SWR2 - Jazzprogramm März 2016
12.02.2016 10:54 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
März 2016
Dienstag, 1. März, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: No, It’s A Woman’s World, Too!
Ein diskursiv-musikalischer Rückblick auf das 3. Mainzer Jazzgespräch
Von Studierenden der Hochschule für Musik Mainz
Lange Zeit waren Frauen im Jazz die Ausnahme. Auch heute noch sind sie zahlenmäßig sowohl vor als auch hinter den Kulissen unterrepräsentiert, doch das scheint sich allmählich zu wandeln. Grund genug, drei erfahrene und engagierte Vertreterinnen der Jazzszene zur Podiumsdiskussion in die Musikhochschule Mainz einzuladen. Im Gespräch mit Wolfram Knauer (Jazzinstitut Darmstadt) erzählen die Saxofonistin Angelika Niescier, die Veranstalterin Nadin Deventer (Jazzfest Berlin) und die Jazzthetik-Herausgeberin Christine Stephan von ihren Erfahrungen in der scheinbaren Männerdomäne Jazz und diskutieren über Frauenquote, den Wert von Inhalten und Rollenmodellen in der heutigen Zeit. Musikalisch sind die Band Fräulein Pugh sowie die Duos Haberecht/Hering und Aller/Camargo zu hören.
Donnerstag, 3. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Günther Huesmann
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. Wir verraten in dieser Sendung, wer den SWR-Jazzpreis 2016 gewonnen hat, und führen ein Gespräch mit jener Jazzmusikerin bzw. jenem Jazzmusiker, die/der diese gemeinsam vom Land Rheinland-Pfalz und dem Südwestrundfunk vergebene Auszeichnung (verbunden mit 15.000 Euro) erhalten wird.
Freitag, 4. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Hochtourig
Das Trio Full Blast mit Peter Brötzmann, Marino Pliakas und Michael Wertmüller beim Akut Festival in Mainz
Am Mikrofon: Julia Neupert
In ein paar Tagen feiert er seinen 75. Geburtstag – musikalische Geruhsamkeit ist von Peter Brötzmann nach wie vor nicht zu erwarten. Die konsequent kompromisslose Spielhaltung des Saxofonisten konnte man auch beim letztjährigen Akut-Festival erleben: Da war Brötzmann mit den beiden Schweizern Marino Pliakas und Michael Wertmüller zu Gast. Im Frankfurter Hof agierten die drei gewohnt hochenergetisch zwischen Free Jazz und Hardcore, zwischen rasend komplexen rhythmischen Strukturen und freiem Power-Play, zwischen repetitiven Formen und plötzlichen Brüchen: Full Blast!
Samstag, 5. März, 9.05 – 10.00 Uhr
Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer "global language" geworden. "Jazz across the border" hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik, in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Samstag, 5. März, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Hipp Is Cool
Erinnerungen an die legendäre Pianistin Jutta Hipp
Von Bert Noglik
In der ersten Hälfte der 1950er Jahre galt sie als Hoffnungsträgerin des deutschen Jazz, und sie setzte sich in einer von Männern dominierten Welt durch: die Pianistin Jutta Hipp. Nachdem man sie hierzulande bei den Jazzfestivals in Frankfurt gefeiert hatte, wagte sie 1955 die Übersiedlung nach New York. Mit einem Plattenvertrag beim renommierten Label Blue Note ließ sich dort für sie alles zunächst gut an. Doch auf Dauer war dem Druck des Musikbusiness nicht gewachsen und verschwand Ende der 50erJahre von der Jazzszene. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Näherin. Bis ins Alter widmete sich die 2003 verstorbene Jutta Hipp dem bildkünstlerischen Gestalten. Mit der 6-CD-Box "Hipp is Cool – The Life and Art of Jutta Hipp" liegt nun eine Gesamtedition vor, die einen detaillierten Zugang zu dieser facettenreichen und faszinierenden Künstlerpersönlichkeit ermöglicht.
