SWR2 - Jazzprogramm Juli - August 2015
03.06.2015 11:14 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Juli August 2015
Donnerstag, 2. Juli, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Die Entfaltung der Klänge
Der Klarinettist Ben Goldberg zwischen Tradition und Moderne
Von Harry Lachner
Vom New Klezmer Trio über die kritische Reflexion des Bebop-Repertoires, den folkloristischen Anklängen der Band Tin Hat zum „Book of Angels“ von John Zorn: Der Klarinettist Ben Goldberg spielt sich mit großer Virtuosität durch Stile und Zeiten, durchbricht scheinbar feststehende Formen und findet immer wieder Herausforderungen, die jegliche Vorhersehbarkeit musikalischer Abläufe in Frage stellen. Goldberg, der nicht zuletzt wegen seiner ausgeprägt nuancierten Tonkultur von vielen Musikern zu Projekten und Aufnahmen eingeladen wird, markiert auch die Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Geprägt vom alten jüdischen Erbe der Klezmorim stellt er sich risikobewusst den Ansprüchen einer aktuellen Ästhetik in der improvisierten wie auch in der komponierten Musik.
Freitag, 3. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update: Adventurous Reading (5)
buch & ton
Von Julia Neupert
Berlin, Nickelsdorf oder Ulrichsberg: Raimund Dillmann ist immer schon auf den Festivals, bevor das erste Konzert beginnt. Vor allem in den Pausen wird es dann für ihn betriebsam, denn an Dillmanns Stand kommt kaum ein Fan von Jazz und improvisierter Musik vorbei: „buch & ton“ heißt seine mobile Buchhandlung. Hier findet man Klassiker der Fachliteratur wie Peter Niklas Wilsons „Hear and Now“, aktuelle Neuerscheinungen wie die Keith Jarrett Biographie von Wolfgang Sander aber auch schwer erhältliche Raritäten und Antiquarisches. „Adventurous Reading“ hat Raimund Dillmann beim diesjährigen mœrs festival getroffen, wo der Stand-Besuch von „buch & ton“ für etliche Festivalbesucher ein jährlicher Pflichttermin ist.
Samstag, 4. Juli, 9.05 – 10.00 Uhr
Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz Across The Border“ hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Samstag, 4. Juli, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Aufstieg aus dem Untergrund
Jazz im polnischen Kino (1958-1967)
Von Bert Noglik
Ende der 1950er Jahre kam es zu einer „neuen Welle“ im polnischen Film, die sich in neorealistischen Betrachtungsweisen wie auch mit gleichnishaften Erzählweisen der Bevormundung durch die kommunistische Kulturpolitik widersetzte und künstlerisch bedeutsame Resultate hervorbrachte. Regisseure des damals neuen polnischen Kinos wie Andrzej Wajda, Jerzy Kawalerowicz und Jerzy Skolimowksi fanden in ihrem Streben nach neuem Ausdruck zur Zusammenarbeit mit jungen Jazzmusikern wie Krzysztof Komeda, Tomasz Stańko, Zbigniew Namysłowksi und Andrzej Trzaskowski, deren Musik sich von der illustrierenden Funktion löste und zum Partner der Bildsprache wurde. Diese im Dialog mit dem Film entstanden Aufnahmen haben bis in die Gegenwart hinein immer wieder polnische Jazzmusiker inspiriert.
Sonntag, 5. Juli, 19.22 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
New Yorks kubanischer Puls
Der Altsaxofonist Roman Filiu
Von Ssirus W. Pakzad
Wie so viele andere kubanische Musiker durchlief der Altsaxofonist Roman Filiu eine äußerst strenge Ausbildung. Der heute 42jährige, der in einem Problemviertel aufwuchs, sagt, dass ihn sein voller Lehrplan davor bewahrt habe, Dummheiten anzustellen. Professionelle Erfahrungen sammelte er im Tanzorchester von Issac Delgado, ehe er zur international bekannten Kultband „Irakere“ wechselte. Später setzte sich Filiu nach Madrid ab, kehrte der Stadt jedoch musikalisch frustriert den Rücken. Heute lebt er in New York. Dort fand er schnell Anschluss, spielte mit Legenden wie Muhal Richard Abrams, Steve Coleman oder Henry Threadgill. Auf dem Label seines Landsmannes Dafnis Prieto veröffentlichte Roman Filiu mit „Musae“ ein furioses Solo-Album, auf dem sich kubanischer Puls und karibisches Lebensgefühl mit komplexen kompositorischen Strukturen vereint.
Dienstag, 7. Juli, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
Jazz In The Black Forest. Das Wolfgang Dauner Trio, das Nathan Davis Quintet und das Gunter Hampel Quintett 1965 in der Tonhalle Villingen
Am Mikrofon: Gerd Filtgen
Manchen musikalischen Ereignissen kann die mittlerweile verflossene Zeit nichts anhaben. Obwohl die SWF-Session in Villingen bereits ein halbes Jahrhundert zurückliegt, klingen die Aufnahmen taufrisch. Dafür sorgen originelle melodische Verknüpfungen, die der Pianist Wolfgang Dauner in seine Improvisationen einfließen lässt. Mit ungewöhnlichen Sounds kreierte das Quintett des Vibraphonisten und Flötisten Gunter Hampel ebenfalls eine Alternative zum amerikanischen Jazz-Geschehen. Darauf bezog sich eher der Auftritt des Tenorsaxofonisten Nathan Davis, der mit seinen extrovertierten Chorussen an den Einfluss erinnerte, den der legendäre John Coltrane damals ausübte.
Donnerstag, 9. Juli, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Thomas Loewner
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs.
