SWR2 - Jazzprogramm März 2015
19.02.2015 21:22 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
März 2015
Sonntag, 1. März, 19.23 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Red, Black & Blue: farbige Jazzthemen
Von Gerd Filtgen
Der Wirkung von Farben kann sich kaum jemand entziehen. Mit ihnen lassen sich Naturerscheinungen, physikalische, psychische und künstlerische Phänomene beschreiben. In der Musik sind Klangfarben ein unerschöpfliches gestalterisches Mittel. Darauf beziehen sich auch Themen aus verschiedenen stilistischen Bereichen des Jazz, zum Beispiel Duke Ellingtons „Black And Tan Fantasy“, Benny Goodmans „Blue Skies“, Charlie Parkers „Red Cross“, Miles Davis‘ „Green Haze“ und viele weitere farbige Jazzthemen.
Dienstag, 3. März, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Wynton Marsalis – Live At Blues Alley
Von Tobias Richtsteig
Als Wynton Marsalis im Dezember 1986 mit seinem Quartett im Washingtoner Jazzclub „Blues Alley“ gastierte, galt er als der neue Trompeten-Kronprinz des Jazz. Fünf Jahre zuvor hatte er sein Debüt vorgelegt, begleitet von Herbie Hancock, Ron Carter und Tony Williams aus dem Miles-Davis-Quintet der 1960er Jahre. Das Live-Album zeigt Marsalis nun mit seinem eigenen Quartett und auf dem ersten Höhepunkt seiner Karriere: Souverän verbindet er Standards aus dem Bebop-Repertoire mit eigenen Kompositionen, lotet ihre modalen und polyrhythmischen Dimensionen mit seinen kompetenten Kollegen Marcus Roberts (Piano), Robert „Leslie“ Hurst (Bass) und Jeff „Tain“ Watts (Schlagzeug) aus.
Donnerstag, 5. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Günther Huesmann
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. In der Märzausgabe stellen wir unter anderem zwei Musikerbiographien vor: Marcus O’Dairs „Different Every Time“ über Robert Wyatt und Wolfgang Sandners Buch über Keith Jarrett.
Freitag, 6. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: BIM40IS!
Das Bimhuis in Amsterdam feiert Jubiläum mit der Pianistin Kaja Draksler, dem Trio Han Bennink/Laura Remmel/Jaak Sooäär und dem Amsterdam Real Book Ensemble
Am Mikrofon: Julia Neupert
Das BIMhuis gehört seit 1974 zu den spannendsten Podien für Jazz und improvisierte Musik in den Niederlanden. Gegründet von der Musikerinitiative Beroepsvereniging voor Improviserende Musici (BIM) fanden in einem ehemaligen Möbel-Ausstellungsraum in der Nähe des Amsterdamer Rotlichtviertels viele Ensembles wie das ICP Orchestra oder das Willem Breuker Kollektief eine musikalische Heimstatt. Auch nach seinem Umzug in das neugebaute Musiekgebouw aan’tIJ bleibt das BIMhuis bis heute eine der ersten, international renommierten Adressen für eine progressive Programmgestaltung. Das 40jährige Jubiläum feiert man eine ganze Konzertsaison lang, vom Kick-Off-Wochenende im Oktober 2014 werden in dieser Sendung einige Aufnahmen vom Amsterdam Real Book Ensemble, dem Trio Han Bennink/Laura Remmel/Jaak Sooäär und der Pianistin Kaja Draksler zu hören sein.
Samstag, 7. März, 9.05 – 10.00 Uhr
Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz Across The Border“ hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik, in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Samstag, 7. März, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Latin. Vamps. Ladino Songs
Der Bassist Avishai Cohen im Portrait
Von Michael Rüsenberg
Unter der wachsenden Anzahl israelischer Jazzmusiker ist er wohl der prominenteste, nicht zuletzt wegen seiner mehrjährigen Zusammenarbeit mit Chick Corea. Inzwischen muss man freilich betonen, dass man den Bassisten Avishai Cohen, 44, meint und nicht den 8 Jahre jüngeren Trompeter gleichen Namens, gleichfalls aus Israel. Der Bassist Cohen jedenfalls hat große Pendelbewegungen zwischen Nahost und den USA gemacht, zuerst als 14jähriger, als er mit der Familie nach St. Louis zog. Ab 1992, nach zwei Jahren in der Armee, lebte er wieder in Amerika, diesmal in New York, um zu studieren und anschließend eine internationale Karriere aufzubauen. Inzwischen lebt er dauerhaft in Israel, spielt meist in Europa und stellt ein neues israelisches Jazztrio vor. Avishai Cohen ist an Kontrabass und Bassgitarre ein exzellenter Musiker, mit „Latin. Vamps. Ladino Song“ sind die wesentlichen Bausteine seiner Stilistik benannt: Man findet viele Latin-Rhythmen, etliche Vamps (kurztaktige, sich wiederholende Motive) und gelegentlich bearbeitet und singt er Lieder einer spezifisch-jüdischen Tradition („Ladino“).