Sonntag, 6. März, 19.34 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Hey Joe
Das radio,string.quartet.vienna spielt Kompositionen von Joe Zawinul
Von Thomas Loewner
Was für ein Debüt! Auf der CD „Celebrating The Mahavishnu Orchestra“ spielte das radio.string.quartet.vienna Kompositionen von John McLaughlins bahnbrechender Band. Jazzrock, neu interpretiert von einem klassischen Streichquartett. Allein diese ungewöhnliche Konstellation sorgte für viel Aufmerksamkeit. Doch das Ergebnis überzeugte Kritiker und Publikum gleichermaßen. Selbst McLaughlin war begeistert. Er sagte über das Ensemble, nachdem er es live gehört hatte: „Eine Supergruppe. Ich bin so stolz.“ Die Premiere war also geglückt. Das war 2008. Seitdem haben sich die vier Musiker als Spezialisten im Grenzbereich zwischen klassischer europäischer Moderne und Jazz etabliert. Gleichermaßen überzeugend wie mitreißend verbinden sie die hohe Spielkultur des Streichquartetts mit der Spontaneität eines improvisierenden Ensembles. So auch auf ihrer aktuellen CD, für die sie sich wieder die Musik einer Jazzrock-Ikone vorgenommen haben: von Joe Zawinul mit Kompositionen aus seiner Zeit bei Weather Report.
Dienstag, 8. März, 22.03 – 23.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Don Cherry in Ankara
Am Mikrofon: Harry Lachner
Eigentlich, sagte er einmal, sei alle Musik im Grunde eins. Musikalische Grenzen zwischen den Kulturen seien allein von den Menschen und obendrein willkürlich gezogen. Don Cherry, jener Trompeter, der maßgeblich an der Entwicklung des Free Jazz beteiligt war, ließ Grenzen für sich nicht gelten. Weder die formalen und formalisierten des Jazz, noch jene der Kulturen. Ein Nomade war er, immer bereit, sich dem Neuen, dem Unbekannten zu stellen, sich darin einzufinden - und zu lernen. Er reiste durch die Welt mit dem Blick des ewig Neugierigen, dem jede Kategorisierung und Bewertung suspekt war, spielte mit den ansässigen Musikern und erlernte neue, für den Jazz ungewöhnliche Instrumente - wie eine Harfe aus Mali oder verschiedene Flöten aus der Türkei. Seine Suche nach traditionellen Spielpraktiken, risiko- und improvisationsfreudigen Musikern führte ihn 1969 auch nach Ankara. Aus der Begegnung mit dort ansässigen Jazzmusikern entstand nicht nur ein Album ("Live In Ankara"), sondern es entwickelte sich auch eine langjährige Freundschaft mit dem Perkussionisten Okay Temiz, mit dem Cherry immer wieder Konzerte gab. Don Cherry, 1936 in Oklahoma geboren, starb 1995 in Malaga.
Donnerstag, 10. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Mike Holober
Der (fast) unbekannte Big-Band-Star
Von Michael Rüsenberg
Wer eine Big Band leitet, von dem sollte man annehmen, dass er führen kann und will - und dies auch gerne tut. Was aber zieht Mike Holober, 59, vor? „Am liebsten bin ich in der Band eines anderen und begleite am Piano einen Bläser.“ (Über 60mal hat er das in Studiosessions getan.) Das sagt ein Komponist/Arrangeur, der in Deutschland für die Big Bands von WDR und NDR gearbeitet und jüngst sein 13. Projekt mit der hr Big Band abgeschlossen hat, „Jazz from Hell“, Jazz-Bearbeitungen der Kompositionen Frank Zappas. Ganz zu schweigen von seinen Big Band-Aktivitäten in New York. „I end up leading a lot“ - „Ich werde halt häufig zum Leiter berufen.“ Und das mit gutem Grund. Denn Holober ist nicht nur praktisch und theoretisch ein guter Handwerker, sondern auch ein kreativer Kopf. Er gehört mit zu den Neuerern der Big Band-Szene.