Freitag, 10. Juli, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Kühne Klänge aus dem Burgenland
Höhepunkte von den Nickelsdorfer Konfrontationen 2014
u.a. mit dem Trio Georg Graewe/Ernst Reijseger/Gerry Hemingway
Am Mikrofon: Nina Polaschegg
Mitte Juli finden die 36. Konfrontationen im Burgenländischen Nickelsdorf statt: vier Tage lang Free Jazz, improvisierte und experimentelle Musik. Zur Einstimmung bringt die heutige Sendung Höhepunkte von der letztjährigen Festivalausgabe. Ihr 25. Jubiläum feierte 2014 das Trio um den Pianisten Georg Graewe, den Cellisten Ernst Reijseger und den Schlagzeuger Gerry Hemingway – zuletzt standen die drei Musiker vor 19 Jahren zu dritt auf der Konfrontationen-Bühne! So lange spielen Achim Kaufmann, ebenfalls Klavier, Axel Dörner, Trompete und Okkyung Lee, Cello noch nicht zusammen. Zwei Trios, die Ähnliches und doch ganz Anderes präsentieren. Das dritte Klaviertrio setzte auf hohe Energieströme, ohne im reinen Powerplay zu verharren: der Saxophonist Luc Houtkamp, der Schlagzeuger Martin Blume und der Pianist Simon Nabatov.
Samstag, 11. Juli, 22.03 – 24.00 Uhr
Jazztime: Die Königsdisziplin
Trompeter und ihre klassischen Quartettaufnahmen
mit Miles Davis, Lee Morgan, Wynton Marsalis u.a.
Von Odilo Clausnitzer
Es gibt wohl kein traditionelles Besetzungsformat, in dem ein Jazztrompeter so umfassend seine Fähigkeiten zeigen kann wie im Quartett mit Rhythmusgruppe. Als einziger Bläser steht er hier im Zentrum der Aufmerksamkeit. Für das technische Geschick, aber auch für das Gestaltungspotential und für die Ausdruckspalette ist das Quartettspiel die ultimative Bewährungsprobe. Viele Trompeter des modernen Jazz haben deshalb früher oder später, gleichsam als künstlerische Visitenkarten, Quartettaufnahmen vorgelegt. Während manche in diesem Rahmen bewusst ihre Virtuosität ausreizten, nutzte Miles Davis seine erste Quartett-Session unter eigenem Namen, um an seinem neuen, reduzierten und luftigen Spielkonzept zu feilen. Auch Quartettaufnahmen jüngerer Kollegen wie Kenny Dorham und Lee Morgan gerieten jeweils zu regelrechten Stilstudien. Und der wohl prominenteste zeitgenössische Jazztrompeter, Wynton Marsalis, machte gleich eine ganze Reihe von Quartett-Platten, mit denen er eindrucksvoll seine Klasse demonstrierte.
Dienstag, 14. Juli, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Heimspiel
Das Ferenc und Magnus Mehl Quartett mit Magnus Schriefl und das Judith Goldbach Quartett beim Preisträgerkonzert zum Jazzpreis Baden-Württemberg 2015 im Theaterhaus Stuttgart
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Der mit 15.000 Euro dotierte Jazzpreis des Landes Baden-Württemberg geht in diesem Jahr an den Altsaxofonisten Magnus Mehl aus Rottweil. Mehl lebt heute in Stuttgart und gehört dort wegen seines kommunikativen, ideensprühenden Spiels zu den hervorragenden Spontanerfindern. Beim Preisträgerkonzert im Theaterhaus Stuttgart präsentierte er sich gemeinsam mit seinem Bruder, dem Schlagzeug Ferenc Mehl, in einem Quartett, zu dem als Gast der Trompeter Magnus Schriefl hinzustieß. Zweitplazierte des Jazzpreises Baden-Württemberg 2015 ist die in Stuttgart lebende Kontrabassistin und Bandleaderin Judith Goldbach. Sie hat sich durch ihr kraftvolles und klangbewusstes Bassspiel und durch einen fantasievollen Mix aus Jazz, Klassik und rumänischen Bauerntänzen einen Namen gemacht.
Donnerstag, 16. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Virtuose Drehorgel
Aus der Welt des Pierre Charial
Von Hans-Jürgen Schaal
Sein Instrument hat 156 Pfeifen und drei Register und wird mit gelochten Kartonbahnen gefüttert. In emsiger Kleinarbeit locht Pierre Charial die Musikstücke für seine Hochleistungs-Drehorgel. Bei Klassik-Hits und Jazz-Standards ist für ihn noch lange nicht Schluss. Seit etlichen Jahren fühlt sich der Franzose auch in der Musik von Xenakis und Ligeti zu Hause – und sogar in der improvisierenden Jazzszene, obwohl er auf seinem Instrument ja gar nicht improvisieren kann. Musiker wie Sylvie Courvoisier, Michel Godard und Michael Riessler verlassen sich auf den Mann, der mit einer einzigen Kurbelbewegung komplexe Klanggebäude erschafft. „In der Theorie ist es sehr einfach“, sagt Pierre Charial.
Freitag, 17. Juli, 23.03 – 24.00 Uhr
freejazzblog on air (6) One Is The Lonliest Number
Die Kunst des guten Solo-Albums
Julia Neupert im Gespräch mit Martin Schray
Free Jazz lebt häufig von Kommunikation, von der Faszination der Interaktion. Bei Solokonzerten und -aufnahmen fällt dieser Aspekt weg, was sie gleichzeitig schwierig und reizvoll macht. Es gibt niemanden, der einen auffängt oder der einem mit neuen Ideen weiterhilft, reagieren kann man nur auf das Publikum oder auf den Raum. Man ist alleine auf sich gestellt, quasi nackt, auch deshalb erfordert keine andere Konzertform eine solche technische, geistige und körperliche Präsenz. Wenn die aber gegeben ist, dann kann man sich selbst überraschen, „sich selbst zuhören und sich von sich selbst befreien und im selben Moment mit allem spielen was man in sich hat“ (Pascal Niggenkemper). In solchen Momenten findet der Solokünstler einen roten Faden und weiß dann intuitiv, wohin er will. Julia Neupert und Martin Schray stellen in der sechsten Ausgabe von freejazzblog on air solche Momente vor.