Sonntag, 8. März, 19.37 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Der junge Wilde des südafrikanischen Jazz
Der Schlagzeuger und Pianist Claude Cozens
Von Kerstin Poppendieck
Er gehört mit gerade einmal 26 Jahren schon zu den begehrtesten Trommlern Südafrikas. Sein Markenzeichen: eine unverwechselbare und genreübergreifende Spieltechnik voller Energie und Erfindungsreichtum. Claude Cozens liebt es, zu improvisieren und mit den unterschiedlichsten Musikern zusammen zu spielen. Vor allem die Jazzmusikszene in Kapstadt ist sehr lebendig. Da es Musiker von dort oft schwer haben, sich international zu behaupten, sind sie in ihrer Heimat umso aktiver. Zusammen mit anderen jungen Jazzmusikern wie Kyle Shepherd und Benjamin Jephta ist Claude Cozens dabei, eine junge, moderne Jazzszene in Südafrika zu kreieren. Da trifft Jazz auf Gospel, R´n´B und Hip Hop. Das Livespiel steht bei allen an erster Stelle, deshalb hat es auch so lange gedauert, bis Claude Cozens jetzt endlich sein Debütalbum veröffentlicht hat.
Donnerstag, 12. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Mehr als modernistisch
Der Pianist und Keyboarder Jason Moran im Portrait
Von Harry Lachner
So viel Vergangenheit war nie – könnte man salopp sagen. Es ist also wenig erstaunlich, dass sich zuletzt Hommage-Projekte häuften, bei denen die Vergangenheit mal als museal Konservierungswertes in die Gegenwart herübergerettet, mal die „Meilensteine“ auf ihre Aktualität hin geprüft werden sollten. Auch der Pianist Jason Moran griff diesen Trend auf. Zunächst mit einem Thelonious-Monk-Projekt, zuletzt mit seiner „A Joyful Elegy for Fats Waller“. Moran bezeichnete sich einmal als „Modernisten“, als einen, der er alte Dinge mit neuen Ideen auflade – mithin also die vielfältigen Verbindungslinien zwischen der Tradition und einer neuen Ästhetik neu gestaltet. Seine ganze bisherige Arbeit, ob in den Ensembles anderer Musiker (etwa bei Charles Lloyd) oder mit seinem Bandwagon-Ensemble, steht unter diesem Zeichen einer Neuerfindung der Geschichtsbezüge und einer künstlerischen Selbstversicherung – ohne jede Form der Nostalgie.
Freitag, 13. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Musik, Architektur und ein Salon
Der Klarinettist, Saxofonist und Kornettist Udo Schindler entwirft Klang und Raum
Von Nina Polaschegg
Udo Schindler könnte man tatsächlich als einen „Hans Dampf in allen Gassen“ bezeichnen – zumindest wenn man damit seine Umtriebigkeit als Musiker versteht. Und wenn man darum weiß, dass er zusätzlich ein Architekturbüro mit diversen Mitarbeitern leitet und auch hier die Interaktion einen wesentlichen Aspekt seines Denkens und Planens ausmacht – ob in Sanierungsprojekten oder im Entwurf und der Realisierung von Neubauten – der Mensch steht im Mittelpunkt und damit zugleich Farben, Räume, Orte der Kommunikation. Klangräume, Klangfarben, musikalischer Diskurs: Auch in seinen zahlreichen Improvisationsprojekten stehen diese Aspekte im Zentrum. Udo Schindler hat einst Flöte studiert, hat sich aber längst der Großfamilie der Einfachrohrblattinstrumente, also Saxofonen und Klarinetten zugewandt und auch das Kornett in sein regelmäßig gespieltes Instrumentarium aufgenommen. Neben seinen Aktivitäten in festen Besetzungen hat der Münchner Improvisator eine Konzertreihe ins Leben gerufen, um die freie Improvisation und das Unvorhergesehene in immer neuen ad hoc Besetzungen zu erproben.
