SWR2 - Jazzprogramm Mai 2016
12.04.2016 16:28 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Mai 2016
Dienstag, 3. Mai, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Move Forward
Höhepunkte vom Jazzfest Berlin 2015 (5)
Mit dem Julia Kadel Trio, dem Giovanni Guidi Trio und Plaistow
Am Mikrofon: Tobias Richtsteig
Das Pianotrio ist ein Klassiker, auch und gerade im Jazz. Das Jazzfest Berlin räumte diesem Format deshalb eine ganze Konzertreihe ein. In der intimen Atmosphäre des Jazzclubs »A-Trane« zeigten unter dem Motto »The Art of the Trio« drei junge Formationen den aktuellen Stand der Kunst: Die Kreuzberger Pianistin Julia Kadel schreubt mit ihrem Trio die Tradition der kammermusikalischen Poetik in eine zeitgemäße Formensprache weiter. Ihr Kollege Giovanni Guidi erforscht im Zusammenspiel mit Bassist Thomas Morgan und Schlagzeuger Joao Lobo ein lyrisches Klanguniversum spontaner Improvisation. Und das Schweizer Trio Plaistow entwickelt mit dem akustischen Instrumentarium höchst überzeugend die energetische Klangfülle elektronischer Musik zwischen Minimalismus und TripHop.
Donnerstag, 5. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Spannende Interaktion
Das Vijay Iyer Trio im Heidelberger Karlstorbahnhof 2015 (2)
Am Mikrofon: Günther Huesmann
2015 war ein großes Jahr für Vijay Iyer. Der amerikanische Pianist mit indischen Wurzeln veröffentlichte sein Album "Break Stuff" und landete mit diesem Werk in zahlreichen "Best-of"-Listen. Dies nicht von ungefähr: Denn gemeinsam mit dem Bassisten Stephan Crumb und dem Schlagzeuger Marcus Gilmore gelingt es Iyer, das Piano-Trio in eine neue Dimension zu heben. Im Heidelberger Karlstorbahnhof präsentierte sich das Vijay Iyer Trio in hervorragender Spiellaune. Dabei hatte es wenige Stunden zuvor noch sehr schlecht ausgesehen für den Auftritt. Ein Stromausfall am Flughafen in Brüssel zwang die Musiker, sich in aller Eile einen Mietwagen zu leihen und die 450 km nach Heidelberg zu hasten. Ankunft: knapp vor Konzertbeginn. Von derlei Tour-Stress war beim Auftritt des Iyer-Trios allerdings nichts zu spüren. "We' ve survived the day", sprach ein überglücklicher Pianist ins Ansagemikro am Ende eines umjubelten Konzertabends. Heute bringen wir in NOWJazz den zweiten Teil des SWR-Mitschnitts.
Freitag, 6. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Move Forward
Höhepunkte vom Jazzfest Berlin 2015 (6)
The Necks
Am Mikrofon: Nina Polaschegg
Seit 1987 spielen The Necks schon zusammen, die drei Australier aus Sydney - der Schlagzeuger Tony Buck, der Bassist Lloyd Swanton und der Pianist Chris Abrahams. Sie improvisieren und verfolgen dabei klare Ideen, stringent durchgehalten, immer wieder erneut befragt, verfeinert, in sich variiert. Einflüsse der Minimal Music finden sich ebenso wie Ambient oder Rock. Und nicht zu vergessen, sind die drei Spieler auch in verschiedenen Kontexten der frei improvisierter Musik zu Hause. Beim Jazzfest Berlin 2015 trat die Band in der Kaiser-Wilhelm- Gedächtniskirche auf. Chris Abrahams spielte Orgel statt Klavier. Ganz ohne gezielte Lichtinszenierung leuchteten zu Beginn des Konzertes noch die blauen Fenster des Glaskünstlers Gabriel Loire, während es mit zunehmender Dämmerung in der Kirche dunkler wurde und die Musik rein für sich wirken konnte.