Sonntag, 19. Juli, 19.30 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Debut in Blues
Erinnerungen an den Trompeter Clarence Shaw
Von Gerd Filtgen
Zu den vielen ungelösten Rätseln des Musikbusiness zählt die Frage, warum Charles Mingus’ „Tijuana Moods“ erst 1962, fünf Jahre nach dem Aufnahmedatum, von der Plattenfirma RCA veröffentlicht wurde. Auf dem heute als Jazz-Klassiker geltenden Werk wirkte der Trompeter Clarence Shaw mit. Über dessen Sound und die Frische seiner Ideen äußerte sich Mingus überschwänglich und resümierte, dass Shaw, wäre die Platte sofort herausgekommen, ein Star geworden wäre. Nach einem Disput mit dem Bassisten hatte Shaw die Band verlassen. Mehrere Jahre war von dem ihm nichts mehr zu hören, bis er sich, jetzt mit dem Vornamen Gene, als Leader mit drei ausgezeichneten Sessions „Breakthrough“, „Debut In Blues“ und „Carnival Sketches“ zurückmeldete.
Montag, 20. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Soul Brother
Der Trompeter Roy Hargrove im Birdland in Neuburg an der Donau
Am Mikrofon: Ulrich Habersetzer
Sein Sound ist einzigartig. Der Texaner Roy Hargrove zählt mit gerade mal 45 Jahren zu den wichtigsten Trompetern der Jazzszene. Als gefeiertes Talent veröffentlichte er 1990 sein erstes Album unter eigenem Namen. Gefördert von Trompeterkollege Wynton Marsalis oder den Saxofonisten Bobby Watson und Joe Henderson wurde er bald zum Rising Star. Roy Hargrove ist ein echtes Chamäleon, er spielt Elektro-Funk in seinem Projekt „RH Factor“, hat seine eigene Big Band oder arbeitet mit Neo Soul- und R&B-Musikern wie D'Angelo oder Eryka Badu zusammen. In den letzten Jahren ist er aber immer wieder mit einem klassischen Jazz-Quintett auf Tour. Hier kehrt er zu den Wurzeln zurück. In der Besetzung mit Altsaxofonist Justin Robinson, Pianist Sullivan Fortner, Bassist Ameen Saleem und Schlagzeuger Quincy Phillips sorgte Hargrove beim 4. Birdland Radio Jazz Festival in Neuburg an der Donau für ein Highlight. Mehr als zwei Stunden feierte die Band den souligen Hard Bop mit größter Intensität und virtuoser Spielfreude.
Dienstag, 21. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Lost Memory
Die musikalischen Visionen und Imaginationen des Jun Miyake
Von Bert Noglik
In den Stücken von Jun Miyake tauchen Stilelemente aus unterschiedlichen Zeiten und Himmelsrichtungen auf. Der aus Japan stammende und in Paris lebende Klangregisseur, Flügelhornist und Pianist bezieht sich auf klassisch-moderne Kammermusik, Jazz, orientalische Skalen, brasilianische Populärmusik, französische Chansons und Dutzende andere Quellen. Wenn er in unterschiedlichsten Besetzungen Streicher, Oud-Spieler, Samples, bulgarische Stimmen oder den Gesang von Lisa Papineau und Nina Hagen aufleuchten lässt, so fällt das Ganze dennoch nicht auseinander, weil Jun Miyake mit magischen Stimmungen Zusammenhänge stiftet. Diese wie Traumszenen vorbeiziehende Musik schwebt zwischen Erinnern, Vergessen und Vergegenwärtigen, und sie weiß das Schwelgen in Nostalgie mit der Lust am so zuvor noch nicht Gehörten zu verbinden.
Mittwoch, 22. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
New On Bord: Aktuelle Jazzalben
Von Thomas Loewner
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den Verkaufs-Regalen der CD-Geschäfte und in den Sparten der Download-Portale. Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentierten deshalb die Autorinnen und Autoren des ARD-Radiofestivals in „New On Board“ die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 23. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Lover Man, Lover Woman
Der Sänger José James verneigt sich vor Billie Holiday
Von Sarah Seidel
Billie Holiday, eine Ikone des Jazz-Gesangs, hätte am 7. April 2015 ihren 100. Geburtstag gefeiert. Dass mit José James nun ein männlicher Sänger ein Holiday-Tribut-Album aufnimmt und Stücke aus ihrem Repertoire interpretiert, mag zunächst überraschen. Zumal er sich in den letzten Jahren hin zum Neo-Soul, HipHop und Rock entwickelt hat. José James geht hier aber keiner Plattenfirmen-Idee nach, sondern singt Songs, die ihm etwas bedeuten. Mit seinem Billie Holiday-Programm tritt er schon seit vier Jahren live auf. James verneigt sich vor den Songs einer faszinierenden Sängerin, von der man sich bis heute fragt: „Wer war diese Frau?“
Freitag, 24. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
My Latin Heart
Der Saxofonist und Klarinettist Paquito D'Rivera und die WDR Big Band
Von Jörg Heyd
Schon als Kind spielte Paquito D'Rivera in den großen Konzertsälen seines Heimatlandes Kuba. Der Bühne und seinem Publikum ist der Musiker bis heute treu geblieben, nur dass die Podien längst größer und internationaler geworden sind. Mit der WDR Big Band verbindet den Klarinettisten, Saxofonisten und Komponisten eine lange und innige Freundschaft. Mehrere hochkarätige CD-Produktionen („Benny Goodman Revisited“, „Big Band Time“) zeugen von dieser fruchtbaren Zusammenarbeit. Deshalb war es D'Riveras Wunsch, sein 60jähriges Bühnenjubiläum mit der WDR Big Band zu feiern. Im Mittelpunkt beim Konzert in der Kölner Philharmonie im Februar 2015 standen Kompositionen aus Kuba und Lateinamerika, die von D'Riveras Landsmann Hilario Duran für die WDR Big Band arrangiert wurden.
Montag, 27. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Fetter Groove
Das Quartett M.E.A.N. in Aufnahmen aus den rbb-Studios
Am Mikrofon: Ulf Drechsel
Der Bandname M.E.A.N. ist ein Versprechen. Zunächst einmal nicht unbedingt ans Publikum sondern ein Versprechen, das sich die Musiker am 24. März 2011 untereinander gegeben haben. M.E.A.N. ist eine Art Treueschwur, da es sich um die Anfangsbuchstaben der Nachnamen der Mitglieder des Quartetts handelt: Jacob Müller (Bass), Dominique „Gaga“ Ehlert (Schlagzeug), Martin Auer (Trompete) und Werner Neumann (Gitarre). In dieser Band ist niemand austauschbar, jeder bringt die Vielfalt seiner musikalischen Biografie ein und alle formen daraus mit großer Leidenschaft eine gemeinsame, sehr originelle Klangsprache. Da treffen Jazz auf Ska, Blasmusik auf Rock, Punk auf Blues. Nach dem Erfolg des 2013 erschienenen Debütalbums „Helden aus einer fernen Zeit“, war die Band reif für den nächsten Aufnahmetermin, Anfang 2015 im Studio des rbb.
