SWR 2 - Jazzprogramm Dezember 2012
01.11.2012 17:26 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Dezember 2012
Sonntag, 2. Dezember, 19.37 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel) Jazz unterm Adventskranz Von Werner Wunderlich
Montag, 3. Dezember, 15.05 – 16.00 Uhr Jazztime: Avant Pop Der Trompeter Lester Bowie Von Bert Noglik
In mehrfacher Hinsicht nahm der in St. Louis aufgewachsene Lester Bowie eine Sonderstel-lung ein. Als Mitglied des „Art Ensemble of Chicago“ schlug er einen Bogen von den archaischen Überlieferungen afroamerikanischer Kultur zur Ausdruckssprache der zeitgenössi-schen Improvisationsmusik. Zugleich begriff er sich als Trompeter, der die Traditionslinie von Louis Armstrong weiterführt. Mit seiner „Brass Fantasy“ arbeitete er an abenteuerlichen Fu-sionen von Jazz und Populärmusik – getreu dem Motto, das er für eine seiner Platten als Titel wählte: „Avant Pop“.
Dienstag, 4. Dezember, 21.03 – 22.00 Uhr SWR2 Jazz Session: Robert Glasper Experiment beim Festival Elb-Jazz 2012 und Tigran Hamasyan solo in Sofia Am Mikrophon: Günther Huesmann
Welch stilistische Bandbreite der aktuelle Piano-Jazz bietet, das kann man bei dieser Jazz-Session hören: Robert Glasper, geboren in Houston, Texas, wuchs mit der afroamerikani-schen Musiktradition auf: Seine Mutter war Gospelsängerin und leitete eine eigene Blues-band, er selbst fing als Kirchen-Pianist an. Während seines Studiums festigte er das Erlernte im Zusammenspiel mit Kollegen wie Christian McBride oder Kenny Garrett. Zu Glaspers Ein-flüssen zählt aber auch Hip-Hop, den er in seinem Projekt Experiment mit Jazz fusioniert. Bei Tigran Hamasyan treffen dagegen die Musiken des Orients und Okzidents aufeinander: Der armenische Pianist erhielt eine klassische Ausbildung, hörte aber auch schon früh Rock und Jazz sowie die traditionelle Musik seiner Heimat. Schon als Jugendlicher bekam er Kontakt zur internationalen Jazz-Szene und ist seitdem viel herumgekommen in der Welt. So konnte Hamasyan Eindrücke sammeln, die alle seinen so virtuosen wie vielschichtigen Piano-Stil geprägt haben.
Donnerstag, 6. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr NOWJazz Magazin Von Julia Neupert
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Re-zensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. In der letzten Ausgabe des Jahres 2012 berichten wir unter anderem vom Jazzfest Berlin, stellen einen Film über das Schlippenbach Trio vor sowie berichten von einer Ausstellung und einem Buch mit Arbeiten des Jazzphotographen Karlheinz Fürst.
Freitag, 7. Dezember , 23.03 – 24.00 Uhr NOWJazz: Dräuende Klangwellen Das Phänomen des Doom Jazz Von Harry Lachner
Gleich zwei Alben aus dem Jahr 2007 warteten mit einem zunächst etwas irritierenden Stilbegriff auf: „Doom Jazz“ des Duos Jamie Saft und Bobby Previte; sowie „Doomjazz Future Corpses!“ vom holländischen Ensemble The Mount Fuji Doomjazz Corporation. Dabei verweist „Doom“, jene dräuende Verdammnis, zunächst auf ein Genre, das so gar nichts mit der traditionellen Vorstellung von Jazz zu tun hat: auf jene düstere Stilform im Metal-Bereich, bei der die Musik extrem verlangsamt wird. Bereits Mitte der 1990er Jahre praktizierte die Band Bohren und der Club of Gore eine Mischform aus zeitlupenhafter Bewegung, Ambient-Anklängen und jazz-orientierter Improvisation. Und ist bis heute maßstabsetzende in diesem Crossover-Bereich.
Montag, 10. Dezember, 15.05 – 16.00 Uhr Jazztime: The Art Of Entertainment Der österreichische Bassist Georg Breinschmid Von Günther Huesmann
Was bringt einen Musiker dazu, den absolut sicheren, hochdotierten Job bei den Wiener Philharmonikern hinzuschmeißen, und sich stattdessen mit seinem Kontrabass in Jazzclubs und auf kleinen bis mittleren Festivalbühnen herumzuschlagen? Antwort Georg Breinschmid: „Weil ich das musikalische Abenteuer liebe.“ Und, könnte man hinzufügen, weil der österrei-chische Bassist seine vielseitigen musikalischen Neigungen als spontaner Musiker, Komiker und unterhaltsamer Dramatiker am liebsten dort sucht, wo das pralle Leben tobt. In seinen augenzwinkernden Projekten spürt er der Welt des Wiener Liedes genauso virtuos nach wie den temperamentvollen Sounds des Balkans.