Samstag, 7. Mai, 9.05 – 10.00
SWR2 Musikstunde: Jazz across the border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer "global language" geworden. "Jazz across the border" hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik, in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Samstag, 7. Mai, 22.03 – 02.00 Uhr
Jazztime: Ein Meilenstein „wächst“
John Coltranes Album „A Love Supreme
(The Complete Masters)“
Von Hans-Jürgen Schaal
Der Tenorsaxofonist John Coltrane (1926-1967) gehört zu den Symbolfiguren des gesellschaftlichen und musikalischen Aufbruchs der 1960er Jahre. Sein Quartett-Album „A Love Supreme“, aufgenommen im Dezember 1964, war sein größter kommerzieller Erfolg. Die viersätzige Suite gilt bis heute als Coltranes künstlerisches und spirituelles Meisterwerk und als ein Meilenstein der Jazzgeschichte. Ganze Bücher wurden über dieses Album geschrieben – und der Mythos um „A Love Supreme“ wächst immer weiter. Jetzt macht eine Neuausgabe des Albums mit weiteren Versionen des ersten Satzes („Acknowledgement“) bekannt. Sie entstanden einen Tag nach der Quartettaufnahme in einer Sextettbesetzung, zu der auch Coltranes Saxofonkollege Archie Shepp gehörte. Es gilt, ein Stück Jazzgeschichte neu zu entdecken.
Dienstag, 10. Mai, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
As Times Go By
Aufnahmen mit Klaus Doldinger aus dem SWR-Archiv
Am Mikrofon: Julia Neupert
Der Saxofonist Klaus Doldinger war im Nachkriegsdeutschland einer der Pioniere des "Jazz Made In Germany" - und ist heute als Bandleader und erfolgreicher Filmmusikkomponist eine etablierte Größe im Musikgeschäft. Anlässlich seines kommenden 80. Geburtstagsjubiläums senden wir in dieser Jazz Session einen Querschnitt durch die Jahrzehnte seines Schaffens: mit Tondokumenten aus Klaus Doldingers Anfangszeiten als Dixielandmusiker bei den Feetwarmers bis hin zu Festivalauftritten mit seiner langjährigen Jazz Rock-Formation Passport.
Donnerstag, 12. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Die Unverwechselbare
Carla Bley zum 80. Geburtstag
Von Harry Lachner
Carla Bley gilt als kreativste, originellste und humorvollste Komponistin und Arrangeurin des Jazz. In ihren Werken vereint sie eine launige Ironie mit dem unermüdlichen Streben nach neuen orchestralen Klangfarben und Klangkombinationen. Anfangs noch stark vom Free Jazz beeinflusst, legte sie ihren Schwerpunkt schnell auf die Komposition, auf einen großorchestralen Klang, in dem Elemente aus unterschiedlichsten Stilrichtungen miteinander in Einklang gebracht oder reibungsvoll gegeneinander gesetzt werden. Die Pianistin griff Stile auf, die im Jazz davor selten berücksichtigt wurden: Revolutionslieder, Folklore, die Musik von Kurt Weill oder Hanns Eissler. Ihr zweistündiges Großwerk "Escalator Over The Hill" (1971) besaß einen Stellenwert für den Jazz jener Zeit, der vergleichbar ist mit dem Rang, den das Beatles-Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" für die Popmusik besitzt.
Freitag, 13. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: On The Edge (5)
Entdeckungslust & Forscherdrang. Die Emanzipation des
Geräusches, erweiterte Spieltechniken und ihre Bedeutungen im Wandel
Von Nina Polaschegg
Die Emanzipation des Geräusches spielt eine zentrale Rolle in der Musik seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Doch Geräusche in Musik zu integrieren oder als Musik zu betrachten ist keine Erfindung der Nachkriegsgeneration. Schon Heinrich Schmelzer, sein Schüler Heinrich Ignaz Franz Biber oder andere Komponisten des Barock entwickelten besondere Spieltechniken, um Naturgeräusche darzustellen - Präparationen inklusive. Und spätestens seit Luigi Russolos 1913 entwickelten "Intonarumori", einem Geräuschorchester, werden Musik und Geräusch neu gedacht. Welche Funktion hat das Geräusch innerhalb der Entwicklung "frei" improvisierter und experimenteller Musik? Und kann Geräuschforschung heute noch eine Rolle spielen?