Dienstag, 28. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Der fremde Klang
Selten gehörte Instrumente in der improvisierten Musik
Von Harry Lachner
Im Zentrum der Sendung stehen einige im Jazz eher selten gehörte Instrumente wie etwa die Ukulele von Lyle Ritz, die speziell entworfenen Glasinstrumente von Arve Henriksen und Terje Isungset, das Daxofon von Hans Reichel oder die Koto einer Miya Masaoka. Der Klang – fremd oder befremdlich, alltagsvertraut oder nicht von dieser Instrumentalwelt – ist sich dabei nicht selbst genug. Denn Improvisation bedeutet immer auch, den Sound an Form wie auch an den Ausdruck einer eigenen musikalischen Identität zu koppeln. Nicht selten verflüchtigt sich deshalb nach kurzer Zeit jenes Moment des Fremdelns und es enthüllt sich jenseits der Klangfremdheit das Wesen der Musik.
Mittwoch, 29. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
New On Board: Aktuelle Jazzalben
Von Karsten Mützelfeldt
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den Verkaufs-Regalen der CD-Geschäfte und in den Sparten der Download-Portale. Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentierten deshalb die Autorinnen und Autoren des ARD-Radiofestivals in „New On Board“ die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 30. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Frankfurter Urgestein
Der Saxofonist Emil Mangelsdorff
Von Daniella Baumeister
Am 11. April wurde Emil Mangelsdorff 90 Jahre alt. Er ist ein ganz Großer des modernen Jazz; einer, der den Jazz in seinen vielen Varianten über die Jahrzehnte begleitet und beeinflusst hat und ein Mann mit großer Geschichte – als Musiker und als Mensch. Immer noch tritt er auf, als spiele das Alter keine Rolle. Spielt es wohl auch nicht, „die Musik hält mich am Leben und hält mich jung“, sagt er. Emil Mangelsdorff plant unermüdlich weiter Auftritte auf Bühnen, aber auch in Schulen oder bei Demonstrationen zum Beispiel gegen Fremdenfeindlichkeit. Sein Engagement gegen Rechtsradikalismus ist ihm genauso wichtig wie seine Musik. Daniella Baumeister hat den „Ritter des Jazz“, wie er von Freunden liebevoll genannt wird, getroffen und mit ihm eine Zeitreise im Jazz gemacht.
Freitag, 31. Juli, 23.30 -24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Keeper Of The Flame
Die brasilianische Sängerin und Gitarristin Joyce Moreno
Von Harald Mönkedieck
Ihre frühen Einflüsse waren jazzmusikalischer Art, ihren ersten Auftritt im Tonstudio hatte sie 1964 als Chorsängerin, ihr erstes eigenes Album erschien 1968. Viele weitere folgten bis zum aktuellen „Raiz“ – Wurzeln. Mit ihm feiert die brillante Sängerin aus Rio de Janeiro die zeitlose Schönheit ihrer Art brasilianischer Musik: Bossa Nova, Samba Jazz – “Hard Bossa“. Mit dem gleichnamigen Album für das britische Far Out-Label reüssierte Joyce Moreno 1999 auch in Europa. Ältere Aufnahmen wie „Feminina“ wurden schon zuvor von Rare Groove-Experten für den Jazz-Dancefloor entdeckt. Joyce Moreno kam im Laufe der Jahre regelmäßig auch nach Deutschland, arbeitete mit der WDR Big Band. Zahlreiche Alben präsentierten sie meist im Combo-Format, in enger Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann, dem Drummer Tutti Moreno. In der Sendung gibt Joyce Moreno Auskunft über ihre derzeitige Sicht der Dinge, über den schweren Stand klassischer brasilianischer Musikformen in ihrer Heimat. Sie äußert Kritik am aktuellen Output brasilianischer Musikproduktion und betont die Wichtigkeit von musikalischer Bildung für die Zukunft jazzbeeinflusster Songkunst in Brasilien.
August
Samstag, 1. August, 9.05-10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz Across The Border“ hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Sonntag, 2. August, 19.15 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Voice Wizard
Der Sänger Theo Bleckmann
Von Bert Noglik
Er passt in keine Schublade und versetzt beständig in Erstaunen: der in Dortmund geborene und seit Ende der 1980er Jahre in New York lebende Theo Bleckmann. Sheila Jordan ermutige ihn, nach Amerika zu gehen. Und obwohl Jazz für ihn ein Bezugspunkt blieb, hat er das Spektrum im Laufe der Jahre immer weiter gespannt. In der Zusammenarbeit mit Meredith Monk entdeckte er neue Bereiche vokalen Ausdrucks. Seine eigenen Projekte entfalten sich in Schnittbereichen von Performance, Neuer Musik, Klangimprovisation, Minimal Music, Jazz und Pop-Musik. Er versetzt Lieder von Hanns Eisler, Charles Ives oder Kate Bush in eine eigene Soundwelt, begibt sich gemeinsam mit der Pianistin Julia Hülsmann auf Spurensuche nach dem „amerikanischen“ Kurt Weill und lauscht in einer klösterlichen Enklave in der Schweiz der eigenen Stimme nach.
