SWR2 - Jazzprogramm Juni 2015
12.05.2015 11:04 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Juni 2015
Dienstag, 2. Juni, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Hear Bigger!
Höhepunkte vom Tampere Jazz Happening 2014 mit dem Takuya Kuroda Quintet, Sons Of Kemet und Farmers Market
Am Mikrofon: Gerd Filtgen
Im hohen Norden garantiert eine besondere Veranstaltung stets reiche musikalische Überraschungen. Seit mehr als drei Dekaden findet alljährlich in der reizvoll gelegenen finnischen Stadt Tampere ein Festival statt, dessen Motto „Jazz Happening“ voll eingelöst wird. Dafür sorgten 2014 der Trompeter Takuya Kuroda mit seiner im Mainstream des Modern Jazz treibenden Band, die ihren Auftritt mit raffiniert eingesetztem Afro-Beat würzte. Mit gewaltigem Groove, der auf den Einsätzen zweier Schlagzeuger und einer Tuba basiert, streifte der britische Saxofonist und Klarinettist Shabaka Hutchings mit seinem Quartett Sons Of Kemet durch karibische Stil-Gefilde. Und die Band Farmers Market um den norwegischen Multiinstrumentalisten Stian Carstensen kreierte eine überzeugende Fusion aus Balkanklängen, Pop, Jazz und Avantgarde.
Donnerstag, 4. Juni, 19.15 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Auf Wanderwegen an die Ränder Europas
Die Duo-Projekte des Kontrabassisten Renaud-Garcia Fons
Von Bert Noglik
Der französisch-spanische Kontrabassist Renaud Garcia-Fons charakterisiert seine Musik gern als Klangreisen. Bei den Exkursionen bis an die Ränder Europas und rund um das Mittelmeer gelang es ihm, neue Spielbezirke auf seinem Instrument zu erschließen und zugleich faszinierende Verbindungslinien zwischen unterschiedlichen Kulturen zu knüpfen. Das Duo-Spiel wurde ihm dabei zu einer wichtigen Inspirationsquelle. In Dialogen mit dem französischen Akkordeonisten Jean Louis Matinier, dem spanischen Gitarristen Pedro Soler und dem türkischen Kemençe-Spieler Derya Türkan fließen mannigfaltige Traditionen im aktuellen und von der Improvisation beflügelten Musizieren zusammen: Mitteleuropäisches, Andalusisches, Orientalisches, New Musette, Flamenco und Imaginäre Folklore.
Donnerstag, 4. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Harry Lachner
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. Wir bringen einen Nachbericht vom Festival moers 2015. Und wir bringen einen Ausblick auf ein Debut in der Region: auf das Erste Jazzfestival Esslingen.
Freitag, 5. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Listening!
Das Trio Leimgruber-Demierre-Phillips zu Gast beim Jazzclub Karlsruhe
Am Mikrofon: Julia Neupert
Spontan und direkt. Nichts ist vorbereitet, nichts abgesprochen, nichts vorher ausgedacht. Die Herausforderung bleibt die gleiche wie am ersten Tag des Zusammentreffens. Seit 15 Jahren spielen sie zusammen: der aus San Francisco stammende, eng mit der europäischen Szene verbundene Kontrabassist Barre Phillips sowie die beiden Schweizer Urs Leimgruber an Sopran- und Tenorsaxofon und Jacques Demierre am Piano. In ihrer frei improvisierten Musik verflechten sich individuelle Klangsprachen und gemeinsames Formgefühl zu homogenen und zugleich mehrschichtigen Strukturen, denen eine ungewöhnlich poetische Erzählkraft innewohnt. Im März war das Trio zu Gast beim Karlsruher Jazzclub. Höhepunkte des Konzertes im Kubus des ZKM werden in dieser Sendung zu hören sein.
Samstag, 6. Juni, 9.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer "global language" geworden. "Jazz across the border" hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Samstag, 6. Juni, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Yellow Tango
Die kurze Karriere des Pianisten Dick Twardzik
Von Hans-Jürgen Schaal
Bei einem Gastspiel mit dem Chet-Baker-Quartett lernte Bakers Pianist Russ Freeman 1954 in Boston einen besonderen Klavierkollegen kennen – den damals 23jährigen Dick Twardzik. Freeman war von dem jungen Pianisten hingerissen, denn dieser Dick Twardzik verband auf eigenwillige Weise seine klassische Klaviertechnik mit der Sprache des Bebop. Mit seiner Komposition „The Fable Of Mabel“, einer satirischen Charakterstudie, hatte er schon 1952 beim Serge-Chaloff-Quartett für Aufsehen gesorgt. Freeman vermittelte Twardzik nicht nur an Bakers damaliges Label, sondern empfahl ihn auch als seinen Nachfolger, als er aus Bakers Quartett ausstieg. Doch Twardzik, der gerade einen Heroin-Entzug hinter sich hatte, war in Chet Bakers Band enorm rückfallgefährdet. Der Jazz verlor 1955 eines seiner ganz großen Talente.