Dienstag, 11. Dezember, 21.03 – 22.00 Uhr SWR2 Jazz Session: „European Echoes“ Höhepunkte vom Festival Jazzdor Strasbourg-Berlin 2012 Am Mikrophon: Gerd Filtgen
Das halbe Dutzend ist voll: Seit 2006 ist die unter der Devise „Jazzdor Strasbourg-Berlin“ stehende Konzertreihe ein Garant für die Vitalität der improvisierten Musik. Bei manchen Begegnungen richtet sie auch den Focus auf den kreativen Austausch zwischen französischen Künstlern und ihren deutschen Kollegen. In diesem Jahr begeisterten unter anderem ein spannend verlaufendes Duo-Projekt mit dem Pianisten Bojan Z und dem Posaunisten Nils Wogram, turbulente Trips mit den Gitarristen Marc Ducret und Hasse Poulsen und die aktionsreichen Diskurse des Baritonsaxophonisten François Corneloup.
Donnerstag, 13. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr NOWJazz: „Enfant terrible“ der sowjetischen Jazzszene Erinnerungen an den Avantgarde-Musiker Sergey Kuryochin Von Bert Noglik
Er zählte zu den Kultfiguren des sowjetischen Underground: der 1954 in Murmansk geborene Sergey Kuryochin, der in Leningrad Musik studierte, dort vom Konservatorium flog und fortan das Establishment und selbst die vergleichsweise tolerante Jazzszene mit ungewöhnlichen Klängen und Präsentationsformen zu schockieren wusste. Kuryochins Band „Pop Mechanics“, die in den 1980er Jahren zu den exotischsten Erscheinungen des Kulturlebens in der UdSSR zählte und auch zu Gastspielen in den Westen reiste, arbeitete mit Mitteln der Collage und des Happenings. Sergey Kuryochins Schaffen verlor mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion an oppositioneller Wirkung. Er starb 1996 an einer Herzkrankheit.
Freitag, 14. Dezember 23.30 – 24.00 Uhr NOWJazz Update Von Harry Lachner
Das NOWJazz Update ist zumindest einmal im Monat zumeist halbstündig auf der nächtlichen Freitagsschiene platziert und dient der Präsentation neuester Tendenzen der improvisierten Musik. Es erlaubt den Moderatoren, besonders wichtige Neuerscheinungen eingehender vorzustellen, als dies im NOWJazz Magazin möglich ist. Was gespielt wird, entscheiden die SWR2-Jazzautoren erst kurz vor dem Sendetermin.
Montag, 17. Dezember, 15.05 – 16.00 Uhr Jazztime: Vitaminspritzen Obst und Gemüse im Jazz Von Thomas Loewner
Sex, Drugs und Alkohol haben ausgedient im Jazz. Während viele alte Helden von Charlie Parker bis Miles Davis noch das Rauscherlebnis suchten, um neue kreative Energien zu schöpfen, lebt die Mehrheit der heutigen Jazzmusiker deutlich gesundheitsbewusster – das zeigt schon ein Blick hinter die Konzertbühnen: Fruchtsäfte, Wasser und gesunde Biokost dominieren die Cateringbuffets und Raucher sind klar in der Minderheit. Musikalisch gesehen haben Obst und Gemüse aber schon immer die Fantasie von Jazzmusikern angeregt: ob nun Fats Waller mit „All the meat and no potatoes“ ein Statement für die deftigen Gaumen-freuden abgab, Herbie Hancock mit seinen Hits „Watermelon Man“ und „Cantaloup Island“ der Melone gleich zweimal zu ungeahnter Popularität verhalf oder Gitarrist Ferenc Snétberger und der Trompeter Markus Stockhausen den süßen Verlockungen von Erdbeer-marmelade ein musikalisches Denkmal setzten – diese und viele andere Beispiele zeigen, dass auch im Jazz nichts geht ohne eine gelegentliche Vitaminspritze.
Dienstag, 18. Dezember, 21.03 – 22.00 Uhr SWR2 Jazz Session: Ambient Jazz Das Portico Quartet beim Festival Enjoy Jazz 2012 in Heidelberg Am Mikrophon: Günther Huesmann
Jungen britischen Jazz – quicklebendig oszillierend zwischen Minimal, Ambient, Pop und Dub – macht das aus London stammende Portico Quartet. Bisher war Nick Mulvey mit seinem Hang (einem melodischen Perkussionsinstrument) prägend für den bisher heiteren Portico-Sound gewesen. Nun hat Keir Vine den Hang-Part übernommen, und auch stilistisch hat sich die Band, die im Oktober 2012 zum zweiten Mal im Rahmen des Festivals Enjoy Jazz auftrat, verändert: Sie spielt dunkler, spaciger, mehr an den Idealen von Electronica, Ambient und Dub orientiert.
