SWR 2 Jazzprogramm August 2010
24.07.2010 19:00 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm August 2010
Montag, 2. August, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Von der Eleganz des Swing
Erinnerungen an den Jazzgeiger Stéphane Grappelli
Von Bert Noglik
Der Weltstar der Jazzvioline begann seine Laufbahn als Pianist in kleinen Kinos und Hinter-höfen von Paris. Durch Grammophonplatten kam er mit einer Musik in Berührung, die ihn von Anfang an faszinierte: Jazz. In seinem Wunsch, ein „Art Tatum auf der Geige“ zu wer-den, also den amerikanischen Hot Jazz auf einem Instrument zu intonieren, das zu den Ikonen der europäischen Musikkultur zählt, liegt ein Schlüssel für seine Eigenständigkeit. Bereits Anfang der dreißiger Jahre traf er mit dem Gitarristen Django Reinhardt zusammen, einem Manouche, beheimatet in der Kultur des fahrenden Volkes, der französischen Sinti. Aus der gemeinsamen Begeisterung für Swing auf Saiteninstrumenten erwuchs das „Quin-tette du Hot Club de France“ – jene Gruppe mit Violine, Solo-Gitarre und drei Gitarristen, die einen ersten wesentlichen Beitrag Europas zur Weltsprache des Jazz leistete. In der Sen-dungen kommen Musiker zu Wort, die mit Grappelli gespielt haben, Jüngere, die ihm nach-streben, sowie der Maestro selbst mit Auszügen aus einem Interview, das in seinen letzten Lebensjahren entstanden ist.
Sonntag, 8. August, 19.17 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Beans & Rice
Soulige Hausmannskost u. a. mit den Saxophonisten Hank Crawford und Stanley Turrentine
Von Gerd Filtgen
Eine gute Mahlzeit hält bekanntlich Leib und Seele zusammen. Dazu muss jedoch nicht immer unbedingt die Feinschmeckerküche bemüht werden. Hausmannskost erfüllt – mitunter sogar noch besser – den gleichen Zweck. Wenn es um musikalische Spezialitäten geht, verraten Hank Crawford, Stanley Turrentine und andere ein paar Rezepte aus ihrem Soul-Jazz-Kochbuch. Es gibt nicht nur „Cornbread“ und „Red Beans & Rice“: Sogar gewöhnungs-bedürftige Gerichte wie „Chitlins Con Carne“ – sozusagen eine Fleischorgie – bekommen einen derartig mitreißenden Groove, dass sich auch passionierte Vegetarier nicht entziehen können.
Montag, 9. August, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Ein Loblied auf den Tiefenrausch
Das Basssaxophon im Jazz
Von Günther Huesmann
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Basssaxophon kaum etwas anderes als eine exotische Show-Attraktion, reif für den Zirkus und die Revue-Nummern der Vaudeville-Shows. Dann aber kam Adrian Rollini und gab dem Instrument eine Perspektive. Er spielte in den 1920er und -30er Jahren auf dem „Monstrum“ flüssige, modern anmutende Jazzlinien, die ihrer Zeit weit voraus waren. Seitdem hat das Bassaxophon in der improvisierten Musik einen festen Platz, geben immer mehr Musiker dem robusten Tieftöner ein persönliches Gesicht.
Sonntag, 15. August, Jazz nach dem Hörspiel
Zeit stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest
Montag, 16. August, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Jazz, Ambient, Dub
Ein Blick in die vielfältige Welt des Bassisten und Produzenten Bill Laswell
Von Harry Lachner
Ob Free Jazz, Rock, Disco, Funk, Ambient, Weltmusik oder Dub: kaum ein Feld, auf dem Bill Laswell nicht zu finden ist. Seine Experimentierlust, die er Ende der siebziger Jahre zunächst mit der Band „Material“ dokumentierte, ließ ihn sämtliche Gegensätze, Stilanimositäten oder Berührungsängste ignorieren. Bei ihm steht die rohe Energie von „Last Exit“ (mit Peter Brötzmann) ganz selbstverständlich neben verhallten Klangerfindungen, die er aus Songs des Reggae-Stars Bob Marley gestaltet. Sein Oeuvre ist mittlerweile unüberschaubar, er dürfte auf mehreren Hundert Produktionen präsent sein. Natürlich gerät ihm nicht jede Veröffentlichung zum Meisterwerk – aber das ist auch gar nicht seine Absicht. Oft scheint es ihm zu genügen, eine originelle Idee in die Welt zu setzen, einen Anstoß zu liefern, um sich dann sofort wieder einem andersgearteten Projekt zu widmen. Bill Laswell kultiviert eine besondere Art der „Sound-Kultur“: Rhythmus und Klang sind für ihn die beiden entscheiden-den Momente – und weniger die im Jazz gründende Improvisation. Ein Musiker jedenfalls, der aus den scheinbaren inneren Widersprüchen einer bis ins Detail segmentierten Stil-Landschaft seine Antriebskraft für neue Ansätze und Fusions-Experimente bezieht.