Sonntag, 8. Juni, nach dem Hörspiel
Zeit stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest
Dienstag, 9. Juni, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Joker Teamgeist
Höhepunkte vom SWR NEWJazz Meeting 2014 (1)
Mit dem Sextett im.pro.vise in Aufnahmen aus Mainz
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Musikalische Begegnungen möglich machen, die unter normalen Bedingungen nicht möglich sind - das ist das Ziel des 1966 von Joachim-Ernst Berendt gegründeten SWR NEWJazz Meeting. Im November 2014 trafen in der Band im.pro.vise sechs höchst verschiedene Musiker aus Südamerika, Europa und Amerika aufeinander; viele von ihnen spielten das erste Mal zusammen. Vier Tage lang experimentierten der dänische Gitarrist Jakob Bro, die chilenische Saxofonistin Melissa Aldana sowie vier Nordamerikaner - der Kornett-Spieler Kirk Knuffke; der Pianist Jacob Sacks ; der Bassist Joe Martin und der Schlagzeuger und Elektroniker RJ Miller - in den SWR-Rundfunkstudios. Gemeinsam entwickelten sie ein Programm, das sie im Anschluss daran in den Konzertsälen in Karlsruhe, Tübingen und Mainz vorstellten. So unterschiedlich die Musiker stilistisch agieren: im Studio und in den Konzerten entwickelten sie eine bewundernswerte Kunst des Aufeinander-Hörens und Aufeinander-Reagierens. In der SWR2 Jazz Session bringen wir heute Höhepunkte aus dem Abschlusskonzert im Frankfurter Hof in Mainz.
Donnerstag, 11. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: High Voltage
Der finnisch-amerikanische Gitarrist Raoul Björkenheim
Von Thomas Loewner
Seit Raoul Björkenheim in den 1980er Jahren die internationale Jazzszene betrat, hat der Gitarrist wichtige Brücken zwischen dem Jazzrock und der Avantgarde gebaut. Breite Aufmerksamkeit erlangte er zunächst in der Band Sound and Fury des finnischen Schlagzeugers Edward Vesala. Danach gründete er seine eigene Band Krakatau, mit der er weiter an seinem eigenen Sound feilte: schneidende, zumeist verzerrte Gitarrenklänge, angetrieben von kraftvollen Rhythmusgruppen. Björkenheim wurde in Los Angeles geboren, lebte dann seit seinem 15. Lebensjahr in Finnland, bevor er 2001 wieder in die USA zurückkehrte. New York ist seitdem sein Hauptwohnsitz. In Musikern wie Bill Laswell oder William Parker fand er dort schnell Gleichgesinnte. Doch auch den Kontakt nach Europa hat Raoul Björkenheim nicht abreißen lassen: zu seinen beständigsten Bands zählt etwa das Scorch Trio gemeinsam mit den beiden Norwegern Ingebrigt Håker Flaten und Paal Nilssen-Love.
Freitag, 12. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: "slišati!"
Die vielen Facetten der slowenischen Musikerin Maja Osojnik
Von Nina Polaschegg
Hör zu! Doch wo anfangen? Die aus Slowenien stammende und in Wien lebende Musikerin Maja Osojnik ist ein hellwacher Wirbelwind voller Energie. Ein Projekt reiht sich an das nächste, stilistisch breit gefächert. „Broken. Heart. Collector“, „Rdeča Raketa“, „Traversing the Balkans“ oder „Low Frequency Orchestra“, so lauten einige ihrer Bandnamen. Ihr Interessensgebiet reicht von der Neuinterpretation und dem Neudenken slowenischer Volkslieder über freie Improvisation, experimentelle Soundarbeit, kompositorische Konzepte bis hin zu experimentellem Rock. Sie singt, und sie ist Blockflötistin. Live-Elektronik ist dabei stets ein wichtiger Part in ihrem musikalischen Schaffen.