Montag, 3. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Wagemutige Stilkapriolen
Die amerikanische Band Kneebody in Bremen
Am Mikrofon: Arne Schumacher
Der Band-Name ist purer Nonsens. Vor mittlerweile anderthalb Jahrzehnten startete Kneebody. Schon damals wussten alle Beteiligten, dass sie mit ihren Ideen in keine Schublade passen würden. Das Etikett sollte sich allen stilistischen Deutungen entziehen. Um Kneebody einzuordnen, wurden schon allerlei Begriffe geprägt, von „Post-Fusion“ bis „Prog-Jazz“. Den Akteuren ist es recht. Sie selbst sehen ihr Unternehmen, das bis heute in unveränderter Besetzung besteht, auf jeden Fall als Jazz-Ensemble, schon aufgrund des improvisatorischen Gehalts. Geprägt wird der eigenwillige, von schrägen Ansätzen und wagemutigen Kapriolen durchzogene Sound von den Kompositionen. Alle fünf Mitglieder steuern Stücke bei, das klingende Resultat wird gemeinsam erarbeitet. Dieses Credo des Kollektivs hat auch dafür gesorgt, dass die in Los Angeles, CA gegründete Band weiter existiert. Alle Mitglieder sind in andere Gruppen und Projekte verstrickt, drei von ihnen leben in Brooklyn, New York. Kneebody ist für sie eine musikalische Heimat, zu der sie immer wieder zurückkehren. Die Sendung bringt einen Konzertmitschnitt von Radio Bremen vom 20. November 2014 aus dem Kulturzentrum „Schlachthof“ in Bremen.
Dienstag, 4. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
The Same (Not) The Same
Mazen Kerbaj's ARIHA Trumpet Ensemble bei den Donaueschinger Musiktagen
Von Julia Neupert
Im Auftrag des SWR hatte der gebürtige Beiruter Mazen Kerbaj für die NOWJazz Session der Donaueschinger Musiktage 2014 ein außergewöhnliches Ensemble zusammengestellt – ein Septett, in dem neben ihm noch sechs weitere TrompeterInnen mitwirkten. Sieben außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeiten der internationalen Improvisationsszene trafen hier aufeinander: Liz Allbee, Axel Dörner, Peter Evans, Franz Hautzinger, Greg Kelley, Mazen Kerbaj, Nate Wooley. Und doch stand bei dieser Premiere nicht das gemeinsame Instrument im Mittelpunkt, waren es nicht in erster Linie verschiedene Trompetenspielweisen oder Trompetenspieltechniken, die das improvisatorische Miteinander bestimmten, sondern eine spannungsreiche kollektive Energie, die sich im Verlauf der Proben innerhalb des Ensembles entwickelt hatte und sich in einem umjubelten Konzert entlud.
Mittwoch, 5. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
New On Board: Aktuelle Jazzalben
Von Wolf Kampmann
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den Verkaufs-Regalen der CD-Geschäfte und den Sparten der Download-Portale. Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentierten deshalb die Autorinnen und Autoren des ARD-Radiofestivals in „New On Board“ die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 6. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Globale Netzwerker
10 Jahre Jazzmesse „jazzahead!“ in Bremen
Von Eva Garthe
Jazzfans, Experten und Interessierte treffen sich nun bereits seit zehn Jahren jeden Frühling auf der jazzahead! in Bremen. Als einzige europäische Jazzmesse richtet sie sich mit Konzerten, Diskussionsrunden und Vorträgen sowie einem Marktplatz für Plattenfirmen, Verlage, Agenturen, Tonstudios und Instrumentenbauer zunächst an die Fachwelt, zieht aber auch ein großes Publikum an – rund 30.000 Besucher waren es in diesem Jahr. Mittlerweile hat sich die Messe zum wichtigsten Treffpunkt der Branche weltweit entwickelt. Das ARD Radiofestival Jazz blickt zurück auf die Entwicklung der jazzahead!, zeigt Hintergründe auf und beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Veranstaltung.
Freitag, 7. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
„Let It Be Told“
Afrika im Exil: das Projekt von Julian Argüelles mit der hr-Bigband
Von Daniella Baumeister
1964 verlassen Musiker der Band Blue Notes den Apartheid-Staat Südafrika in Richtung Europa, in London finden sie eine neue Heimat. Der Sound, den sie mitbrachten ist heute, ein halbes Jahrhundert später, immer noch aktuell und einflussreich, es ist ein Sound der Sehnsucht nach Freiheit. Der ehemalige Saxofonist der hr-Bigband Julian Argüelles hat Stücke von Dudu Pukwana, Mongezi Feza, Johnny Dyani und Miriam Makeba neu arrangiert und mit der hr-Bigband eingespielt. Ihr gemeinsames Album „Let it be Told“ dokumentiert Argüelles Begeisterung für diese Musik, seine enge Beziehung zur hr-Bigband und zu seinem Bruder Steve und dem alten Kollegen Django Bates aus dem Jazzorchester Loose Tube. Argüelels‘ zwölftes Album als Bandleader ist eine Hommage an seine südafrikanischen Freunde und ihre unerschöpfliche musikalische Spiritualität.
Sonntag, 9. August, nach dem Hörspiel
Zeit stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest
Montag, 10. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Zwei glanzvolle Erz-Melodiker
Das Duo Leszek Możdżer & Lars Danielsson in Aufnahmen aus der Illipse in Illingen
Am Mikrofon: Manuel Krass
Polen verfügt in Europa über eine gleichermaßen florierende wie originelle Jazzszene, mit vielen interessanten Jazzmusikern. Leszek Możdżer ist ein einer von ihnen; ein Pianist, der nicht zuletzt durch seine Grenzgänge zwischen Klassik und Jazz aufgefallen ist, für die er beispielsweise Melodien von Frederic Chopin als Grundlage für seine Improvisationen verwendete. Seine Musik ist leicht zugänglich, aber nie ohne Anspruch – und passt damit perfekt zum Stil seines Duo-Partners, dem schwedischen Kontrabassisten Lars Danielsson. Der ist wie Możdżer ein Meister des Melos. Die Qualität ihrer Zusammenarbeit spricht für sich: Drei ihrer gemeinsam in Polen veröffentlichten Aufnahmen konnten Doppel-Platin-Status erreichen.
