SWR2 - Jazzprogramm Oktober 2015
10.09.2015 10:35 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Oktober 2015
Donnerstag, 1. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Günther Huesmann
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. Für die Oktober-Ausgabe haben wir unter anderem die aktuelle Veröffentlichung des buddy knife-Verlags gelesen, „Giving Birth To Sound. Women In Creative Music“, herausgegeben von Renate da Rin und William Parker.
Freitag, 2. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Aus dem Archiv
Chicago – Europe
Ken Vandermarks Territory Band 4 bei den Donaueschinger Musiktagen 2005
Am Mikrofon: Thomas Loewner
Der Saxofonist und Klarinettist Ken Vandermark steht wie kaum ein anderer Musiker für die aktuelle Generation von Jazzmusikern aus Chicago: einerseits eng verbunden mit der langen Free Jazz-Tradition der Stadt, die in den 1960er Jahren durch die AACM begründet wurde, andererseits offen für zahlreiche andere Stile wie Funk, Rock und traditionelle Volksmusiken aus aller Welt. Vandermark verbindet all diese Elemente auf eine Weise, die nicht selten an Techniken des Filmschnitts erinnert – eine deutliche Reminiszenz an die Zeit vor seiner Laufbahn als professioneller Musiker: Vandermark studierte zunächst Film an der McGill University in Montreal. Bei den Donaueschinger Musiktagen 2005 war Ken Vandermark zu Gast mit seinem Großprojekt Territory Band 4. Für das zwölfköpfige, international besetzte Ensemble konzipierte er Musik mit vielen stilistischen Facetten und nahtlosen Übergängen zwischen frei improvisierten und streng durchkomponierten Passagen.
Samstag, 3. Oktober, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Aufstieg und Wandlungen einer Legende
Miles Davis At Newport (1955-1975)
Von Gerd Filtgen
Für Miles Davis hätte es mit der Musik seiner akustischen Formationen, mit denen er in den 1950er und 1960er Jahren erfolgreich unterwegs war, auch weiterhin gut laufen können. Doch gerade in Zeiten großer Popularität gehörte die radikale Abkehr von gewohnten Abläufen zum künstlerischen Selbstverständnis des Trompeters. Diese Entwicklung ist bei seinen im Zeitraum von zwei Dekaden erfolgten Newport Jazz Festival Auftritten nachvollziehbar. Sie führte den Trompeter vom Hardbop, den er im Sextett mit den Saxofonisten John Coltrane und Julian „Cannonball“ Adderley mit modalen Improvisationsweisen anreicherte, zum Quintett mit dem Saxofonisten Wayne Shorter und dem Pianisten Herbie Hancock. Mit dieser Besetzung abstrahierte er sein Konzept noch stärker und stieß „kontrolliert“ in freie musikalische Bereiche vor. Mit Themen wie „Miles Runs The Voodoo Down“ läutete der Trompeter beim Newport Jazz Festival seine Electric Jazz Phase ein und dynamisierte sein Powerplay mit diversen Bläsern, einem reißenden Strom perkussiver Keyboard- und Gitarreneinsätze sowie heißen Jazz-, Rock- und Funk-Rhythmen.
Dienstag, 6. Oktober, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Von Bert Noglik
Der Titel des 1997 veröffentlichten Albums „Charms Of The Night Sky“ wurde vom Trompeter Dave Douglas auch als Name für das auf der CD zu hörende Quartett beibehalten – eine Besetzung ohne Schlagzeug mit dem Violinisten Mark Feldman, dem Akkordeonisten Guy Klucevsek und dem Kontrabassisten Greg Cohen. Das vom Flair der Melancholie umwehte Spiel der Band lässt Reminiszenzen an den verlorenen Topos des osteuropäischen Schtetls aufscheinen, bewegt sich im Schnittbereich von Jazz, Neuer Musik und imaginärer Folklore und schöpft zugleich aus den Erfahrungen der Musiker, die in der aktuell orientierten Downtown-Szene New Yorks beheimatet sind.
Donnerstag, 8. Oktober, 23.35 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Von Odilo Clausnitzer
Das NOWJazz Update dient der Präsentation neuester Tendenzen der improvisierten Musik. Es erlaubt den Moderatoren, besonders wichtige Neuerscheinungen eingehender vorzustellen, als dies im NOWJazz Magazin möglich ist. Was gespielt wird, entscheiden die SWR2-Jazzautoren erst kurz vor dem Sendetermin.