Samstag, 13. Juni, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Kraftwerk der Bewegung
Ein Portrait des amerikanischen Schlagzeugers Jonathan Blake
Von Ssirus W. Pakzad
Johnathan Blake ist der Sohn des kürzlich verstorbenen Geigers John Blake Jr. Der 39jährige Jonathan spielte zunächst selbst Violine, bis er dann im Alter von 10 Jahren ans Schlagzeug wechselte. Schon als Teenager wurde er Profi. Er sagt von sich, dass er ein typischer Vertreter des rhythmisch markanten Philadelphia-Grooves sei. Wegen seines differenzierten Powerplays und seiner klug gesetzten Akzente wird er von vielen Größen der Jazz-Szene gebucht. In seinen Auftragsbüchern finden sich die Namen von Arbeitgebern wie Oliver Lake, Roy Hargrove, Tom Harrell, David Sánchez, Randy Brecker oder Omer Avital. Kürzlich veröffentlichte Johnathan Blake mit „Gone, But Not Forgotten“ sein zweites Solo-Album, auf dem er manchen musikalischen Mentor ehrt. Ein Stück allerdings widmete er der Tochter des Saxofonisten Jimmy Greene, die beim Schulmassaker im amerikanischen Newton 2012 erschossen wurde.
Dienstag, 16. Juni, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Joker Teamgeist
Höhepunkte vom SWR NEWJazz Meeting 2014 (2)
Mit dem Sextett im.pro.vise in Aufnahmen aus Karlsruhe, Mainz und Tübingen
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Musikalische Begegnungen möglich machen, die unter normalen Bedingungen nicht möglich sind - das ist das Ziel des 1966 von Joachim-Ernst Berendt gegründeten SWR NEW Jazz Meeting,. Im November 2014 trafen in der Band im.pro.vise sechs höchst verschiedene Musiker aus Südamerika, Europa und Amerika aufeinander; viele von ihnen spielten das erste Mal zusammen. Vier Tage lang experimentierten der dänische Gitarrist Jakob Bro, die chilenische Saxofonistin Melissa Aldana und - vier Nordamerikaner - der Kornett-Spieler Kirk Knuffke; der Pianist Jacob Sacks ; der Bassist Joe Martin und der Schlagzeuger und Elektroniker RJ Miller in den SWR-Rundfunkstudios. Gemeinsam entwickelten sie ein Programm, das sie im Anschluss daran in den Konzertsälen von Karlsruhe, Tübingen und Mainz vorstellten. So unterschiedlich die Musiker stilistisch agieren: im Studio und in den Konzerten entwickelten sie eine bewundernswerte Kunst des Aufeinander-Hörens und Aufeinander-Reagierens. In der SWR2 Jazz Session bringen wir heute Höhepunkte aus den Konzerten in Karlsruhe, Mainz und Tübingen.
Donnerstag, 18. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Absturz oder Chance?
Jazz-Labels im Zeitalter des Internet
Von Michael Rüsenberg
Illegale Downloads fressen die Umsätze. Vinyl ist im Kommen. Bei Konzerten (unter Ausschluss des Handels) werden mehr Tonträger verkauft als in den Läden. Einnahmen aus legalen Downloads gehen zurück. Streaming nimmt stark zu, aber auf extrem niedrigen Niveau und bringt kaum was in die Kasse. Der Jazzmarkt, immer schon klein, aber einst klar gegliedert, zerfällt in immer mehr Fragmente, ganz zu schweigen von den sich vermehrenden Musiker-Labels (jüngste Beispiele: Nils Wogram und Florian Ross). Die Produktionsmittel sind schon lange nicht mehr in Händen der Großen und Mittleren. Wer braucht noch den klassischen Platten-Produzenten? Der Talent sucht, findet, aufbaut, begleitet - selbstverständlich daran verdient? Einen Tonträger zu produzieren kann heute doch fast ein jeder sich leisten!
Der Chef des bedeutendsten deutschen Labels, Manfred Eicher (ECM) hat die siebzig überschritten, Konkurrenten stehen kurz vor dem Rentenalter. Stirbt das Verlegermodell aus? Wo findet man morgen noch Jazz-Tonträger? Michael Rüsenberg sucht Antworten auf diese Fragen, mit Hilfe von Manfred Eicher, Volker Dueck (Double Moon, Freiburg) und Patrick Landolt (intakt, Zürich).
