SWR2 - Jazzprogramm Januar 2016
14.12.2015 10:42 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Januar 2016
Freitag, 1. Januar, 00.05 – 02.00 Uhr
Swingin‘ Into The New Year
Von Julia Neupert
Lindy Hopp, Jitterbug, Balboa, Shag oder Cakewalk - es gibt viele Möglichkeiten, sich stilecht tanzend durch diese ersten beiden Radiostunden 2016 in SWR2 zu hören: Mit Duke Ellington, Count Basie, Benny Goodman, Lionel Hampton, Ella Fitzgerald und Gene Krupa werden Klassiker des Genres genauso dabei sein wie zeitgenössischer Vintage-Swing und - exotische Abstecher in die Welt des Bollywood-Jazz. Happy New Year & Keep Swingin' !
Freitag, 1. Januar, 19.28 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Geschichte eines Standards
Body & Soul
Von Hans-Jürgen Schaal
Das Stück "Body And Soul" ist einer der bekanntesten Standards im Jazz-Repertoire. Der Broadway-Komponist John Green schrieb den Song einst für die englische Schauspielerin Gertrude Lawrence. Jazzmusiker griffen das Stück ab 1930 auf, aber erst der Tenorsaxofonist Coleman Hawkins machte aus "Body And Soul" einen Klassiker der Jazzgeschichte. Hawkins' Improvisation von 1939 wurde sogar häufig Ton für Ton von anderen Musikern nachgespielt und nachgesungen. Zahlreiche weitere Interpreten - von Louis Armstrong bis John Coltrane, von Ella Fitzgerald bis Amy Winehouse - haben dem Song über die Jahrzehnte immer wieder neue und überraschende Facetten gegeben. Die Interpretations-Geschichte von "Body And Soul" ist ein Stück konzentrierter Jazzhistorie.
Freitag, 1. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Oh That Cello!
Improvisierende CellistInnen im aktuellen Jazz
Von Julia Neupert
Als kleiner Verwandter des im Jazz schon früh etablierten Kontrabasses spielte das Cello in der improvisierten Musik lange Zeit eher eine Nebenrolle. Oft waren es hauptberufliche Bassisten, die das Cello immer mal wieder als Zweitinstrument nutzten. Mit seinen einzigartigen klanglichen Qualitäten aber wurde das Cello hier später immer wieder auch als Soloinstrument eingesetzt. Vor allem durch experimentierfreudige Musikerinnen und Musiker der freien Improvisationsszene ist das Instrument inzwischen endgültig "erwachsen" geworden, nachzuhören unter anderem bei Tristan Honsinger, Fred Lonberg-Holm, Okkyong Lee oder Martin Schütz.
Samstag, 2. Januar, 09.05 – 10.00 Uhr
Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer "global language" geworden. "Jazz across the border" hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Freitag, 2. Januar, 20.03 – 24.00 Uhr
SWR2 Krimi und Jazz: Der Jazz ‚n‘ Crime Abend
Bloody Screens – Mörderisches auf Bildschirm und Leinwand
Moderation: Ilja Richter
Zum zweiten Mal bringen wir zum Jahresanfang unseren Jazz ‘n‘ Crime-Abend: Wilde Storys und knackige Kurzkrimi-Hörspiele werden inszeniert und urgesendet: Ueli Jäggi befindet sich mit Bill Moody »Auf der Suche nach Chet Baker«, Irm Hermann geht mit Elke Heinemann in einem »Kriminalrondo« letzten Fragen am Film-Set nach.
Diesmal geht es um Bloody Screens: Denn seit die Bilder laufen lernten, scheinen Jazz und Krimi sowohl im Kino als auch im TV eine mühelose Verbindung einzugehen. Aber warum? In vier unterhaltsamen, spannenden Stunden folgen wir den filmisch-jazzigen Spuren dieser Liaison: in Hardboiled-Hörspielen, Interviews, Gesprächen und musikalischen Bildern. Wir fragen nach der Korrespondenz zwischen den Filmklassikern des Thriller-Genres und berühmten Jazzaufnahmen. Wir sprechen mit dem Musikwissenschaftler Frank Hentschel, der sich als Filmmusikexperte (»Töne der Angst«) auskennt mit Grusel-Elementen. Er zeigt uns, was die Welt der Horror-Sounds so brizzelnd macht.