Samstag, 14. März, 22.30 – 24.00 Uhr
Jazztime: Mein Ludwig van
Das Dieter Ilg Trio interpretiert Beethoven
Von Thomas Loewner
Seit Jahren erkundet der Freiburger Bassist Dieter Ilg seine musikalischen Wurzeln in der europäischen Musiktradition. Bei der Spurensuche stieß er zunächst auf deutsche Volkslieder. Ilgs Bearbeitungen, eingespielt mit Gitarrist Wolfgang Muthspiel und Steve Argüelles am Schlagzeug, sind angenehm frei von Klischees und überzeugen durch die unverkrampfte Spielfreude der Band. Mit seinen aktuellen Triopartnern, dem Pianisten Rainer Böhm und Schlagzeuger Patrice Héral, richtet Dieter Ilg den Fokus nun seit einiger Zeit auf die europäische Klassik. Ihre erste gemeinsame Arbeit war 2009 das „Otello“-Projekt, eine Adaption der gleichnamigen Oper Giuseppe Verdis, gefolgt von „Parsifal“, einer Neuinterpretation der Musik Richard Wagners. Mit „Mein Ludwig“ knüpft das Trio nun nahtlos an diese Arbeiten an. Ausgewählte Werke Ludwig van Beethovens dienen den drei Musikern als Basis für finessenreiche Exkurse, bei denen Genregrenzen keine Gültigkeit mehr besitzen.
Sonntag, 15. März, 19.33 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
A Dutch Man In New York Jazz
Der Saxofonist Ben van Gelder
Von Ssirus W. Pakzad
Bereits mit 17 Jahren bekam der in Groningen geborene Altsaxofonist Ben van Gelder den „Stan Getz/Clifford Brown Fellowship“-Preis zuerkannt. Ein Jahr später begann der heute 26jährige an der New Yorker New School unter namhaften Lehrern zu studieren. Er ist dann im Big Apple geblieben und hat sich dort mit seinem charakterstarken Ton und seinen fantasievollen Improvisationen schnell einen klingenden Namen erspielt, obwohl im Mekka des Jazz wahrlich kein Saxofonistenmangel herrscht. Zwei Solo-Alben liegen von Ben van Gelder vor. Sein letztes, „Reprise“, erschien beim deutschen Label Pirouet.
Dienstag, 17. März, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Markante Klänge (1)
Höhepunkte vom Internationalen Jazzfestival Saalfelden 2014 mit dem Amir Elsaffar Quintet, dem Quartett Gradischnig/Nagl/Herbert/Vatcher und „Get The Blessing“
Am Mikrofon: Gerd Filtgen
Das 35. Internationale Jazzfestival Saalfelden wurde erneut seinem Ruf als Austragungsort spannender musikalischer Begegnungen gerecht: Dabei wurde der Bezug zur Traditionslinie des Jazz nicht museal aufbereitet. Es erfolgten Vernetzungen mit Musik aus anderen Kulturen und Diskurse in avantgardistische Bereiche, die aber auch offen für Pop-Einflüsse waren. Der Trompeter Amir El Saffar ließ von irakischer Folklore beeinflusste Melodien in seine Themen einfließen und erzielte damit wechselnde Stimmungsbilder von meditativer Besinnung bis hin zu extrovertiertem Ausdruck. Die coolen Aktionen der beiden Saxofonisten Herwig Gradischnig und Max Nagl in den kreativen Regionen improvisierter Musik wurden kongenial von dem raffiniert agierenden Rhythmus-Team der Formation beantwortet. Und das britische Quartett „Get The Blessing“ verkörpert den Typus einer Band, die vitale Elemente aus Jazz, Rock, Punk und Pop auf originelle Weise fusionieren.
Donnerstag, 19. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Meister der ver-rückten Rhythmen
Der New Yorker Schlagzeuger Jim Black
Von Thomas Loewner
Seit der aus Seattle stammende Schlagzeuger Jim Black Anfang der 1990er Jahre nach New York gezogen ist, hat er sich zu einem der meistgefragten Schlagzeuger der internationalen Avantgarde-Szene entwickelt. Kollegen wie Tim Berne, Dave Douglas, Uri Caine oder europäische Musiker wie der Bassist Carlos Bica schätzen ihn wegen seiner immensen technischen Fähigkeiten und überbordenden Kreativität. Black ist stets ein Garant für druckvolle Grooves. Gleichzeitig versteht er es meisterhaft, Rhythmen durch gezielte Auslassungen oder zeitversetzte Schläge zum Straucheln zu bringen. Sein Spiel bleibt dadurch zu einem gewissen Maß stets unberechenbar und ist gerade deshalb enorm spannend anzuhören. Nicht nur als Sideman zählt Jim Black seit Jahren zur ersten Liga der Jazz-Schlagzeuger. Mit eigenen Projekten wie der Band AlasNoAxis und seinem aktuellen Trio gemeinsam mit dem Salzburger Pianisten Elias Stemeseder und Bassist Thomas Morgan zeigt er außerdem, dass er ein vielseitiger Leader ist.