Sonntag, 22. August, 19.19 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Pet Songs
Allerlei Tiere inspirieren die Jazzmusiker
Von Werner Wunderlich
Ob sie nun als Schmusefreunde daheim oder bei Spaziergängen ihren Herrchen oder Frauchen allerlei Freude bereiten oder als gefiederte Wesen zu so manchen Kompositionen anregen – etliche Jazzer haben ein Herz für Tiere und lassen das in ihrem Spiel anklingen. So widmete Pianist David Benoit seiner Katze ein Stück, und Posaunist Bob Brookmeyer denkt an seine Schildkröte.
Montag, 23. August, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Doppeldoppelmoppel
Vom Reiz der Kombination gleicher Instrumente u.a. mit dem Rova Saxophone Quartet, Peter Herberts Basssextett und Lucas Nigglis Percussion Quartet
Von Nina Polaschegg
„Doppelmoppel“, das ist ein Bandname der Brüder Conrad und Johannes Bauer. Die beiden Posaunisten spielen zusammen mit zwei Gitarristen. Als Namensgeber der Sendung werden sie natürlich zu hören sein. Vor allem aber geht es um noch größere Besetzungen mit immer denselben Instrumenten: Saxophonen, Kontrabässen, Perkussionsinstrumenten. Doppel-Doppel-Moppel. Was ist der Reiz an solch scheinbar einfärbigen Kombinationen? „Ihre Vielfalt!“, mag man als simple Antwort geben – aber auch die klangfarblichen Mischungen und Abstufungen, die sich aus denselben instrumentalen Grundfarben ergeben können. Und nicht zuletzt ist es oft auch die Lust und Herausforderung, Melodie und Begleitung, Rhyth-mus und klangfarblichen Background mit denselben Instrumenten zu gestalten.
Sonntag, 29. August
Jazz nach dem Hörspiel entfällt
Montag, 30. August, 15.05 – 16.00 Uhr
Jazztime: Prayers To The East
Der Saxophonist Yusef Lateef
Von Thomas Loewner
Yusef Lateef ist ein Jazzmusiker mit vielen Facetten. Er ist nicht nur ein hervorragender Tenorsaxophonist, der dem Hard Bop eine unverwechselbare Stimme verliehen hat. Bereits während der 1950er Jahre begann er, seinen musikalischen Horizont stetig zu erweitern. Den Ausgangspunkt bildete ein Flötenstudium in Detroit. Über die Flöte fand Lateef Zugang zur Musik des Orients, die schon bald deutliche Spuren auf seinen Platten hinterließ. Wenig später kamen weitere Instrumente wie die Oboe oder das ursprünglich im arabischen Raum beheimatete Rohrblatt-Instrument Argol hinzu, die diese Tendenzen in Lateefs Musik noch weiter verstärkten. Das alles passierte noch vor 1960. Somit hat Yusef Lateef schon zu einer Zeit World-Music gespielt, als dieser Begriff offiziell noch gar nicht existierte...
Zusätzliche Jazz-Sendung in SWR2:
Samstag, 7. August, 09.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Instrumentale Jazzgeschichten (7)
Das Schlagzeug
Von Thomas Loewner
Das Schlagzeug ist der Dreh- und Angelpunkt (fast) jeder Jazzband. Diese Auffassung ist seit den Anfängen des Jazz unumstritten. Doch obwohl unter Jazzern jederzeit Einigkeit über die große Bedeutung des Drumsets herrschte, hat sich die Rolle des Schlagzeugers im Laufe der Jahre stark gewandelt. Drumsets wurden erweitert, um die Klangvielfalt zu erhö-hen, und es entwickelte sich eine Spielweise, bei der die rhythmische und melodische Ebene einer Band viel enger miteinander verknüpft sind.
Anmerkung zum Sommer-Programm
Vom 17. Juli bis zum 12. September wird es das „ARD-Radio Festival“ geben. Am späten Abend (20.05 – 24.00 Uhr) erwartet Sie dann ein gemeinsam von den Kulturwel-len der ARD gestaltetes Programm. Aus diesem Grund entfallen alle SWR2-Jazzsendungen, die üblicherweise in dieser Zeit zu hören sind. Stattdessen ist von 23.30 – 24.00 Uhr eine vom WDR organisierte tägliche Jazz-Sendung geplant, an der auch SWR-Autoren beteiligt sind.
www.swr2.de/jazz



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