Freitag, 9. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
ARD-Themenwoche: Heimat
NOWJazz: Zu Hause in der Freiheit
Der Posaunist Johannes Bauer
Von Julia Neupert
Geboren ist er 1954 in Halle an der Saale, seit den frühen 1970ern lebt er in Berlin, unterwegs ist er auf der ganzen Welt. Johannes Bauer war 35 Jahre alt, als in seiner Heimatstadt die Mauer fiel. Beruflich taten sich für den Free-Jazz-Posaunisten da plötzlich Möglichkeiten auf, von denen er früher nur träumen konnte. Schnell etablierte sich Bauer in der internationalen Szene – als eine der markantesten Stimmen des zeitgenössischen Free Jazz. Was bedeutet „Zuhause“ für einen Mann wie ihn? Spielt die ostdeutsche Sozialisierung für ihn als Musiker heute überhaupt noch eine Rolle? Und – wie sehr kann eine globale Kunstform wie der Free Jazz künstlerischer Heimat sein?
Samstag, 10. Oktober, 22.03 – 23.00 Uhr
ARD-Themenwoche: Heimat
Jazztime: „Homecoming“
Die triumphale Rückkehr des Saxofonisten Dexter Gordon ins Mutterland des Jazz (1976)
Von Hans-Jürgen Schaal
Dexter Gordon (1923-1990) war der wichtigste Tenorsaxofonist der Bebop-Ära. Doch als die Auftrittsmöglichkeiten in den USA schlechter wurden, siedelte er – wie so mancher andere Jazzmusiker – nach Europa über. Rund eineinhalb Jahrzehnte lang lebte er in Paris und Kopenhagen. Als „Long Tall Dexter“ 1976 in die USA zurückkehrte, glich der Empfang einer Heldenehrung. Ein junges Jazzpublikum feierte den charismatischen Musiker als den „Inspirator John Coltranes“. Zum ersten Mal in seinem Leben bekam Dexter Gordon einen Vertrag bei einer großen Plattenfirma, zum ersten Mal hatte er eine eigen“ Workingband – er wurde zur Symbolfigur des „echten“ Jazz. Dexter Gordons späte, längst fällige Anerkennung war zugleich der Beginn einer beispiellosen Renaissance des modernen Mainstream-Jazz.
Sonntag, 11. Oktober, 19.32 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Der Duke in Köln
Die Conny Plank Sessions des Ellington Orchesters
Von Thomas Loewner
Conny Plank gilt als einer der einflussreichsten Produzenten der internationalen Musikszene. Bis zu seinem Tod im Jahr 1987 entstanden unter der Regie des Kölner Toningenieurs stilbildende Aufnahmen mit Brian Eno, den deutschen Elektronik-Pionieren Kraftwerk oder bedeutenden Krautrock-Bands, darunter Neu!, Cluster oder Kraan. Doch Plank hatte auch Ohren für den Jazz, wie eine Aufnahme aus dem Jahr 1970 zeigt: Duke Ellington und sein Orchester waren damals für einen kurzen Zwischenstopp in Köln und nutzten die Zeit, um mehrere Takes der Kompositionen „Afrique“ und „Alerado“ aufzunehmen. Plank saß an den Reglern und das Ergebnis überzeugte den Duke. In Conny Planks Nachlass sind diese Sessions nun wieder aufgetaucht. Sie wurden digital überarbeitet und jüngst auf CD wiederveröffentlicht.
Dienstag, 13. Oktober, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Spielwitz
Stefano Bollani solo beim Festival Enjoy Jazz 2014 im
Ludwigshafener Kulturzentrum dasHaus
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Mitte der 1990er Jahre war er Keyboarder in der Band des italienischen Rappers und Pop-Stars Jovanotti. Dann holte ihn der Trompeter Enrico Rava 1996 in seine Band, und hier, im Quartett der italienischen Jazz-Ikone, begann für Stefano Bollani eine musikalische Reise, die ihn direkt auf den europäischen Jazz-Olymp führte und die bis heute immer noch nicht abgeschlossen ist. Im Mitschnitt der SWR-Jazzredaktion beim Festival Enjoy Jazz 2014 im Kultur-Zentrum dasHaus präsentierte sich der gebürtige Mailänder solo und in überragender Spiellaune. Wobei Humor, Witz und Pfiffigkeit seines Spiels schnell vergessen lassen, mit welch klugem Intellekt und mit welcher Anschlags-Raffinesse seine Improvisationen funkeln.