Samstag, 14. Mai, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Geheimnis eines Unermüdlichen
Klaus Doldinger zum 80. Geburtstag
Von Odilo Clausnitzer
Er ist der erfolgreichste aller deutschen Jazzmusiker. Seine Musik zum Kinohit "Das Boot" und die Titelmelodie zum "Tatort" sind einem Millionenpublikum bekannt. Seine Band Passport ist seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner auf internationalen Bühnen. Angefangen hat er als Hot Jazz-Klarinettist; später wurde er ein gefragter, blues-inspirierter Hard Bop-Saxofonist und machte unter dem Pseudonym Paul Nero Tanzmusik. Mit Passport half Doldinger den Jazzrock in Deutschland zu etablieren. Seine 80 Jahre merkt man dem noch immer jugendlich agilen Musiker heute nicht an. SWR2 Jazztime lässt ihn zu Wort kommen und beleuchtet ausgewählte Stationen seiner glanzvollen Karriere.
Dienstag, 17. Mai
SWR2 Jazz Session entfällt
Donnerstag, 19. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Art Of The New Cool
Das Mark Turner Quartet beim Festival Enjoy Jazz 2015 in Mannheim
Am Mikrofon: Gerd Filtgen
Der amerikanische Tenorsaxofonist Mark Turner hat eine außergewöhnliche Konzeption entwickelt. In seinen komplexen Themen und Improvisationen begeistert er mit einer Fülle unvorhersehbarer musikalischer Ereignisse. Seine Chorusse sind von subtiler Eleganz, die an die Spielweise von Cool Jazz-Heroen erinnert, doch schwingen auch Neobop-Diskurse in abstrahierter Form mit. Bei seinem Auftritt beim Festival Enjoy Jazz 2015 in Mannheim zeigte Turner eindrucksvoll, welche kreative Power er entwickelt. Zwischen den Protagonisten seines hochkarätig besetzten pianolosen Quartetts - mit dem Trompeter Avishai Cohen, dem Bassisten Joe Martin und dem Drummer Obed Calvaire - entwickelten sich kontrastreiche musikalische Aktionen. Ausgewogen in Mark Turner Jazz ist das Verhältnis von spannungsreichen und relaxten Parts.
Freitag, 20. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Sounds And Spaces
Das britische Label Another Timbre
Von Thomas Loewner
25 Jahre arbeitete Simon Reynell in der britischen Fernsehbranche, zuletzt als Tontechniker im Bereich Dokumentarfilm. Doch der zunehmende kommerzielle Druck und der damit verbundene Zwang, Sensationen wie am Fließband zu liefern, störten ihn immer mehr. Eine Erbschaft und ein Besuch beim Festival für zeitgenössische Musik im britischen Huddersfield gaben im Jahr 2006 schließlich den entscheidenden Anstoß für eine berufliche Neuorientierung Reynells: Das Konzert des Trios Contest of Pleasures mit John Butcher, Xavier Charles und Axel Dörner begeisterte ihn und er beschloss, den Mitschnitt auf CD zu veröffentlichen. Damit war das Label Another Timbre geboren. Seitdem veröffentlicht Reynell Aufnahmen aus den Bereichen Neuer und Improvisierter Musik. Der Katalog umfasst Einspielungen der Werke Morton Feldmans und John Cages ebenso wie Projekte unterschiedlichster europäischer Improvisatoren wie Michel Doneda, Thomas Lehn oder Rhodri Davies.
Samstag, 21. Mai, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Passion Flower
Die sensitive Welt des Altsaxofonisten Johnny Hodges
Von Bert Noglik
Sein Schaffen assoziiert sich vor allem mit dem Duke Ellington Orchestra. Doch Johnny Hodges überzeugte auch mit Einspielungen unter eigenem Namen, oft unter Beteiligung von Musikern aus dem Ellington-Umkreis. Geboren 1906 in Cambridge, Massachusetts, aufgewachsen in Boston, begann er als Teenager unter dem Einfluss von Sidney Bechet Saxofon zu spielen. Mit seinem im Blues verwurzelten, warmen und sinnlichen Spiel erwies er sich als ein Instrumentalist mit einer besonders gesangsnahen Stilistik. Johnny Hodges war - mit einer Unterbrechung von fünf Jahren - vom Ende der 1920er Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1970 Mitglied der Band von Ellington, deren Klangcharakterisik er als Starsolist wesentlich mitprägte. Im Alltagsleben eher wortkarg und introvertiert, überzeugte er auf dem Altsaxofon als ein melodisch erfindungsreicher Musiker von starker Mitteilungskraft.
