Harry Lachner
Obwohl er zu den wichtigsten Gitarristen des Cool Jazz zählt, ist es vor allem seine Komposition „Walk, Don't Run“, die einem größeren Publikum bekannt ist. Dabei gehören die Arbeiten von Johnny Smith mit Stan Getz und Zoot Sims zu den herausragenden Beispielen eines in den 1950er Jahren neuen Jazz, der melodische Erfindung mit präziser, „kühler“ Strukturierung verband. In seinem Spiel lösten sich die scheinbaren Gegensätze von Intellektualität und Empfindsamkeit in einer Musik auf, deren Impulse nicht zuletzt aus der Welt des europäischen Impressionismus stammten. Nachdem Smith in den 1960er Jahren mit Auszeichnungen bedacht wurde, seine Popularität ihren Höhepunkt erreicht hatte, zog sich der Gitarrist weitgehend von der Szene zurück und trat nur noch sporadisch auf.
Dienstag, 20. Januar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Von Bert Noglik
Joe Henderson (1937-2001) zählte bereits in den 1960er Jahren zu den profilierten Musikern des Hard Bop, den er unter anderem für das Label Blue Note aufnahm. Nach einer längeren Phase ohne Plattenveröffentlichungen gelang ihm Anfang der 1990er Jahre ein fulminantes Comeback mit einer Reihe von Platten, die er Vorgängern und Wahlverwandten widmete: Billy Strayhorn, Duke Ellington, Miles Davis und Antonio Carlos Jobim. Wie bei allen guten Jazz-Tribute-Alben entstanden dabei gewissermaßen Doppelporträts: Erinnerungen an das Original und neue Sichtweisen, die zugleich den Charakter dessen spiegeln, der sich dem Vorbild mit Respekt und Phantasie annähert.
Donnerstag, 22. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Kosmos zwischen den Tönen
Ein Porträt des Pianisten und Keyboarders Benoit Delbecq
Von Michael Rüsenberg
Wer dieser Tage Jazzpianisten auf einen bestimmten französischen Kollegen anspricht, der erntet mit glänzenden Augen vorgetragene Komplimente. An der Spitze Ethan Iverson von The Bad Plus, der in seinem fabelhaften Blog „Do The Math“ notiert: „Ich bin stolz zu sagen, Benoit ist ein großer Einfluss auf mich!“ Benoit Delbecq, 48 Jahre alt, ist ein großer Stilist. Sein Kosmos zwischen den Tönen ist luzide erarbeitet; da gibt es Einflüsse von Thelonious Monk, Mal Waldron, Steve Lacy, Cecil Taylor, aber auch aus der europäischen Neuen Musik, von Komponisten wie Giacinto Scelsi und György Ligeti, nicht zu vergessen die afrikanische Musik. Aber Achtung, nicht alles schlägt auch hörbar durch, Delbecq hat etwa seine Melodik an Sprachsätzen trainiert. Der gegenwärtige Trend unter Jazzpianisten, das Instrument zu präparieren, hat ihn ihm seinen Meister. Sein Neo Cool Jazz steht konkurrenzlos da.
Freitag, 23. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Punkt. Strich. Stille
Die Projekte des komponierenden Improvisationstrios „KARL ein KARL“ aus der Schweiz
Von Nina Polaschegg
„Der unverrückbare Himmel. Ein Poem über das großartige Scheitern der Antarktisquerung Ernest Shackletons von 1914 – 1917 für Live-Musik, Video und Sprache.“ Das ist das aktuelle Projekt der Schweizer Formation „KARL ein KARL“. „KARL ein KARL“, das sind der Gitarrist Michel Seigner, der Cellist und Komponist Alfred Zimmerlin und der Kontrabassist Peter K. Frey. In der Arbeit ihres Trios treffen Improvisation und kollektive Komposition aufeinander. Und zwar auf je nach Projektidee ganz unterschiedliche Art und Weise. Seit den 1980er Jahren spielen sie zusammen. CDs oder andere Ton/Bildträger sind dennoch rar, denn die drei nehmen sich viel Zeit zur Projektentwicklung, aber auch zu deren Umsetzung. Zudem werden die kompositorischen Schritte meist im Kollektiv ausgehandelt. Ob 1991 in „Karls Fest“ als Komposition für das relativ neue Medium CD, 1996 in „Ja. Sprechmusik und Musiksprachen auf Texte von Konrad Bayer“ oder in der Raumkomposition „Bio-Adapter“ aus dem Jahr 2008.
Samstag, 24. Januar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Roots Of The Blues
Die afrikanischen Reisen des Pianisten Randy Weston
Von Bert Noglik
Randy Weston trat als einer der aktivsten Musiker hervor, die sich bereits in den 1950er Jahren für ihre afrikanischen Roots zu interessieren begannen. Der 1926 in New York Geborene wuchs im Umkreis von Max Roach, Thelonious Monk und Herbie Nichols auf, spielte mit Art Blakey und Kenny Dorham, ab Mitte der 1950er Jahre vor allem mit eigenen Bands. In den 1960er Jahren reiste er mehrfach nach Afrika. 1968 zog er mit seiner Familie für einige Jahre nach Marokko, wo er in Tanger den „African Rhythms Club“ unterhielt und auch mit Gnawas, Nachkommen ursprünglich aus Westafrika stammender Sklaven, zusammenarbeitete. Mit seinem ernsthaften, lang andauernden und auch durch musikethnologische Studien fundierten Interesse an afrikanischer Musik, wurde Randy Weston zu einem Wegbereiter eines Brückenschlags zwischen afroamerikanischer und afrikanischer Kultur.