Freitag, 19. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Im Zwischenreich
Ein Portrait der Pianistin Angelica Sanchez
Von Harry Lachner
"Life Between" nannte Angelica Sanchez eines ihrer Alben. Damit positionierte sich die New Yorker Pianistin auf einem Gebiet, einer Sphäre des Übergangs: zwischen der lateinamerikanischen Musik, die in ihrem Spiel immer wieder fragmentarisch aufscheint, und einem eher kühlen, konstruktivistischen Ansatz, der typisch ist für die aktuelle Improvisationsszene Brooklyns. Ob mit ihren eigenen Ensembles, in den Bands von Harris Eisenstadt, Wadada Leo Smith oder Chad Taylor: Sanchez bewegt sich souverän zwischen den Extrempolen spielerischer Dynamik, zwischen vertrackten Kompositionspassagen und frei fließender Improvisation. Doch ganz gleich welchem Extrem sie sich auch annähert, stets vermittelt sie dabei auch eine Ahnung der "anderen Seite". Sanchez gelang es, in wenigen Jahren ein Œuvre zu schaffen, das einerseits so vielgestaltig wie ausgeprägt individualistisch ist - Zeichen einer großen Stilistin der aktuellen Improvisationsszene.
Samstag, 20. Juni, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Very distinguished
Die britische Sängerin Norma Winstone
Von Thomas Loewner
Die Londoner Sängerin Norma Winstone gehört seit vielen Jahren zu den großen Stimmen des europäischen Jazz. In ihrer fünf Jahrzehnte währenden Karriere hat sie mit so ziemlich allen großen Namen des britischen Jazz zusammen gearbeitet. Darunter Kenny Wheeler und John Taylor, mit denen sie u.a. im Quartett Azimuth gemeinsam mit Ralph Towner Erfolge feierte; Ian Carr’s Band Nucleus oder Mike Westbrook. In der jüngeren Vergangenheit arbeitete Winstone wiederholt mit Colin Towns zusammen, sowohl als Sängerin seines Mask Orchestra als auch der NDR Bigband, mit der Towns einige Projekte realisiert hat. Doch auch als Leiterin eigener Bands hat Norma Winstone immer wieder ihre Klasse als ausdrucksstarke Interpretin und phantasievolle Improvisatorin bewiesen.
Sonntag, 21. Juni, 19.37 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Erster in der zweiten Reihe
Der amerikanische Saxofonist Ernie Henry
Von Gerd Filtgen
Wie löst man sich aus dem Schatten eines musikalischen Genies? Ähnlich wie die meisten Altsaxofonisten seiner Generation hatte auch Ernie Henry (1926-1957) zunächst das Problem, sich mit seiner Spielweise von Charlie „Bird“ Parker abzugrenzen. Die besten Voraussetzungen dafür bildeten seine Sideman-Tätigkeiten in den wichtigsten Bebop-Bands - allen voran denen des Trompeters Dizzy Gillespie, die für seine kreative Entwicklung ausschlaggebend waren. Sein Debütalbum „Presenting Ernie Henry“, das 1956, ein Jahr nach Parkers Tod, aufgenommen wurde, klingt vielversprechend. Mit originellen Themen wie „Free Flight“ und packenden, leidenschaftlichen Chorussen unterstreicht Henry, dass er seine eigene musikalische Sprache gefunden hat.
Dienstag, 23. Juni, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Joker Teamgeist
Höhepunkte vom SWR NEWJazz Meeting 2014 (3)
Mit dem Sextett im.pro.vise in Aufnahmen aus Karlsruhe und Tübingen
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Musikalische Begegnungen möglich machen, die unter normalen Bedingungen nicht möglich sind - das ist das Ziel des 1966 von Joachim-Ernst Berendt gegründeten SWR NEW Jazz Meeting,. Im November 2014 trafen in der Band im.pro.vise sechs höchst verschiedene Musiker aus Südamerika, Europa und Amerika aufeinander; viele von ihnen spielten das erste Mal zusammen. Vier Tage lang experimentierten der dänische Gitarrist Jakob Bro, die chilenische Saxofonistin Melissa Aldana und - vier Nordamerikaner - der Kornett-Spieler Kirk Knuffke; der Pianist Jacob Sacks ; der Bassist Joe Martin und der Schlagzeuger und Elektroniker RJ Miller in den SWR-Rundfunkstudios. Gemeinsam entwickelten sie ein Programm, das sie im Anschluss daran in den Konzertsälen von Karlsruhe, Tübingen und Mainz vorstellten. So unterschiedlich die Musiker stilistisch agierten: im Studio und in den Konzerten entwickelten sie eine bewundernswerte Kunst des Aufeinander-Hörens und Aufeinander-Reagierens. In der SWR2 Jazz Session bringen wir heute Höhepunkte aus den Konzerten in Tübingen und Karlsruhe. Frankfurter Hof in Mainz.