Freitag, 11. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: On The Edge (3)
Wege in der Freiheit (3): Laptop – Reduktion – Re-Entry
Von Nina Polaschegg
Die 1990er Jahre: Die „freie“ Improvisation hat sich längst zu einer eigenständigen Musikform entwickelt. Ein neues Instrument beeinflusst zunehmend auch das Denken anderer InstrumentalistInnen: der Laptop, der nun preislich erschwinglich und von der Rechenleistung her schnell genug ist, um als gleichwertiges Instrumentenbasis mitzumischen. Unter dem letztlich schillernden Begriff der Reduktion zusammengefasst, lassen sich einige Entwicklungen um die Jahrtausendwende beschreiben: Die Idee des Loop-basierten Spiels öffnet neue Gedankenwelten. MusikerInnen legen einzelne (Neben)Geräusche quasi unters Mikroskop, um sie in ihren Bestandteilen zu erforschen. Und sie gehen Fragen nach Pausen, Stille und einer radikalen Entsubjektivierung der Musik nach.
Und heute? Wie lässt sich „frei“ improvisierte Musik weiter denken nach Phasen radikaler Dichte eines Free Jazz Powerplay einerseits und radikaler Reduktion andererseits? Ein „Re-Entry“ lässt sich beobachten, ein nach und nach Wiederzulassen von einst Verdrängtem: von Harmonie und Rhythmus, Melodie und Geste etc.. Und zwar nicht als ein Zurück-zu, sondern neu gedacht.
Samstag, 12. März, 22.30 – 24.00 Uhr
Jazztime: Stürmisch, elegant
Die swingende und groovende Botschaft des Saxofonisten James Carter
Von Hans-Jürgen Schaal
Auf den Straßen von Detroit herrscht ein rauer Ton. James Carter wollte daher von frühauf beweisen, dass er auch am Saxofon ein ganz harter Kerl ist. Sein Spiel klang von Anfang an wild und aufpeitschend, er gab den stürmischen Rebellen, aber mit unnahbarer Eleganz. 1993 zählte man ihn zu den „tough young tenors“, manche sprachen vom „mad man“, dem „dirty guy“ aus Detroit. Bald meldete Carter Ansprüche auf den Thron der Jazzsaxofonisten an und gebärdete sich bei den Dreharbeiten zum Jazzfilm „Kansas City“ als schwieriger Hitzkopf. Über die Jahre hinweg hat er sein Feuerwerk der Expressivität zur Perfektion geführt. Die Energie seines Spiels vergleicht er mit der E-Gitarre von Jimi Hendrix. In jedes Solo wirft James Carter ohne falsche Bescheidenheit seine ganze Intelligenz und sein ganzes, nahezu unerreichtes technisches Können.
Dienstag, 15. März, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Songs from Chicago
Michael Zerang & The Blue Lights beim Akut Festival in Mainz
Am Mikrofon: Gerd Filtgen
In der Chicagoer New-Jazz-Szene gehört der Drummer, Perkussionist und Komponist Michael Zerang zu den umtriebigen Aktivisten. Seine kreativen Arbeiten sind in der improvisierten Musik und im Zusammenspiel mit Ballett-, Theater- und Filmschaffenden präsent. Bei The Blue Lights – einer seiner aktuellen Formationen - handelt es sich um eine Quintett-Besetzung mit dem Kornettisten Emil Strandberg, den Saxofonisten Dave Rempis und John Dikeman, sowie dem Bassisten Kent Kessler. In Zerangs von fulminanten Beats unterfütterten Sounds verbinden sich rockige Riffs mit Free Jazz-Auslegungen und melodischen Impressionen orientalischer Musik.
Donnerstag, 17. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Klavier – Klang – Poesie
Die Pianistin Julia Hülsmann
Von Bert Noglik
Sie zählt zu den heute tonangebenden deutschen Jazzmusikerinnen. Julia Hülsmann weiß ihrem Spiel mit sensibler Anschlagskultur und musikalischer Phantasie einen lyrischen Touch zu geben. In ihren Kompositionen gelingen ihr atmosphärisch dichte Stimmungsbilder, gewissermaßen Grundierungen für das Zusammenspiel mit Wahlverwandten – allen voran mit ihrem Trio. Gemeinsam mit Vokalistinnen und Vokalisten wie Rebekka Bakken, Anna Lauvergnac sowie Roger Cicero widmete sie sich der Vertonung ausgewählter Gedichte von E. E. Cummings und Emily Dickinson sowie der Neuinterpretationen von Songs aus der Feder von Randy Newman. In das Musizieren mit ihrem Trio weiß sie auch Gäste wie den Trompeter Tom Arthurs und den Sänger Theo Bleckmann einzubeziehen, mit dem ihr eine sehr individuelle Sicht auf Kurt Weill gelang.