Sonntag, 25. Januar, 19.36 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Sheik yer Zappa
Stefano Bollani feiert den Rockexzentriker Frank Zappa
Von Ssirus W. Pakzad
Der gebürtige Mailänder Stefano Bollani gehört zu den virtuosesten und vielseitigsten Jazz-Pianisten Europas. Auf bald jedem Album verfolgt der durch die Zusammenarbeit mit dem Trompeter Enrico Rava international bekannt gewordene Musiker einen neuen Ansatz. Sein aktuelles Werk ist eine augenzwinkernde Verneigung vor dem großen Frank Zappa. In Anspielung auf dessen Werk „Sheik Yerbouti“ taufte der Italiener seine aktuelle Live-CD „Sheik Yer Zappa“. Bollani geht durchaus spielerisch und eigenwillig mit Originalen wie „Bobby Brown“ um. Für die Aufnahmen umgab er sich mit vier Persönlichkeiten der amerikanischen Jazz-Szene: dem Posaunisten Josh Roseman, dem aus der Chicagoer Jazzgemeinde stammenden Vibrafonisten Jason Adasiewicz, Brad Mehldaus Stamm-Bassisten Larry Grenadier und dem Schlagzeuger Jim Black.
Dienstag, 27. Januar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Jazz am Bauernhof
Höhepunkte vom oberösterreichischen Festival INNtöne 2014
Am Mikrofon: Thomas Loewner
Bereits zum 29.Mal fand im Juni 2014 das INNtöne Jazzfestival statt. Der Untertitel „Jazz am Bauernhof“ ist Programm, denn traditionell findet das Festival auf dem Hofgelände des Organisators Paul Zauner im innviertlerischen Diersbach statt. Die besondere Atmosphäre dieses Ortes ist eines der Erfolgsgeheimnisse der INNtöne: Der Hof ist eingebettet in eine ländliche Idylle, die Konzerte finden in urigen alten Scheunen statt und die umliegenden Felder verwandeln sich in eine große Campingwiese. Doch auch musikalisch hat das Festival einiges zu bieten: Ganze 17 Konzerte standen allein letztes Jahr auf dem Programm, das sowohl Schlaglichter auf die lokale wie die internationale Szene wirft: etwa das legendäre Sun Ra Arkestra, Gitarrist James Blood Ulmer gemeinsam mit Pierre Dørge und seinem New Jungle Orchestra oder die aus Dallas stammende Sängerin Jazzmeia Horn.
Donnerstag, 29. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Transparente Dichte
Das Sextett SKEIN 2013 in der Alten Feuerwache Mannheim
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Extrem dicht, zugleich ungeheuer feingliedrig. Den Bandnamen SKEIN trägt dieses frei improvisierende Sextett völlig zu recht. Denn im Englischen bezeichnet das Wort SKEIN einen Strang, bei dem im Gegensatz zu einem Knäuel jeder einzelne Faden sichtbar bleibt. Nach diesem Modell richten sich die Formen und Strukturen, welche der Pianist Achim Kaufmann, der Saxofonist und Klarinettist Frank Gratkowski, die Cellistin Okyung Lee, der Elektroniker Richard Barrett, der Bassist Wilbert de Joode und der Schlagzeuger Tony Buck spontan kreieren. In der Alten Feuerwache Mannheim gelang SKEIN in einem SWR-Mitschnitt von 2013 eine Sternstunde der freien Improvisation – ganz im Geiste des „instant composing“.
Freitag, 30. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Carte Blanche für’s Freispiel
Erwin Ditzner, Sebastian Gramss und Ingrid Laubrock 2014 bei Enjoy Jazz in der Alten Feuerwache Mannheim
Am Mikrofon: Julia Neupert
Wenn der experimentierfreudige Ludwigshafener Schlagzeuger zum Freispiel bittet, kommen sie gerne. Marilyn Crispell, Alexander von Schlippenbach, Nils Wogram oder Jeff Parker – sie alle waren schon auf der Gästeliste für Ditzners jährliche „Carte Blanche“ beim Festival Enjoy Jazz. Immer dabei, „weil er mein absoluter Lieblingsbassist ist“: der Kölner Kontrabassist Sebastian Gramss. Mit ihm und der in New York lebenden Saxofonistin Ingrid Laubrock gestaltete Erwin Ditzner auch 2014 wieder einen Konzertabend ohne vorherige Proben oder gar Absprachen – ein risikoreiches, aber eben auch spannendes und in diesem Fall sehr lohnenswertes Unterfangen, dessen Höhepunkte in dieser Jazz Session zu hören sein werden.
Samstag, 31. Januar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Boo Boo’s Birthday
Thelonious Monk’s Columbia-Jahre (1962-1968)
Von Hans Jürgen Schaal
Unter den Fittichen des Weltkonzerns Columbia wandelte sich Thelonious Monks Image. Er war nicht länger einer von vielen Jazzpianisten, sondern galt plötzlich als eine rätselhafte Kunst-Ikone zwischen Genie und Wahnsinn. In dieser Spätphase seiner Karriere machte Monk sehr inspirierte und bleibende Neu-Aufnahmen von vielen seiner schräg-stimmigen „Klassiker“. Aber mindestens ebenso faszinierend waren seine neuen Kompositionen, die man auch heute noch eher selten hört – etwa das 21taktige „Boo Boo’s Birthday“, der Walzer „Ugly Beauty“, der Solo-Blues „North Of The Sunset“ oder das humorvolle „Bright Mississippi“.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



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