Dienstag, 24. Mai, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
Neues vom Label SWR Jazzhaus
u.a. mit Quincy Jones, Lyle Mays und Eberhard Weber
Am Mikrofon: Gerd Filtgen
Musikalische Kostbarkeiten aus dem Rundfunk-Archiv veröffentlicht das Label SWR Jazzhaus, das mit neuem Look, neuer ästhetischer Ausrichtung und bewährtem Vertrieb (Naxos) an den Start geht. In der heutigen Sendung stellen wir Jazz-Juwelen aus der aktuellen Staffel des Labels vor. Mit dabei ist der überraschend akustisch aufspielende Keyboarder Lyle Mays und sein Quartett („The Ludwigsburg Concert“) genauso wie Quincy Jones mit seinem legendären Orchester von 1961 („Live in Ludwigshafen“). Die zeitgenössische Jazz-Moderne ist mit dem SWR NEWJazz-Meeting 2013 und dem Projekt „Living Being Extended“ um den Akkordeonisten Vincent Peirani vertreten.
Und auch eine DVD gehört zu den Neuproduktionen von SWR Jazzhaus: Zu Ehren des 75. Geburtstags von Eberhard Weber entstand mit „The Jubilee Concert“ eine großartige Hommage an den einflussreichen Bassisten. Dafür hatten sich im Januar 2015 auf der Bühne des Theaterhauses, Stuttgart ehemalige Weggefährten wie der Saxofonist Jan Garbarek, der Gitarrist Pat Metheny, der Vibrafonist Gary Burton sowie die SWR Big Band eingefunden.
Donnerstag, 26. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Faszinosum Björk
Jazzmusiker covern die isländische Pop-Sängerin
Von Ssirus W. Pakzad
Die isländische Sängerin, Komponistin und Performancekünstlerin Björk ist unter Jazzmusikern äußerst beliebt. Der Amerikaner Travis Sullivan etwa hat ein Orchester gegründet, das ausschließlich Songs der elfenhaften Pop-Sängerin interpretiert. Aber auch Größen wie Jason Moran, Michael Wollny, Heinz Sauer und Kurt Elling haben die igenwilligen Songs aus dem umfassenden Oeuvre der 50jährigen auf originelle Weise interpretiert. Sie alle schwärmen von Björks Experimentierlust, ihrem Forscherdrang, ihrer Unangepasstheit, ihrem Pop-Appeal, ihrer alle stilistischen Grenzen überwindenden Musikalität. Diese Faszination scheint nur konsequent zu sein. Denn angefangen hat Björk selbst einmal als Jazzmusikerin, ehe sie sich anderen Genres zuwandte.
Freitag, 27. Mai, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: NOW!
Tanja Feichtmair / Uli Winter / Fredi Pröll im club w71 in Weikersheim
Am Mikrofon: Julia Neupert
Hier und Jetzt. Ihre Musik hält, was der Bandname verspricht: NOW! haben sich die Saxofonistin Tanja Feichtmair, der Cellist Uli Winter und der Schlagzeuger Fredi Pröll genannt. Seit vielen Jahren improvisieren die drei aus dem österreichischen Ulrichsberg im Kollektiv und sind sich sicher: Das musikalische Risikospiel, so wie sie es betreiben, ist nur möglich auf der Basis ihrer Vertrautheit miteinander. Enorm ausdrucksstark und höchst dynamisch: energetisches Powerplay ist beim Trio NOW! genauso präsent wie fragiles Klangtexturspiel. In dieser Sendung sind Aufnahmen von ihrem Dezember-Konzert im Weikersheimer „club w71“ zu hören.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



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