Donnerstag, 25. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Die Rückkehr der Riesen
Zeitgenössische Jazzorchester
Von Odilo Clausnitzer
Lange galten die Big Bands als Inbegriff eines versunkenen Zeitalters im Jazz. Als ihre Hochphase in den 1950er Jahren endete, gelang es nur wenigen großen Jazzorchestern, zu überleben. Die Weiterentwicklung des Big Band-Repertoires lag in den folgenden Jahrzehnten in den Händen einer sehr überschaubaren Zahl unbeirrter Komponisten und Organisatoren. In jüngerer Zeit ist eine Renaissance der Großensembles zu beobachten. Das gängige Arbeitsmodell ist dabei das des Projektorchesters, dessen Mitglieder ökonomisch nicht auf das Engagement angewiesen sind. Zwei Zentralfiguren der zeitgenössischen Big Band Szene sind die Amerikanerin Maria Schneider und ihr Landsmann John Hollenbeck. Sie verfolgen sehr gegensätzliche Arten des Schreibens, haben aber beide bei Bob Brookmeyer gelernt, der damit als geistiger Ahne der aktuellen Szene in Erscheinung tritt.
Zu den bedeutenden europäischen Jazzorchestern zählt die „Jazz Big Band Graz“. Geprägt von Hollenbeck experimentiert sie mit Elektronik und Elementen der Minimal Music. „Beats & Pieces“ aus Großbritannien zeigen sich offen für Einflüsse der zeitgenössischen Popmusik. Der Berliner Stefan Schultze bindet auf seiner jüngsten Produktion eine chinesische Mundorgel in seinen ganz eigenen Klangkosmos ein. Einer der derzeit aufregendsten Schreiber ist der Kanadier Darcy James Argue, ein Schüler Maria Schneiders und John Hollenbecks. Diese und andere Musiker werden auf einem Streifzug durch die zeitgenössische Big Band- Szene vorgestellt.
Freitag, 26. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Strings & Voice
Das Trio Kimmig-Studer-Zimmerlin und Phil Minton in der Galerie Schneider Freiburg
Am Mikrofon: Julia Neupert
Das Streichtrio mit dem Geiger Harald Kimmig, dem Kontrabassisten Daniel Studer und dem Cellisten Alfred Zimmerlin gehört zu den ungewöhnlich besetzten Ensembles der freien Improvisationsszene. Seit vielen Jahren schon erproben die drei aber nicht nur die verschiedenen klanglichen Möglichkeiten ihres Zusammenspiels, sondern suchen immer wieder aufs Neue auch die gestalterische Horizonterweiterung. Für ihr aktuelles Projekt mit Konzerten in Deutschland und der Schweiz hatten sich die Musiker dafür Gäste eingeladen – zuletzt den legendären britischen Vokalperformer Phil Minton. Ausschnitte aus dem gemeinsamen Freiburger Auftritt im Gewölbekeller der Galerie Schneider in Solo-, Trio- und Quartettbesetzung werden in dieser Sendung zu hören sein.
Samstag, 27. Juni, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Always Say Goodbye
Charlie Hadens Quartet West
Von Bert Noglik
Die Musik von Charlie Hadens Quartet West imaginiert das Hollywood der 1930er und 1940er Jahre. Dabei kommt Nostalgie ins Spiel und die Sehnsucht nach einer Welt, die selbst damals nur zum Teil der Wirklichkeit entsprach, sondern die sich vor allem im Mythos der Stars und in der Traumkulisse des Kinos realisierte. Der Bassist Charlie Haden (1937-2014), schon in jungen Jahren mit dem Innovationsstreben eines Ornette Coleman verbunden und später mit seinem Liberation Music Orchestra ein glühender Anwalt von Freiheitsbewegungen, offenbart mit dem Quartet West eine Sentimentalität, die er sich andernorts so nicht zulässt und erweist sich in den Collagen aus historischen Reminiszenzen und aktuellem Musizieren als ein amerikanischer Romantiker.
Dienstag, 30. Juni, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Von Julia Neupert
Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in der Reihe "My Favorite Discs" regelmäßig vorgestellt: von den Autorinnen und Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. Legendäre Klassiker oder weniger bekannte Favoriten – warum gerade ein bestimmtes Album sie so beeindruckt hat, erklären sie in dieser Sendung.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



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