Dienstag, 11. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Spiel ohne Grenzen
Das alpine Dreigestirn Rom – Schaerer – Eberle
Von Thomas Haak
Bei ihren freigeistigen Happenings trifft Beatbox auf Kammerjazz, Dadaistisches auf Klänge und Rhythmen aus Afrika, Indien und anderen Regionen dieser Welt, streng Durchkomponiertes auf geradezu irrwitzig Improvisiertes. Musikalisch in Szene gesetzt von einem Berner und zwei Wiener Musikwirbelwinden, die mit ihrer extravaganten Querfeldeinmusik nicht nur schier unerschöpflichen Einfallsreichtum beweisen, sondern auch ausgeprägten Sinn für absurde Komik. Etwa wenn Vokalakrobat Schaerer in seine Paraderolle als Napoleon schlüpft oder alle drei mit geballter Energie Auswüchse medialen Irrsinns aufs Korn nehmen. Ob unter Studiobedingungen oder im Konzert: Stets ist ein geradezu anarchisches Spiel ohne Scheuklappen zu erleben, bei dem der Gitarrist Peter Rom, der Stimmkünstler Andreas Schaerer und der Trompeter Martin Eberle Erwartungshaltungen allenfalls generieren, um sie sogleich wieder zu unterlaufen. Das Ergebnis sind einzigartige Miniaturen voller Überraschungen, Spielwitz und Energie.
Mittwoch, 12. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
New On Board: Aktuelle Jazzalben
Von Michael Rüsenberg
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den Verkaufs-Regalen der CD-Geschäfte und den Sparten der Download-Portale. Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentierten deshalb die Autorinnen und Autoren des ARD-Radiofestivals in „New On Board“ die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 13. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Traumbesetzungen und Uraufführungen
Das WDR 3 Jazzfest in Dortmund mit dem Pablo Held Trio feat. John Scofield, Sarah Buechi u.a.
Von Thomas Mau
Das WDR 3 Jazzfest findet jedes Jahr in einem anderen Ort in Nordrhein-Westfalen statt und trägt auf diese Weise den Jazz in die Regionen des Landes. In diesem überraschte es im Dortmunder Domicil mit einigen Uraufführungen und einer Traumbesetzung. Das Pablo Held Trio traf nach dem letztjährigen Konzert in der Kölner Philharmonie hier zum zweiten Mal auf John Scofield. Und wieder bestätigte sich die besondere Chemie, die sich zwischen dem erfahrenen Gitarristen und den jungen Musikern entwickelte. Der Klarinettist Niels Klein und seine Band „Wiresonsg“ hatten gemeinsam mit der Schweizer Sängerin Sarah Buechi eigens für das WDR Jazzfest ein Programm entwickelt. Heraus gekommen ist dabei ein erstaunlich liedhaftes, song-orientiertes Klangpaket.
Freitag, 14. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Radio Ethiopia
Der äthiopische Saxofonist Getatchew Mekuria
Von Harry Lachner
Er kannte sie damals nicht. Weder Albert Ayler, noch Pharoah Sanders. Und dennoch ähnelte der rauhe, hymnische Ton des äthiopischen Saxofonisten Getatchew Mekuria in den frühen 1970er Jahren diesen beiden den Jazz so prägenden Musikern. Damals erlebte der äthiopische Jazz eine Blütezeit, deren Spuren und Ausläufer außerhalb des Landes erst Jahrzehnte später wieder wahr- und aufgenommen werden. Die alten und neuen Aufnahmen Mekurias zeigen, wie originell die Sprache des sogenannten Ethio-Jazz war und immer noch ist. Viele Musiker fanden damals zu einer eigenen Form und einer eigenen Klangsprache, die sich gegen den etablierten amerikanischen Jazz stellten: stolz und eigenständig; teilweise stark verwurzelt in den traditionellen Songs und Musikformen Äthiopiens. All das endete, nachdem das Militär die Regierung übernahm. Clubs wurden geschlossen, Musiker gingen ins Exil. Es war die holländische, Post-Punk-Impro-Band The Ex, die ihn 2004 zunächst für einen Auftritt nach Amsterdam einlud und uns seither die Musik des mittlerweile 80jährigen Saxofonisten neu entdecken lässt.
Sonntag, 16. August, 19.30 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Rio After Dark
Latin-Jazz mit dem Pianisten Lalo Schifrin
Von Gerd Filtgen
Lalo Schifrins Soundtracks für populäre Filme wie „Bullitt“ und „Dirty Harry“ erreichten sicherlich ein größeres Publikum als seine Jazz-Aktivitäten. Bereits in den 1950er Jahren hatte sich der argentinische Pianist in seiner Heimatstadt Buenos Aires mit smarten Arrangements einen Namen gemacht. Während seines Musikstudiums in Paris geriet der ursprünglich eher der Klassik zugewandte Musiker immer stärker in den Bann des Jazz. Bereits auf seinen ersten dort aufgenommenen Platten verschmolz er lateinamerikanische Rhythmen mit improvisierter Musik. Später nahm Schifrin – parallel zu seinem Engagement im Dizzy Gillespie Quintett – eine Reihe exzellenter Latin Jazz Stücke auf, bei denen ein Bossa Nova Hit wie „Desafinado“ nicht fehlen durfte.
Montag, 17. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Aus Willieburg in die Welt
Eine sinti-deutsche Erfolgsgeschichte: Django Deluxe und die NDR-Bigband
Am Mikrofon: Henry Altmann
Ihre Sinti-Vorfahren waren noch das „fahrende Volk“. Sesshaft geworden, ist Django de Luxe zur Zeit aber so viel unterwegs wie die Ahnen. Früher haben die „Djangos“ während der Woche auf dem hauseigenen Schrottplatz in Hamburg-Wilhelmsburg gewuchtet und in den Pausen gejammt, sich samstags der Familie gewidmet, am Sonntag bei Mama gegessen, zum Nachtisch die Instrumente rausgezogen und – gespielt! Der Schrottplatz ist, nachdem Gitarrist Giovanni Weiss den „Echo Jazz 2013“ gewonnen und Aufnahmen mit der NDR Bigband gemacht hat, ins Hintertreffen geraten. Aus lokalen Café-Bühnen wurden nationale Venues. Aber egal, ob Festivalbühne oder Mamas Wohnzimmer, das „Django-Prinzip“ bleibt: Erst spielen, dann fragen. Henry Altmann stellt die Django Reinhardts des 21. Jahrhunderts vor.