Freitag, 18. März, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Sonic Wilderness
Von Thomas Loewner
Das NOWJazz Update ist zumindest einmal im Monat zumeist halbstündig auf der nächtlichen Jazzschiene platziert und dient der Präsentation neuester Tendenzen der improvisierten Musik. Es erlaubt den ModeratorInnen, besonders wichtige Neuerscheinungen eingehender vorzustellen, als dies im NOWJazz Magazin möglich ist. Was gespielt wird, entscheiden die SWR2 JazzautorInnen erst kurz vor dem Sendetermin.
Samstag, 19. März, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Hippie Jazz
Als der Jazz psychedelisch wurde
Von Odilo Clausnitzer
Sie trugen lange Haare, nahmen gerne Drogen und wollten die bürgerlichen Lebensformen hinter sich lassen: Mitte der 1960er Jahre wurden die Hippies zur größten gegenkulturellen Jugendbewegung in den USA. Ihr Soundtrack war Folk und die aktuelle Rockmusik. Aber Hippie-Themen wie Bewusstseinserweiterung, Spiritualität, Entgrenzung und Öffnung für fremde Kulturen haben auch im Jazz ihre Spuren hinterlassen. Während im Psychedelic Rock mit der Auflösung von herkömmlichen Songstrukturen und neuen Klängen experimentiert wurde, entdeckten Jazzmusiker wie Pharoah Sanders, Charles Lloyd u.a.
groovebasierte, lange Formen und Perkussionsinstrumente aus aller Welt für sich. SWR2 Jazztime unternimmt einen Streifzug durch die Zeit, als so mancher Jazzmusiker ein heimlicher, und andere Jazzmusiker wiederum offene Hippies waren.
Dienstag, 22. März, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Drei Stimmen, ein Ziel
Das Trio Patrick Bebelaar/Herbert Joos/Günter Lenz beim Festival Enjoy Jazz 2015 in Mannheim
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Im vergangenen Jahr feierte der in Stuttgart lebende legendäre Trompeter Herbert Joos seinen 75. Geburtstag. Mit seinen ebenso einfühlsamen wie kraftvollen Linien und mit seinem unnachahmlichen Sound hat er dem europäischen Jazz ( u.a. im Vienna Art Orchestra) wichtige Impulse gegeben. Ähnliches kann man von dem 77jährigen Kontrabassisten Günter Lenz sagen, der als langjähriges Mitglied im Albert Mangelsdorff Quintett und mit seiner eigenen Band Springtime die europäische Jazzemanzipation beflügelt hat. Vor so viel Prominenz muss sich der 44jährige Pianist Patrick Bebelaar nicht verstecken. Vital, spritzig und einfallsreich forderte er beim Festival Enjoy Jazz im Mannheimer Club „Klapsmühl“ seine beiden älteren Spielpartner heraus. Ein Dialog in freundschaftlicher Konkurrenz über Generationen hinweg.
Donnerstag, 24. März, 23.15 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Hawaii Blues
Ein Portrait des Gitarristen und Klangsammlers Mike Cooper
Von Harry Lachner
Den Beweis dafür, dass man sich der Musik Hawaiis nicht ausschließlich von der exotistischen Seite her annähern muss, liefert seit Jahren der Gitarrist Mike Cooper. Er bewegt sich mit seinen Arbeiten zwischen ironischer Zitierfreude und einem geradezu musikethnologischen Ernst bei der Erkundung der Musiktradition des südpazifischen Raums. Er, der im Lauf der Jahrzehnte den Wandel vom Bluesmusiker zum Improvisator und Elektroniker vollzogen hat, greift in einigen seiner neueren Projekte wieder auf Field Recordings zurück, die er bereits viele Jahre davor gemacht hatte. Sie liefern ihm das Rohmaterial, aus dem er teils ruhige Klangflächen montiert, sie aber auch in einen elektronischen Kontext einbettet, gelegentlich in Zusammenarbeit mit Musikern wie Chris Abrahams. Doch auch sein Humor soll in dieser Sendung nicht zu kurz kommen. Das heißt: seine enge Zusammenarbeit mit dem Saxofonisten Lol Coxhill.