Samstag, 17. Oktober, 20.03 – 20.30 Uhr
Donaueschinger Musiktage
NOWJazz Update: Introducing Lotte Anker
Von Nina Polaschegg
Ihre Wurzeln hat Lotte Anker sowohl im Modern Jazz und Free Jazz als auch in der klassischen und neuen Musik. Sie versteht sich selbst als improvisierende Musikerin, die ihre Fühler in die verschiedenen Richtungen ausstreckt, je nach Besetzung, je nach Kontext. In kleineren Besetzungen improvisiert Anker mit Vorliebe ohne Netz und doppelten Boden, etwa in ihrem Trio mit Craig Taborn und Gerald Clever, im Quartett mit Johannes Bauer, John Edwards und Paul Lovens oder in ihren Duos mit Fred Frith und Fred Lonberg-Holm. In größeren Besetzungen bevorzugt Lotte Anker die Arbeit mit formalen und strukturellen Vorgaben. Nicht um sich einzuschränken, sondern um für die MusikerInnen gezielte Freiräume zu schaffen.
Samstag, 17. Oktober, 20.30 – 22.45 Uhr
Donaueschinger Musiktage – Live
NOWJazz Session: Acoustic & Electric Habitat
Die dänische Saxofonistin Lotte Anker im Trio und Sextett mit Sofia Jernberg, Thomas Lehn, Ikue Mori, Sten Sandell und Michael Vorfeld
Am Mikrofon: Julia Neupert
Mit der Dänin Lotte Anker gestaltet in diesem Jahr eine der prägenden Figuren der skandinavischen Improvisationsszene die beiden Sets der NOWJazz Session. Die Saxophonistin und Komponistin hat dazu Musikerinnen und Musiker eingeladen, die sie als markante und zugleich wandelbare Künstlerpersönlichkeiten schätzt. Während es im akustischen Trio in der Besetzung Saxofon-Gesang-Piano darum gehen wird, die facettenreichen Ebenen von Stille zu erkunden, konzentriert sich das im zweiten Teil zum Sextett erweiterte elektroakustische Ensemble dann auf spannungsreiche dynamische Kontraste, Texturen und wilde Klanglandschaften.
Samstag, 17. Oktober, 22.45 – 24.00 Uhr
Donaueschinger Musiktage
donau.phon
Von Harry Lachner
Das erste Jazz-Konzert im Rahmen der Donaueschinger Musiktage fand im Jahr 1954 statt –fünf Jahre nach der erstmaligen Zusammenarbeit des Festivals mit dem Südwestfunk Baden-Baden. Seither entstand eine große Anzahl von Aufnahmen, die die verschiedensten Formen der jeweils aktuellen improvisierten Musik dokumentieren. Darunter ganz unterschiedliche ästhetische Vorstellungen, große und kleine Besetzungen, reine akustische wie überwiegend elektronische Musik. Auch kam es im Lauf dieser Jahre zur Zusammenarbeit improvisierender Musiker mit Avantgarde-Komponisten – etwa von Krzysztof Penderecki mit dem Trompeter Don Cherry. Fragmente aus einigen dieser Konzerte der fernen und jüngsten Vergangenheit werden im „donau.phon“ zu einer Collage verdichtet – keine historisierende Rückschau, sondern eine Vergegenwärtigung des Prinzips Improvisation und der unterschiedlichsten Ausdrucks- und Darstellungsmöglichkeiten.
Dienstag, 20. Oktober, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Fenster zur Internationalität
Das Deutsche Jazzfestival in Frankfurt in den 1950er Jahren
Von Thomas Loewner
Anfang der 1950er Jahre herrschte Aufbruch-Stimmung in Deutschland. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft – der Blick nach vorn und der Drang nach einer neuen Positionierung im Weltgefüge durchzogen alle Bereiche der Gesellschaft. Diese Entwicklungen gingen auch am deutschen Jazz nicht spurlos vorüber. Mit dem Deutschen Jazzfestival, das erstmals 1953 in Frankfurt am Main stattgefunden hatte, war ein Podium entstanden, das der deutschen Szene die Möglichkeit gab, sich selbstbewusst zu präsentieren. Vom Start weg war es eine wichtige Anlaufstelle für Jazzpublikum und -musiker: Es gibt keinen bedeutenden deutschen Jazzmusiker der damaligen Zeit, der nicht in Frankfurt gespielt hat. In den ersten Jahren hatte das Festival noch eine rein nationale Ausrichtung, die internationale Szene hielt erst in den 1960er Jahren Einzug.