Dienstag, 18. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Wanderer zwischen den Welten
Der argentinische Trompeter Valentin Garvie und das hr-Jazzensemble
Von Claus Gnichwitz
Valentin Garvie, Jahrgang 1973, kennt keine Grenzen – weder spieltechnisch, noch stilistische. Der argentinische Trompeter ist seit langem Mitglied im Ensemble Modern, einem der renommiertesten Klangkörper der Neuen Musik. Der Frankfurter Pianist Bob Degen hat ihn zum Jazz gelockt. Seit einigen Jahren ist Garvie auch ständiges Mitglied im hr-Jazzensemble, dem Langzeit-Unternehmen, das einst von Albert Mangelsdorff geleitet wurde und noch immer in dessen Geiste produziert. In diesem renommierten Klanglabor ist Garvie solistisch und kompositorisch zu einem neuen kreativen Impulsgeber gereift. Besonders schätzt er daran, mit musikalischen Größen wie etwa Heinz Sauer oder Christof Lauer experimentieren zu können.
Mittwoch, 19. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
New On Board: Aktuelle Jazzalben
Von Ssirus W. Pakzad
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den Verkaufs-Regalen der CD-Geschäfte und in den Sparten der Download-Portale. Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentierten deshalb die Autorinnen und Autoren des ARD-Radiofestivals in „New On Board“ die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 20. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Très Bien
Chanson Goes Jazz
Von Beatrix Gillmann
Als im Hollywood der 1920er und 30er Jahre die Bilder das Laufen lernten, war der Franzose Maurice Chevalier ein gefeierter Sänger und Entertainer in der Tradition der Music-Hall. Der 25 Jahre jüngere Charles Trenet trat in dessen Fußstapfen. Er war mehr ein Dichter, dessen Chansons skurrile Texte auf eingängige Weise vermittelten. Charme und Wortwitz wurden zu Trenets Markenzeichen in über 1000 Chansons: „Meine Lieder entstehen wie von selbst – wie die Äpfel auf einem Baum“, sagte er. Eines von ihnen ging in 40 Sprachen um die Welt: „La Mer“, das in zahlreichen Cover-Versionen existiert. Von Duke Ellington übernahm Charles Trenet die Idee, sich von einem Jazz-Orchester begleiten zu lassen. Dem französischen Chanson verpasste er mit Swing-Elementen eine Verjüngungskur und traf genau den Geschmack des Publikums Anfang der 1940er Jahre. Auch heute beziehen sich Jazzmusiker auf Chansons von Charles Trenet. Mit den Farben der improvisierten Musik verleihen sie ihnen und jenen von Jacques Brel, George Brassens und Joseph Kosma ein faszinierendes neues Gesicht.
Freitag, 21. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Balkan Blue
Die Wiederentdeckung des Trompeters Dusko Goykovich
Von Thomas Mau
In diesem Jahr ist er mit dem nur alle drei Jahre vergebenen Musikpreis der Landeshauptstadt München ausgezeichnet worden, im vorigen Jahr hat er einen Echo Jazz für sein Lebenswerk erhalten: Der Trompeters Dusko Goykovich scheint derzeit eine regelrechte Renaissance zu erleben. Und es gibt allen Grund dazu. Aktuell hat er eine Platte mit der Big Band des Serbischen Rundfunks veröffentlicht, und auch auf dem neuen Album des Drummers Wolfgang Haffner ist Dusko Goykovich auch zu hören. Seiner Biografie gab der aus dem früheren Jugoslawien stammende Trompeter den Titel: „Jazz ist Freiheit“. Dazu hatte er allen Grund, denn als Jugendlicher durfte er nur heimlich Jazz im Kurzwellen-Radio „Voice of America“ hören. Im Jugoslawien unter Staatschef Tito war es in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg verboten, Jazz zu hören oder sogar zu spielen. Dusko Goykovich tat es trotzdem. Bis heute hat er nicht damit aufgehört. Der Jazz scheint für ihn ein Jungbrunnen zu sein.
Sonntag, 23. August, 19.17 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Killer-Grooves
Agenten und Krimimelodien im Jazz
Von Hans-Jürgen Schaal
Irgendwie gehörten sie schon immer zusammen: die flüsternden Jazzbesen und die Agententhriller, die verminderten Quinten und die Film-Noir-Spannung. Schon der Cool-Schlagzeuger Shelly Manne war bei der originalen TV-Musik zur Serie „Peter Gunn“ beteiligt. Quincy Jones und Lalo Schifrin schufen bleibende Soundtracks. Und immer wieder greifen Jazzmusiker auf die Ohrwürmer aus Kino und Fernsehen zurück, die alles haben, was man im Jazz braucht: spannenden Swing, bedrohlichen Blues, lauernde Riffs. Da warten jede Menge krimineller Grooves zwischen James Bond und „Mission Impossible“.
Montag, 24. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Brillanter Chamber Jazz
Das Friedhelm Schönfeld Quartett in Aufnahmen aus den rbb-Studios
Am Mikrofon: Ulf Drechsel
Der Saxofonist, Flötist und Klarinettist Friedhelm Schönfeld, Jahrgang 1938, war neben Musikern wie Joachim Kühn, Manfred Schulze und Ernst-Ludwig Petrowsky einer der Wegbereiter des zeitgenössischen Jazz in der DDR. Sein Trio mit dem Bassisten Klaus Koch und dem Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer wirkte stilprägend für spätere Bands der DDR-Jazzszene. Deren wachsende internationale Reputation erlebte Schönfeld nach seiner Übersiedlung nach Kanada, 1983, nur noch aus der Distanz. Danach lebte er bis zum Fall der Mauer in West-Berlin. Seit rund 10 Jahren tritt Friedhelm Schönfeld wieder aktiver in der Live-Szene in Erscheinung. Vor allem mit seinem Quartett, in dem Ernst Bier Schlagzeug spielt, Gerhard Kubach Bass und Rolf von Nordenskjöld Baritonsaxofon und Bassklarinette. Vor allem durch das Zusammenspiel der beiden Saxofonisten entsteht ein ganz eigener Band-Sound.