Und wir tauchen in die Welt des großartigen Filmkomponisten Lalo Schifrin ein: Er hat vielen Gänsehaut-Klassikern des Kinos und des Fernsehens genau jene Sounds verpasst, die den Streifen über Mord, Flucht und Verfolgung ihren unverkennbaren Spannungsreichtum geben: TV-Serien wie »Mannix« genauso wie Kinofilmen wie »Mission Impossible«. In einer Klang-Collage von Günther Huesmann erleben wir wie Künstler aus den verschiedensten Genres auf Schifrins Thriller-Melodien zugreifen und in spannenden Interpretationen neu auferstehen lassen.
Außerdem gehen wir den Jazzspuren im Ouevre des Regisseurs Orson Welles nach. Der Schöpfer des Film-Noir-Klassikers „Touch of Evil“ hatte eine besondere Beziehung zur Welt der improvisierten Musik, sie ging über reines Fantum hinaus. Ende der 1950er Jahre beschließt Welles einen Film über jene Musik zu drehen, die aus der Auflehnung gegen Unterdrückung und blutige Sklaverei entstanden ist: The Story of Jazz – und auch Louis Armstrong und Duke Ellington sind schon ganz scharf darauf, einen Streifen mit Orson Welles zu machen. Doch dann kommt alles ganz anders ...
Und wie kommt es eigentlich, dass so viele Filme der Schwarzen Serie – den düstersten Dramen und Thrillern aus dem Hollywood der 1930er und 1940er Jahren – in ihren Geschichten von Intrigen, Verrat und Gewalt - so unglaublich schnell auf die Sounds des Jazz zurückgriffen?
Julia Neupert und der Musiker Matt Wand werden sich vier Krimifilm-Jazz-Soundtrack- Klassiker vornehmen – die Titel werden hier noch nicht verraten. Dass Stücke von Miles Davis, Duke Ellington, dem Modern Jazz Quartet und Henry Mancini dabei sind, versteht sich von selbst. Außerdem wird Harry Lachner über die Beziehungen von Film Noir und Jazz nachdenken: Otto Premingers Film »Der Mann mit dem goldenen Arm« spielte nicht nur im Jazz- Milieu, er wartete auch mit einem exzellenten Soundtrack von Elmer Bernstein auf. Gerade der »Film Noir«, der existentialistische Krimi bzw. das tiefschwarze Schaf der Hollywood- Familie, griff gern und effektiv auf die Muster des Jazz zurück, um eine alptraumhafte Atmosphäre von Verbrechen, Verruchtheit und Verzweiflung akustisch zu illustrieren. »The Big Sleep« bietet einen Querschnitt durch die Musik der schwarzweiß-blutigen Filme der der vierziger und frühen fünfziger Jahre – zwischen Sentimentalität und roher Gewalt.
Wir bringen Bewährtes auf den Punkt, fahnden aber auch nach skurrilen Erkenntnissen. Wieso eigentlich wird Humphrey Bogart in der aktuellen Krimiliteratur immer wieder als Hase gefeiert? Und mit welchen Geheim- Rezepten hat ein Jazzer wie Klaus Doldinger die legendäre »Tatort«-Melodie geschrieben?
Ilja Richter begleitet uns durch hundert bewegte Jahre Bildergeschichte.
Dienstag, 5. Januar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
Das Miles Davis Quintet 1967 live in Karlsruhe
Am Mikrophon: Bert Noglik
Mit dem Konzert, das Miles Davis am 7. November 1967 in der Stadthalle in Karlsruhe gab, demonstrierte er seine aus heutiger Sicht bereits "klassisch" zu nennende akustische Quintettbesetzung der sechziger Jahre. Gemeinsam mit dem Tenorsaxofonisten Wayne Shorter, dem Pianisten Herbie Hancock, dem Kontrabassisten Ron Carter und dem Schlagzeuger Tony Williams gelang dem Trompeter ein genialer Spagat zwischen Jazztradition und dem freiem Spiel der damaligen Jazz-Avantgarde. Er reizt den modernen Jazz bis an die Grenzen der Tonalität aus, ohne die Bindungen an das vorgegebene Material aufzukündigen. Gleiches gilt für die Anlage der Soli und den Zusammenhalt der Gruppe: Miles Davis setzt auf Spontaneität und Struktur, bevorzugt also ein Konzept der kontrollierten Freiheit.