Donnerstag, 22. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Fleiß und Industrie
Jazz und die Klangwelt der Maschinen
Von Harry Lachner
Digitale Musikprogramme, die Erfindung und Verbreitung des Samplers haben es sehr einfach gemacht: Brauchten die Komponisten der Musique Concrète noch kilometerweise Bandmaterial und einen Maschinenpark an elektronischen Gerätschaften, lässt sich heute jeder beliebige Klang speichern und manipulieren. Die Möglichkeiten sind nahezu unendlich. Es scheint daher auf den ersten Blick paradox, dass Musiker und Komponisten gerade mit den Klängen industrieller Maschinen arbeiten – wie etwa Annie Gosfield oder zuletzt Mathias Delplanque, Attilio Novellino und Saverio Rosi; dass mit Computerprogrammen Assoziationen an eine scheinbar vergangene Welt geweckt werden, die von der Mechanik dominiert wurde: virtuelle Maschinenmusik ohne jeden nostalgischen Anstrich. Vielmehr wird hier noch einmal die Körperlichkeit der Musik, werden die insistierenden Rhythmen beschworen, die den Körper im industriellen Zeitalter („Modern Times“) formten und beherrschten.
Freitag, 23. Oktober, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Von Gerd Filtgen
Das NOWJazz Update dient der Präsentation neuester Tendenzen der improvisierten Musik. Es erlaubt den Moderatoren, besonders wichtige Neuerscheinungen eingehender vorzustellen, als dies im NOWJazz Magazin möglich ist. Was gespielt wird, entscheiden die SWR2-Jazzautoren erst kurz vor dem Sendetermin.
Samstag, 24. Oktober, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Das Phantom
Die Geschichte des Jazz-Hornisten Julius Watkins
Von Odilo Clausnitzer
Das Waldhorn gehört zu den Instrumenten, die im Jazz Exotenstatus haben. Ein Grund dafür: Nur Wenige schafften es bisher, darauf swingend zu improvisieren. Der Mann, dem das als erstem gelang, war der Amerikaner Julius Watkins. Die Liste seiner Arbeitgeber – ob im Big Band- oder im Comboformat – liest sich wie ein Who Is Who der Jazzgeschichte: Watkins spielte unter anderem mit Dizzy Gillespie, Miles Davis, Gil Evans, Quincy Jones, Thelonious Monk, Sonny Rollins, Charles Mingus, John Coltrane, Freddie Hubbard und Pharoah Sanders. Zusammen mit dem Saxofonisten Charlie Rouse leitete er die Combo „The Jazz Modes“, die zupackende Improvisationen mit ausgetüftelten Arrangements verband. Seiner Eigenart, in geselliger Runde fast unbemerkt aufzutauchen und wieder zu verschwinden, verdankte Julius Watkins seinen Spitznamen „Das Phantom“. Im Rückblick passt dieser Name auch auf Watkins’ Status in der Musikgeschichte. Denn trotz seiner eindrucksvollen Pionierleistung, und trotz seiner umfangreichen Diskographie ist er im Bewusstsein der heutigen Jazzöffentlichkeit praktisch nicht präsent.
Dienstag, 27.Oktober, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Jazz am Hamburger Rothenbaum
Anna Webbers‘ Percussive Mechanics und das Quartett Bonacina-Simcock-Jennings-Sirkis im Rolf-Liebermann-Studio des NDR
Am Mikrofon: Tobias Richtsteig
Ende 2014 waren zwei Saxofonistinnen mit ihren jeweiligen Bands zu Besuch im Studio 10 des Norddeutschen Rundfunks, die kaum unterschiedlicher hätten sein können. Während die Französin Céline Bonacina vom Baritoninstrument aus funkige Groove-Impulse an ihre Kollegen Michel Benita und Gwilym Simcock sendete, mit denen sie zum ersten Mal als spontan improvisierendes Trio auf der Bühne stand, leitete Anna Webber mit „Percussive Mechanics“ ihr eingespieltes Septett durch neue Kompositionen. Ihr Mentor Jason Moran attestierte der aus Kanada eingewanderten New Yorkerin einst „intellektuelle Neugier und pure Emotion“. Die Mitschnitte der Konzerte zeigen: Diese Zuschreibung darf auch das Bonacina Trio für sich beanspruchen.