Freitag, 20. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Beständig visionär
Das „Tradition Trio“ mit Johannes Bauer, Alan Silva und Roger Turner in der Manufaktur Schorndorf
Am Mikrofon: Julia Neupert
Seit 1992 spielen sie im „Tradition Trio“ zusammen, der deutsche Posaunist Johannes Bauer, der britische Schlagzeuger Roger Turner und der amerikanische Synthesizer-Spieler Alan Silva. Schon der Bandname verweist auf den Respekt, den die drei gegenüber den Traditionen der improvisierten Musik empfinden – wobei ihr Traditionsbegriff definitiv nicht mit einer verklärenden Rückbesinnung auf die Vergangenheit einhergeht. Es ist vielmehr die seit jeher drängende Energie des Free Jazz, sein formaler und klanglicher Frei-mut und seine komplexen Interaktionsräume, die für die Musik von Bauer/Silva/Turner katalysierend wirken. Ihr Konzert in der Manufaktur Schorndorf im Dezember vergangenen Jahres war ein eindrucksvolles Zeugnis für die ungemein facettenreiche Vitalität, die diesem Trio eigen ist.
Samstag, 21. März, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Aus den Katakomben ins Stadion
Die Geschichte des Jazzfestival Sopot 1956/57
Von Bert Noglik
Das erste polnische Jazzfestival 1956 in Sopot bedeutete Aufatmen nach einer Phase stalinistischer Unterdrückung, die sich auf alle Lebensbereich erstreckte und den Jazz in den Untergrund zwang. Nach der „Katakomben-Ära“, in der Jazz jahrelang nur in Kellern und Privatwohnungen gespielt werden durfte, drang diese Musik nun an das Tageslicht der Öffentlichkeit. Den Siegeszug des Jazz in Polen begleiteten Enthusiasmus und Sehnsucht nach Freiheit. Bereits beim ersten Jazzfestival in Sopot trat der später legendäre Pianist Krzysztof Komeda mit seiner Band auf. Das zweite Jazzfestival in Sopot, an dem eine von Werner Wunderlich geleitete Delegation mit Joachim-Ernst Berendt und deutschen Jazzmusikern – unter ihnen Joki Freund, Albert und Emil Mangelsdorff – teilnahm, wurde zugleich zu einem Symbol eines ersten freundschaftlichen Austauschs zwischen Deutschen und Polen nach dem zweiten Weltkrieg.
Dienstag, 24. März, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Markante Klänge (2)
Höhepunkte vom Internationalen Jazzfestival Saalfelden 2014 mit Ingebrigt Håker Flaten „The Young Mothers“, dem Trio „Stirrup“ und dem Duo Archie Shepp und Joachim Kühn
Am Mikrofon: Harry Lachner
Die Ausschnitte der drei Konzerte beim letztjährigen Jazzfestival in Saalfelden könnte man ohne große Vorbehalte als Zeichen eines Wechselspiels der Generationen sehen. Der Saxofonist Archie Shepp würde in diesem Zeichensystem die Erinnerung an eine ästhetische und politische Revolte repräsentieren, die „Young Mothers“ den postmodernen Stilmix der Gegenwart, das Trio „Stirrup“ die zunehmende Öffnung zwischen zeitgenössischer Kompositionsmusik und freier Improvisation. Doch trotz dieser halbwegs plausiblen Zuordnung sind die Gemeinsamkeiten unverkennbar: Sie liegen nicht zuletzt in den individuell verschiedenen Impulsen zur Erkundung unbetretener Terrains und neuer Spielformen im so weitgefassten wie ausdifferenzierten Jazz.
Donnerstag, 26. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Ritual und Moderne
Die beiden kubanischen Pianisten David Virelles
und Fabian Almazan
Von Günther Huesmann
Was können kubanische Musiker aktiv dazu beisteuern, den aktuellen Jazz voran zu bringen? Zwei Pianisten von der Zuckerrohr-Insel haben sich diese Frage gestellt, beide sorgen derzeit im New Yorker Gegenwarts-Jazz für Furore. So sehr sich ihre musikalischen Antworten unterscheiden, haben sie etwas gemeinsam. Fabian Almazan (fester Pianist in der Band des Trompeters Terence Blanchard) und David Virelles (angestammtes Mitglied des Tomasz Stanko New York Quartet) beziehen sich in ihren Improvisationen und Kompositionen auf die Formen der Neuen Musik und des Jazz genauso wie auf kubanische Ritualmusiken und auf die aus okkulten Yoruba-Traditionen stammenden Rhythmen und Melodien der Afro-Kubaner. Beide Spieler machen deutlich, dass es einen neuen kubanischen Sound geben kann – jenseits von den Klängen aus Salsa, Son und „Buena Vista Social Club“.