Donnerstag, 7. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Perpetual Motion
Der Tenorsaxofonist Donny McCaslin und seine vielseitige Musik
Von Odilo Clausnitzer
Unter den Spitzensaxofonisten der internationalen Jazzszene hat er einen besonders ausgeprägten Personalstil: der Amerikaner Donny McCaslin. Er begann als Mitglied in der Combo des Saxofonisten Gary Burton. Später ersetzte er Michael Brecker in der Fusion-Band Steps Ahead. Als Sideman gehörte er unter anderem zum Maria Schneider Orchestra, zur Band des Pianisten Danilo Perez und zum Quintett des Trompeters Dave Douglas. Geschätzt wird er von ihnen für sein kraftvolles, harmonisch komplexes und vor allem rhythmisch sehr artikuliertes Spiel. Sein Debut als Leader gab er 1998, vergleichsweise spät, mit 32 Jahren. Seither hat McCaslin eine Reihe faszinierend vielgestaltiger Alben vorgelegt. Darauf zeigt er sich nicht nur als Meister des vertrackten Post-Bop, sondern reflektiert auch Einflüsse von Elektro-Pop und lateinamerikanischer Musik.
Freitag, 8. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: On The Edge
Bruchstücke einer Geschichte der frei improvisierten Musik (1)
Wege in die Freiheit 1: Emanzipation im Jazz - Emanzipation vom Jazz
Von Nina Polaschegg
Freiheit ist relativ. Blickt man auf die Anfänge des Free Jazz und der sogenannten frei improvisierten Musik steht die Frage im Zentrum, wovon sich die Musiker zu befreien suchten. Der Beginn der mehrteiligen Sendereihe zur Geschichte der frei improvisierten Musik lenkt dabei den Blick auf die Entwicklungen im Jazz. Schon in den 1950er Jahren experimentierten Musiker damit, tradierte Parameter des Jazz infrage zu stellen, zu brechen, um sich später nach und nach von ihnen zu lösen. Ornette Colemans namensgebende Platte "Free Jazz" ist nur eines der Beispiele für eine Emanzipation im Jazz, die Musik Cecil Taylors oder Albert Aylers andere. Musiker in Europa, hier vor allem in Deutschland, Holland und England, fanden eigene Antworten auf den neuen, freien Jazz.
Samstag, 9. Januar, 22.03 – 24.00 Uhr
Jazztime: Astro Blue
Die Sternzeichen-Suiten von May Lou Williams, Gerald Wilson und Cannonball Adderley
Von Harry Lachner
Es ist nicht ungewöhnlich, dass Musiker sich ein übergeordnetes System zum Thema ihrer Kompositionen nehmen. Ein solches sind die Tierkreiszeichen, die für Mary Lou Williams, Cannonball Adderley, Barney Wilen oder Gerald Wilson die Referenz für einen Zyklus liefern. Das wirft natürlich die Frage auf, wie stark dabei der Fokus auf den astrologischen oder astronomischen Zeichen liegt: wie sich also die ihnen zugeschriebenen Charakteristika in der Musik selbst spiegeln. Oder ob ein solcher Zyklus nur als äußere Form genutzt wird, der den einzelnen Kompositionen eine Struktur verleiht. Der Saxofonist Adderley etwa stellt in seinem Zyklus die esoterisch gefärbte Bedeutung in den Vordergrund. Sein Album „Soul Zodiac“ (1972) entstand in der Blütezeit der Hippie-Mode, in der Sterndeuterei und Heilssuche eine besondere Verbindung eingingen. Adderleys Ansätzen musikalisch überlegen sind dagegen die klingenden Sternbilder von Mary Lou Williams oder Barney Wilen, deren klar strukturierte Kompositionen sich dem Mystischen entziehen oder die inhaltliche Bedeutung auf subtile Art illustrieren.
Dienstag, 12. Januar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Wiedervereint
Das Quartetto Trionfale mit Günter „Baby“ Sommer, Manfred Schoof, Gianluigi Trovesi und Antonio Borghini bei der Jazzbaltica 2015
Am Mikrofon: Gerd Filtgen
Beim Festival Jazz Baltica 2015 begeisterte das Quartetto Trionfale mit einem ereignisreichen Konzert, das einmal mehr die Vitalität improvisierter Musik unterstreicht. Bereits vor mehr als dreißig Jahren standen der Trompeter Manfred Schoof, der italienische Altsaxofonist und Klarinettist Gianluigi Trovesi und der Drummer Günter "Baby" Sommer auf der Bühne der Jazzwerkstatt Peitz. Damals traten die Protagonisten unter dem forschen Bandnamen "Peitzer Grand Mit Vieren" auf. Für den amerikanischen Bassisten Barre Phillips der ursprünglichen Besetzung sprang 2015 der italienische Kollege Antonio Borghini ein. Mit sentimentalen Erinnerungen hat das Quartett nichts im Sinn: Voller Energie stößt die Formation in kreative musikalische Bereiche vor.