Donnerstag, 29. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Beauty Is A Rare Thing
Das Spätwerk des Altsaxofonisten Ornette Coleman
Von Bert Noglik
Das Schaffen von Ornette Coleman (1930 - 2015) wurde vom fortwährenden Drang nach Innovation und klangforschender Beschäftigung mit der Musik angetrieben. Zugleich weist es eine Reihe von Konstanten wie den gleichberechtigten Umgang mit musikalischen Parametern auf, den der Altsaxofonist, Improvisator und Komponist mit seinem „Harmolodics“-Konzept fundiert und auf vielfältige Weise in die Praxis umgesetzt hat. Das Spätwerk Ornette Colemans zeichnet sich durch eine besondere Spannweite aus. Es reicht von der Adaption unterschiedlichen Materials – seien es Themen von Bach oder aktuelle Pop-Musik – bis zu Duo-Begegnungen mit dem Pianisten Joachim Kühn und der live im Quartett eingespielten, mit dem Pulitzer Prize for Music ausgezeichneten Platte „Sound Grammar“.
Freitag, 30. Oktober, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Adventurous Reading (6)
freistil
Von Nina Polaschegg
Heft #60 Mai/Juni 2015 – freistil feiert sein 10jähriges Jubiläum mit einem Wunschkonzert beim Ulrichsberger Kaleidophon Anfang Mai. Freistil, das „Magazin für Musik und Umgebung“ widmet sich experimentellen und zeitgenössischen Musikformen abseits des Mainstream. Improvisierte und experimentelle, akustische wie elektronische Musik stehen im Zentrum, aber auch zeitgenössische komponierte Musik und Spielformen des Rock finden Eingang. Portraits von MusikerInnen und Labels, Festivalberichte, Buchbesprechungen, dazu viele CD-Rezensionen sind in den Magazinen versammelt. Dass das Deckblatt der Jubiläumsausgabe eine Musikerin zeigt, ist kein Zufall, denn von Anbeginn an war es dem Gründer und Herausgeber Andreas Fellinger ein zentrales Anliegen, Frauen endlich adäquat zu präsentieren – Musikerinnen, Veranstalterinnen, Labelbetreiberinnen – und auch im Redaktionsteam sind sie vertreten. Nina Polaschegg spricht mit Andreas Fellinger über freistil, dessen Leserschaft inzwischen weit über Österreich hinausreicht.
Samstag, 31. Oktober, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Weltoffener Traditionalist
Der französische Trompeter Stéphane Belmondo
Von Ssirus W. Pakzad
Der Trompeter und Flügelhorn-Spezialist Stéphane Belmondo wuchs im Süden Frankreichs auf, zog aber 19jährig nach Paris, um dort sein musikalisches Glück zu suchen. Er fand es, als er in das Orchester von Laurent Cugny einsteigen durfte, der damals gelegentlich mit dem legendären Arrangeur und Komponisten Gil Evans arbeitete. In der Folgezeit wurde Belmondo häufig als Mitspieler von diversen Jazzgrößen gebucht. Anfang der 1990er Jahre tat er sich musikalisch mit seinem Saxofon spielenden Bruder Lionel zusammen. Die beiden veröffentlichten unter anderem ein Aufsehen erregendes Album mit dem amerikanischen Multi-Instrumentalisten Yusef Lateef. Als Solo-Künstler setzt der aus einer italienischen Familie stammende Stéphane Belmondo verschiedene Schwerpunkte. So gab er sich mit einer prämierten CD als großer Verehrer der Soul-Größe Stevie Wonder zu erkennen; und sein neuestes Album widmete der 48jährige einem Mentor und Freund: dem Trompeter Chet Baker.
Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können als Audio on Demand im Internet 7 Tage online abgerufen werden. Auf www.swr2.de/jazz finden Sie Musiklisten und weitere Informationen zum Programm von SWR2.



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