Freitag, 25. März
NOWJazz entfällt
Samstag, 26. März, 15.05 – 16.55 Uhr
SWR2 Jazz: Musik als Prisma
Der Komponist und Altsaxofonist John Zorn und seine vielfältigen Projekte
Am Mikrofon: Günther Huesmann
John Zorn gehört zu den bemerkenswertesten und schillerndsten Musikerpersönlichkeiten der Gegenwart. „Meine Kunst ist ein Prisma.“, sagt der New Yorker, „Das Licht fällt durchs Prisma und bricht in verschiedene Richtungen. Genauso arbeite ich: indem ich Dinge schaffe, die das Potential haben, dass man sie auf viele verschiedene Arten betrachten kann.“ Das Oeuvre des Komponisten, Altsaxofonisten, Bandleaders und Plattenproduzenten steht für eine extreme Vielfalt.
Die Sendung (mit Auszügen aus der Langen John Zorn-Nacht von 2013) setzt sich ebenso unterhaltsam wie kritisch-informativ mit Zorns Werk und seinem Wirken als Mastermind der New Yorker Downtownszene auseinander. Bei uns kommt der Meister der Improvisation und Komposition mehrfach selbst zu Wort. Außerdem äußern sich Musikerkollegen wie Joey Baron, Ikue Mori und John Medeski zur Bedeutung des Ausnahme-Künstlers. Jazzgrößen wie Wynton Marsalis, Evan Parker und Erika Stucky kommentieren das Werk von John Zorn. Im Zentrum aber steht die aufregend bunte, schillernde und kraftvolle Musik von Zorn selbst.
Samstag, 26. März, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Der Tenorsaxofonist John Ellis
Von Ssirus W. Pakzad
Der Wahl-New Yorker John Ellis ist ein vielbeschäftigter Mann. Auf über 100 Platten-Produktionen ist der 41jährige Saxofonist und Klarinettist bereits zu hören. Er stammt aus North Carolina. Prägend war für ihn eine mehrjährige Ausbildungsphase in New Orleans, wo der berühmte Pianist und Pädagoge Ellis Marsalis ihn unter seine Fittiche nahm. Die Eindrücke, dier er in der Metropole im Mississippi-Delta sammlte, haben John Ellis nie ganz losgelassen. Seine Band Double-Wide etwa verarbeitet auf sehr humorvolle, oft skurrile Weise Einflüsse und Rhythmen der multikulturellen Stadt. Wenn John Ellis nicht mit dieser Band musiziert oder nicht als Sideman aktiv ist, komponiert er auch sehr ambitionierte Stücke wie etwa ein großformatiges Werk, welches mit dem Librettisten Andy Bragen entstand. Das Thema ist so skurril wie wahr: es handelt von einem Frachtkahn, der an der amerikanischen Ostküste entlang Müll transportierte, diesen aber nie abladen durfte.
Sonntag, 27. März, 19.34 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Invitation to the Ball
Dixieland-Klassiker
Von Gerd Filtgen
Der Kornettist Ken Colyer war einer der Pioniere des britischen Traditional Jazz-Booms der 1950er Jahre. In seinen Bands spielten Musiker, die ihn später an Popularität überflügeln sollten: der Posaunist Chris Barber, die Klarinettisten Monty Sunshine und Acker Bilk oder auch der Banjo-Spieler und Sänger Lonnie Donegan. Letztere kreierten einen flotten Dixieland mit exquisiten Soli, während sich Colyer stärker auf die Interpretation der an Kollektivimprovisationen reichen New Orleans-Tradition konzentrierte. Allen gemeinsam ist der Kontext in dem sie auftraten: Ihre fröhlichen Klänge waren in Clubs, Pubs, später dann aber auch in Konzertsälen zu hören.