Donnerstag, 14. Januar, 23.23 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Von Günther Huesmann
Das NOWJazz Update ist zumindest einmal im Monat zumeist halbstündig auf der nächtlichen Jazzschiene platziert und dient der Präsentation neuester Tendenzen der improvisierten Musik. Es erlaubt den ModeratorInnen, besonders wichtige Neuerscheinungen eingehender vorzustellen, als dies im NOWJazz Magazin möglich ist. Was gespielt wird, entscheiden die SWR2 JazzautorInnen erst kurz vor dem Sendetermin.
Freitag, 15. Januar, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Von Julia Neupert
Das NOWJazz Update ist zumindest einmal im Monat zumeist halbstündig auf der nächtlichen Freitagsschiene platziert und dient der Präsentation neuester Tendenzen der improvisierten Musik. Es erlaubt den ModeratorInnen, besonders wichtige Neuerscheinungen eingehender vorzustellen, als dies im NOWJazz Magazin möglich ist. Was gespielt wird, entscheiden die SWR2-JazzautorInnen erst kurz vor dem Sendetermin.
Samstag, 16. Januar
Jazztime entfällt
Dienstag, 19. Januar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Von Tobias Richtsteig
Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in der Reihe "My Favorite Discs" regelmäßig vorgestellt: von den Autorinnen und Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. Legendäre Klassiker oder weniger bekannte Favoriten - warum gerade ein bestimmtes Album sie so beeindruckt hat, erklären sie in dieser Sendung.
Donnerstag, 21. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Magazin
Von Bert Noglik
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs.??????????????????????????????????????????
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Freitag, 22. Januar, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Von Thomas Loewner
Das NOWJazz Update ist zumindest einmal im Monat zumeist halbstündig auf der nächtlichen Freitagsschiene platziert und dient der Präsentation neuester Tendenzen der improvisierten Musik. Es erlaubt den ModeratorInnen, besonders wichtige
Neuerscheinungen eingehender vorzustellen, als dies im NOWJazz Magazin möglich ist. Was gespielt wird, entscheiden die SWR2-JazzautorInnen erst kurz vor dem Sendetermin.
Samstag, 23. Januar, 22.03 – 24.00 Uhr Jazztime: Latin & Brass
Der amerikanische Trompeter Michael Rodriguez
Von Ssirus W. Pkazad
Als Michael Rodriguez in seiner Kindheit ein Konzert von Dizzy Gillespie im Fernsehen sah, wuchs in ihm der Wunsch, Trompete zu spielen. Trotzdem war die Gitarre für den in New York aufgewachsenen Sohn kubanisch-ecuadorianischer Eltern lange das Hauptinstrument, ehe er Blechbläser wurde. Heute gehört der 36jährige, der an Trompete und Flügelhorn ausgesprochen elegant zu intonieren weiß, zu den gefragtesten Musikern der New Yorker Szene. Quincy Jones, Carla Bley, Charlie Haden, Wynton Marsalis oder Maria Schneider zählen zu den Arbeitgebern des Virtuosen. Rodriguez leitet mit seinen älteren Bruder, dem Pianisten Robert, ein Projekt, das "The Rodriguez Brothers" heißt, bereits vier Alben veröffentlichte und zeitgenössischen Jazz mit karibisch-lateinamerikanischen Wurzeln kombiniert.
Sonntag, 24. Januar, 19.39 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Subtiler Swing
Der Gitarrist Jimmy Raney
Von Gerd Filtgen
Mit seiner flüssigen, zwischen Bop und Cool Jazz pendelnden Spielweise war Jimmy Raney (1927-1995) einer der wegweisenden Gitarristen in der Nachfolge von Charlie Christian. Die Tonfolgen, die er seinem Instrument entlockte, verloren auch in schnellen Stücken nichts von ihrer lyrischen Melodiösität. Das demonstrierte der virtuose Gitarrist als Sideman in Sessions, die den Hauptanteil seines auf Tonträgern dokumentierten Werks ausmachen. Aber auch in exemplarischen Aufnahmen unter eigenem Namen, wie "Jimmy Raney Visits Paris", einer Begegnung mit dem Gitarristen Jim Hall.