Dienstag, 25. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Krea-tief tönen
Der Bassist Robert Lucaciu im Portrait
Von Ulrich Habersetzer
Der 26-Jährige Robert Lucaciu ist einer der spannendsten jungen Kontrabassisten in der aktuellen deutschen Jazzszene. Eine Solo-CD, ein preisgekröntes Trio, ein neues Quartett mit internationalen Größen, gefragter Sideman in zahlreichen deutschen Bands, mit all dem beschäftigt sich Lucaciu in letzter Zeit. Sein Spiel ist beeinflusst von Bassisten wie Barry Guy, vor allem dessen unkonventionelle und kreative Spielweise hat Lucaciu inspiriert, aber auch von der geschmeidigen Flexibilität eines Larry Grenadiers. In Leipzig studierte Robert Lucaciu Kontrabass in beiden Fächer, in der Klassik und im Jazz. Die Komponisten Olivier Messiaen und Charles Ives, aber auch die Sänger Nick Drake und Reinhard Mey nennt er als seine Vorbilder. Das spiegelt sich auch in seiner Musik wider: Freie Improvisationen, erdig-lässige Grooves, durch Neue Musik inspirierte Klangforschungen und auch melodieversessenes Schwelgen.
Mittwoch, 26. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
New On Board: Aktuelle Jazzalben
Von Claus Gnichwitz
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den Verkaufs-Regalen der CD-Geschäfte und in den Sparten der Download-Portale. Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentierten deshalb die Autorinnen und Autoren des ARD-Radiofestivals in „New On Board“ die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnertag, 27. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Digital wiederauferstanden
Wie Improvisatoren mit toten Jazz-Legenden musizieren
Von Karsten Mützelfeldt
Besetzung des Soundtracks zum Film „Bird“: Charlie Parker, Saxofon, Monty Alexander, Piano… und schon kommt man ins Stutzen. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen, denn der Pianist war, als Parker starb, zehn Jahre alt. Was steckt dahinter? Die Suche nach einem Mann, der sowohl die Rolle Parkers schauspielerisch meistern als auch dessen Soli rekreieren konnte, blieb erfolglos. Also entschloss man sich, auf Parkers Originalaufnahmen zurückzugreifen. Die aber waren in Mono und verrauscht. Mit neuester Technologie isolierte man die Soli, löste sie aus dem Gruppenkontext heraus und lud anschließend Musiker ein, um als neue Rhythmusgruppe Parker zu „begleiten“. Nicht Wenige priesen das Ganze als technisches Wunderwerk, andere hielten es für ethisch und ästhetisch verwerflich. Wie auch immer die Bewertung ausfiel – zu ähnlichen Digitaloperationen ist es später noch sehr viel öfter gekommen.
Freitag, 28. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Efim Schachmeister und Naftule Brandwein
Eine Reise in die Anfänge des Klezmer Jazz
Von Wolf Kampmann
Der aus Galizien stammende Klarinettist Naftule Brandwein erneuerte nach 1920 die New Yorker Varieté Szene, indem er die Klezmer Musik seiner Heimat mit Jazz- und Show-Elementen verband. Er wickelte sich in Schnüre mit elektrischen Lampen ein, was ihn manchmal um ein Haar zu Tode gebracht hätte, und spielte wie später Miles Davis mit dem Rücken zum Publikum. Für viele Musiker der Radical Jewish Culture der 1990er Jahre – allen voran David Krakauer und die Band Naftule’s Dream – wurde er zum Urahn. Weniger bekannt ist heute der Geiger Efim Schachmeister, dessen Kombinationen von Jazz und Klezmer im Berlin der „Goldenen Zwanziger“ Triumppe feierte. Er wurde als „König der Stehgeiger“ bezeichnet und landete einen Hit unter anderem mit seiner Version von „Ausgerechnet Bananen". Doch sein „St. Louis Blues" von 1927 war die vielleicht weltweit radikalste Verbindung von Jazz und jiddischer Musik vor 1980.
Sonntag, 30. August, 19.36 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
The Blues And The Abstract Truth
Ein klassisches Album des Saxofonisten Oliver Nelson
Von Odilo Clausnitzer
Der Amerikaner Oliver Nelson wurde nur 43 Jahre alt, aber hat ein äußerst umfangreiches Lebenswerk hinterlassen. Solisten von Louis Armstrong bis Gato Barbieri schneiderte er Big Band-Partituren auf den Leib. Altmeister wie Count Basie und Buddy Rich ließen ihn für ihre Orchester arrangieren. Für seine eigenen Großformationen schrieb Nelson programmmusikalische Suiten über die Kennedys und Martin Luther King. Er verfasste klassische Kammermusikwerke und wurde in den 1970er Jahren ein erfolgreicher TV- und Filmkomponist in Hollywood. Und nicht zuletzt war er ein beachtlicher Saxophonist. Unsterblich aber wurde er mit dem Album „Blues And The Abstract Truth“ von 1961. Mit einer All Star-Besetzung widmete sich Nelson hier in unterschiedlichen Variationen der Bluesform. Brillante Soli, formvollendete Kompositionen und ein spannungsvolles, aber stimmiges Klangbild trugen zum Status der Platte als Meisterwerk der Jazzgeschichte bei.
Montag, 31. August, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
50 Jahre „A Love Supreme“
Joe Lovano, Jim McNeely und die hr-Bigband feiern John Coltranes Meisterwerk in neuem Gewand
Am Mikrofon: Jürgen Schwab
„A Love Supreme“, 1964 von John Coltrane und seinem Quartett eingespielt, ist zweifellos eines der bedeutendsten Alben der Jazzgeschichte. Die hymnische Spiritualität der viersätzigen, als Dankgebet konzipierten Suite hat unzählige Musiker nicht nur aus dem Jazz nachhaltig beeinflusst. 50 Jahre nach ihrer Entstehung hat der Saxofonist Joe Lovano die Jahrhundert-Aufnahme in einem Konzert 2014 in Frankfurt zusammen mit der hr-Bigband wieder zum Leben erweckt. Die schwierige Aufgabe, das von der Improvisation und Interaktion lebende Original auf Bigband-Format zu bringen, meisterte der Arrangeur Jim McNeely mit Sensibilität und Bravour. Ganz bewusst verzichtete er weitgehend darauf, die Improvisationen zu orchestrieren und behandelte die Bläsersätze eher als Energielieferanten. Dadurch blieb genügend Freiraum für den Solisten Lovano, der ebenfalls klug genug war, sich nicht in Coltrane-Zitaten zu ergehen, sondern sein eigenes Ding zu machen. So gelang eine glaubwürdige Neu-Interpretation des Klassikers.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



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