Freitag, 27. März, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update: Adventurous Reading (3)
buddy's knife jazzedition
Von Julia Neupert
„Stimmen, die über Jazz erzählen. Und über das, was ein Leben mit Jazz ausmacht.“So beschreibt der Kölner Buchverlag „buddy’s knife jazzedition“ seine inhaltliche Grundausrichtung. 2007 von Renate Da Rin gegründet und benannt nach dem legendären Kornettisten Buddy Bolden, verlegt „buddy’s knife“ sowohl englischsprachige Fachbücher und Textsammlungen zu Jazz und verwandter Musik als auch Literarisches. Zu den Autoren gehören etliche renommierte Musiker wie Henry Grimes, William Parker oder Roy Nathanson. Für das aktuell geplante Veröffentlichungs-Projekt, „giving birth to sound“, haben Renate Da Rin und William Parker verschiedene Stimmen international improvisierender und komponierender Musikerinnen zusammengetragen.
Samstag, 28. März, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Freie Lyrik
Zum 75. Geburtstag des Trompeters Herbert Joos
Von Odilo Clausnitzer
Zu seinen großen Idolen zählen Chet Baker und Miles Davis, aber musikalisch groß geworden ist Herbert Joos im freieren Umfeld des europäischen Jazz der 1960er Jahre. Plattentitel wie „Adagio“, „Ballads“, „Ballade Noir“ oder „The Beauty Of Darkness“ festigten seinen Ruf als Lyriker unter den modern orientierten Trompetern. Früh experimentierte er mit ungewöhnlichen Besetzungen, mit Elektronik und den Mitteln der Studiotechnik. Gleich seine erste Platte unter eigenem Namen, „The Philosophy Of The Fluegelhorn“, spielte er alleine im Mehrspurverfahren ein. Das Flügelhorn wurde sein bevorzugtes Instrument. Aber bei Soloauftritten blies er gelegentlich sogar Bariton- und Alphorn. Eine wichtige Rolle nahm Joos in den 1980er und 1990er Jahren als tragendes Mitglied des Vienna Art Orchestra ein. Plattenproduktionen vereinten ihn mit Jazzgrößen wie Albert Mangelsdorff, Michael Naura und Hans Koller. 1971 nahm der gebürtige Karlsruher das erste Mal am Fee Jazz Meeting Baden-Baden teil. 1984 erhielt er (im vierten Jahr von dessen Vergabe) den Jazzpreis des Südwestfunks. Kontinuierlich aktiv war er seit 1989 mit dem Kollektiv „Südpool Jazz“. Bekannt wurde Joos auch als Grafiker mit seinen realistischen Porträts bedeutender Jazzmusiker, die in Zeitschriften und Büchern veröffentlicht wurden. Am 21. März kann Herbert Joos seinen 75. Geburtstag feiern. SWR Jazztime widmet dem bedeutenden Stilisten eine Retrospektive.
Dienstag, 31. März, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Markante Klänge (3)
Höhepunkte vom Internationalen Jazzfestival Saalfelden 2014 mit dem Quartett „Kaze“ und Christian Mühlbachers Ensemble „usw….“
Am Mikrofon: Nina Polaschegg
Ein Quartett und ein großes Ensemble, das sind die beiden konträren Besetzungen, deren Konzertmitschnitte vom Jazzfestival Saalfelden 2014 Sie in der heutigen Jazz Session hören können. Zwei japanische und zwei in Berlin lebende Musiker bilden das Quartett „Kaze“. Lange Bögen und Entwicklungen bestimmen die Musik der vier, Entwicklungen, die sich von zarten Geräuschtexturen, über Klang-Ton-Mischungen zu dichtem Energiespiel steigern, die Ostinati integrieren und auch gebrochene lyrische Melodien zu integrieren vermögen. Christian Mühlbachers „usw...“ ist eine Bigband – fern der traditionellen Besetzung, auch wenn sämtliche Bigband-typischen Instrumente vertreten sind und auch der Wechsel von Tutti und Soli Teil von Mühlbachers Konzept bleibt. Für sein seit 1997 bestehendes Ensemble hat Mühlbacher eine Suite komponiert. Nahtlos gehen Balladen über in druckvollen Rockjazz, geben sich abstrakte Geräuschklänge die Hand mit Latin-Einsprengseln
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



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