Dienstag, 26.Januar, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: SWR Jazzpreis 2015
„Beharrlich verwegen“
Das Preisträgerkonzert des Pianisten Georg Graewe bei Enjoy Jazz in Ludwigshafen (2)
Am Mikrofon: Julia Neupert
Lyrisch verspielt, hochvirtuos, klangsensibel und klar strukturiert: Der Solo-Auftritt von Georg Graewe in Ludwigshafen zeigte eindrücklich die Ausnahmestellung des Pianisten, der in zwei Tagen seinen 60. Geburtstag feiert. Graewes musikalische Sprache hat die Jazzgeschichte von Jelly Roll Morton über Bill Evans bis hin zu Fred van Hove genauso absorbiert wie die Eleganz der französischen Klaviertradition oder die lakonische Prägnanz der Zweiten Wiener Schule. Er gehöre damit "zu den stilprägenden Improvisatoren unserer Zeit", begründete die Jury des SWR Jazzpreises ihre Wahl Graewes zum SWR Jazzpreisträger 2015.
Donnerstag, 28. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Der elegische Klavier-Hammer
Brad Mehldaus monumentales Werk „10 Years Solo Live“
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Mit seinem Piano-Trio hat der Amerikaner Brad Mehldau in den 1990er und Nuller-Jahren Jazzgeschichte geschrieben. Weniger bekannt war bisher sein Werk als unbegleiteter Solopianist. Das wird sich nun wohl schnell ändern. Denn Mehldau zeigt sich auf seiner 4-CD-Box "Ten Years Solo Live" - einer Edition ausgewählter Live-Solo-Stücke aus einem Jahrzehnt - als großer Klavier-Visionär.
Freitag, 29. Januar, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Anrüchig?
Frank Zappa und sein Verhältnis zum Jazz
Von Harry Lachner
Ein Bonmot, so leicht während eines Konzertes 1973 im "The Roxy", Hollywood, dahingesagt, wurde zum geflügelten Wort. Jazz, sagte Frank Zappa, sei nicht tot, er rieche nur etwas komisch. Damals war die erste, anarchisch experimentierfreudige Formation seiner "Mothers of Invention" bereits aufgelöst - und vom Konzept seiner Instrumentalplatten "Grand Wazoo" und "Waka/Jawaka" aus dem Jahr 1972 hatte er sich auch schon wieder verabschiedet. Gerade hier aber enthüllte sich der Einfluss des Jazz in besonderem Maße: Auf diesen beiden Alben gelang jenem als gnadenloser Perfektionist verschrienen Gitarristen und Komponisten eine einzigartige Fusion von Jazz, Rock und ausgefeilter Komposition, die sich in eigenwilliger Weise vom Gros der damals üblichen Jazzrock-Versuche abzusetzen vermochte. Bis zu Zappas letzten Aufnahmen war der Jazz immer mal wieder in seinem Werk präsent: allerdings entweder eher unterschwellig - oder als Schreckwort wie in "Jazz from Hell". Denn je älter Zappa wurde, desto enger wurden die Spielräume für die Improvisationen seiner Musiker. Die eigenen, grandiosen Gitarren-Soli selbstredend ausgenommen.
Samstag, 30. Januar, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Jazz-Genius
Der amerikanische Trompeter Tom Harrell
Von Thomas Loewner
Auf die Musik von Tom Harrell angesprochen geraten Musikerkollegen wie Kritiker und Publikum gleichermaßen ins Schwärmen. Saxofonist Joe Lovano sagt etwa, seine Soli seien die schönsten unter allen Improvisatoren. Sein Handwerk hat Harrell von der Pike auf gelernt: erster Unterricht mit acht Jahren, frühe Auftritte mit Bands und ein Studium an der Stanford University. Danach folgten Jahre als Sideman in großen Ensembles wie dem Stan Kenton Orchester oder Charlie Haden' s Liberation Music Orchestra. In den 1980er Jahren begann Tom Harrell verstärkt mit eigenen Bands zu arbeiten und zu komponieren. Für seine Projekte konnte er immer wieder herausragende Mitstreiter gewinnen, etwa Kenny Garrett, John Scofield und Danilo Perez. Tom Harrell leidet seit über vier Jahrzehnten an Schizophrenie und muss dauerhaft Medikamente nehmen, um die Krankheit in Schach zu halten. Für ihn ist die Musik seine Rettung gewesen: "Einer der Hauptgründe, warum ich Trompete spielen wollte ist, dass sie mich geheilt hat."
Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können als Audio on Demand im Internet 7 Tage online abgerufen werden. Auf www.swr2.de/jazz finden Sie Musiklisten und weitere Informationen zum Programm von SWR2.



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