Montag, 28. März, 19.36 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Due Cantori
Die Kollaboration des italienischen Trompeters Paolo Fresu mit dem Bandoneon-Spieler Daniele Buenaventura
Von Bert Noglik
Der aus Sardinien stammende Paolo Fresu und der im mittelitalienischen Fermo aufgewachsene Daniele di Bonaventura finden lustvoll und spielerisch gemeinsame Bezugspunkte in ihrer Liebe zum Melos. Mediterrane Musizierfreude lässt die sanft-eleganten Linien des Trompeters und die zuweilen orchestral verschachtelten Klänge des Bandoneonspielers eine glückliche Liaison eingehen. Die beiden Musiker haben anfangs integriert in ein Musikprojekt mit dem korsischen Gesangsensemble "A Fileta" zusammengefunden. Im Duo überraschen sie sich gegenseitig mit eigenen Kompositionen und lassen ihre Phantasie auch von liturgischen Gesängen, Opernthemen oder lateinamerikanische Songs inspirieren.
Dienstag, 29. März, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Am Mikrofon: Harry Lachner
Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in der Reihe My Favorite Discs regelmäßig vorgestellt: von den Autorinnen und Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. Legendäre Klassiker oder weniger bekannte Favoriten - warum gerade ein bestimmtes Album sie so beeindruckt hat, erklären sie in dieser Sendung.
Donnerstag, 31. März, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Ein Fossil erwacht
Die Rückkehr des Fender-Rhodes-Klaviers
Von Günther Huesmann
Ende der 1960er Jahre experimentierte Miles Davis mit elektrischen Sounds und führte mit Platten wie „Filles de Kilmanjaro“ und „Bitches Brew“ das elektrische Klavier in die Welt des Jazz ein: das Fender Rhodes. Populär wurde das Instrument zunächst im Kontext von Jazz Rock- und Fusion Music. Nur dort – in den groove-orientierten Spielweisen - schien es eine wirkliche Perspektive zu haben. Verglichen mit seinem vollelektronischen Konkurrenten, dem Synthesizer, wirkte das Instrument weniger avanciert und zukunftsträchtig. Das war ein Trugschluss. In der letzten Zeit taucht das Fender-Rhodes und das mit ihm verwandte Wurlitzer-Klavier in so zahlreichen Jazz-Projekten auf, dass man von einer wirklichen Renaissance des elektrischen Klavierspiels sprechen kann.
Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können Sie als Audio on Demand 7 Tage nachhören. Auf swr2.de/jazz finden Sie auch Musiklisten und weitere Informationen zu unserem Programm
Veranstaltungshinweis:
Freitag, 18. März 2016, 20.30 Uhr
SWR2 NOWJazz Session in der Manufaktur Schorndorf: Booklet Trio
Tobias Delius - Saxofon
Joe Williamson - Kontrabass
Steve Heather - Schlagzeug
Im Band-Namen steckt das Konzept dieses Trios: Improvisiert wird hier mit einem imaginären „Büchlein“ realer Songs und Melodien, die sich im kollektiven Gedächtnis der drei Musiker verankert haben. Klassiker von Duke Ellington, Herbie Nichols oder Misha Mengelberg sind dabei, eigene Stücke, aber auch musikalische Ohrwürmer, die eher unbewusst beim Radiohören oder Filmgucken hängen geblieben sind. „Daraus ergibt sich jedes Mal eine überraschende Reise durch Neues, Erinnertes und Vergessenes“, beschreibt Tobias Delius die Spielstrategie. Besonders live ist dieses Echtzeit-Patchwork ein Erlebnis – als
„magisch“ hat ein Kritiker mal ein Konzert von Booklet beschrieben. Ihre Auftritte sind leider rar – jetzt sind Tobias Delius, Joe Williamson und Steve Heather zum ersten Mal in der Manufaktur Schorndorf zu Gast. Die SWR2 Jazzredaktion wird das Konzert aufzeichnen und in der NOWJazz Session voraussichtlich am 17. Juni senden.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



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