Donnerstag, 20. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr NOWJazz: Have A Good Travel John In The Spirit In Memoriam John Tchicai Von Nina Polaschegg
Albert Aylers „New York Eye and Ear Control“, John Coltranes „Ascension“, Bill Dixons „Jazz Composers Guild“: Der dänisch-kongolesische Saxophonist John Tchicai war der einzige Europäer, der Anfang der 1960er Jahre auf Einladung von Archie Shepps und Bill Dixons in die USA ging – und dort aktiv die Blütezeit des Free Jazz mitgestaltete. Am 8.Oktober starb er an den Folgen eines Schlaganfalls. Eine NOWJazz Sendung in Memoriam an diesen gro-ßen Musiker. Einen Saxophonisten und Bassklarinettisten, dessen Musik über die Jahre weit verzweigte stilistische Wandlungen durchlaufen hat und dennoch stets die Seine geblieben ist. Über einen Saxophonisten, der mit neugierigen Ohren bis zuletzt immer noch offen war für neue Begegnungen. Ein Memoriam auch an den wunderbaren Menschen John Tchicai.
Freitag, 21. Dezember, 23.30 – 24.00 Uhr NOWJazz Update Von Julia Neupert
Das NOWJazz Update ist zumindest einmal im Monat zumeist halbstündig auf der nächtlichen Freitagsschiene platziert und dient der Präsentation neuester Tendenzen der improvisierten Musik. Es erlaubt den Moderatoren, besonders wichtige Neuerscheinungen einge-hender vorzustellen, als dies im NOWJazz Magazin möglich ist. Was gespielt wird, entschei-den die SWR2-Jazzautoren erst kurz vor dem Sendetermin.
Montag, 24. Dezember, 12.30 – 12.59 Uhr SWR2 Xmas Jazz Come Home For Christmas – Jazzige Weihnachts-Songs Von Gerd Filtgen
Alle Jahre wieder stapeln sich zur Weihnachtszeit Massen von CDs mit dem entsprechenden Liedgut in den Läden. Mit aufgefrischten Schmalzversionen beliebter Weihnachts-Songs hat „Come Home For Christmas“ so wenig gemeinsam wie eine rührselige Feier unter mit Lametta überladenen Plastik-Tannen an tropischen Gestaden. Als swingende Alternative dazu: Louis Armstrongs „Christmas In New Orleans“ und das Modern Jazz Quartet mit „England’s Carol“. Und natürlich noch festliche Interpretationen anderer Künstler, die abgesehen von der Weihnachtszeit auch den richtigen Schwung für das ganze Jahr geben.
Mittwoch, 26. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr NOWJazz: Diesseits und jenseits von Eden Jazzvariationen über Songs von Bob Dylan Von Harry Lachner
Es ist nicht ungewöhnlich, ja, eigentlich schon wieder todlangweilig, dass viele junge Jazzmusiker sich immer noch das hinlänglich bekannte Repertoire der „Standards“ zum Ausgangspunkt ihrer Improvisationen erwählen. Schlager, eben. Alte Schlager. Populärstes Material aus der Zeit ihrer Großeltern, das nur mehr einen antiquarischen, nostalgischen Zeichen- und Kulturwert besitzt. Deshalb sollte nicht verwundern, wenn zuletzt vermehrt aktuelle Popmusik zur Vorlage im Jazz wurde, um daraus Eigenes zu gestalten. Gerade – oder ausgerechnet! – die Songs von Bob Dylan scheinen eine besondere Faszination auszuüben; was zweifellos auch mit dessen Stellenwert als Ikone der populären US-Kultur der letzten Jahrzehnte zu tun hat. Musiker wie Bill Frisell, das Trio Medeski, Martin & Wood, Jamie Saft oder Michael Moore erweitern mit Dylans Musik die Idee der „Standards“ um einen wesentli-chen, zeitgemäßen Aspekt.
Freitag, 28. Dezember, 22.03 – 23.00 Uhr SWR2 Musik nach Joyce:
Der innere Monolog Parallelen zu James Joyces assoziativer Erzählkunst in der improvisierten Musik Von Gerd Filtgen
In der thematischen Verschachtelung von Kompositionen des Bassisten Charles Mingus „Self-Portrait In Three Colours“, dem liedhaften Improvisationsfluss von Ornette Colemans „European Echoes“, wie auch den Reflexionen des Klarinettisten Louis Sclavis, der sich auf „Lost On The Way“ musikalisch mit einem Werk aus der griechischen Mythologie der Odyssee – Homers Werk „Ilias“ – auseinandersetzt, steckt eine ähnliche Dramaturgie wie in James Joyce epochalem Roman „Ulysses“.
Montag, 31. Dezember, 12.30 – 12.59 Uhr SWR2 Jazz: A Jazzy Buffet Kulinarisches zum Jahreswechsel Von Thomas Loewner
Es wird wieder ein langer Abend werden, bevor wir um Mitternacht die Sektkorken knallen lassen und das neue Jahr begrüßen können. Mit einem ausgiebigen Buffet lassen sich die Stunden jedoch auf angenehme Weise überbrücken: kalte und warme Speisen, von deftig bis süß, ein paar Knabbereien zum Schluss und das Ganze abgerundet durch die passende Auswahl an Getränken. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Damit am Ende auch alles passt und die Gäste zufrieden nach Hause gehen, gibt’s in SWR2 Musik ein paar jazzmusikalische Anregungen für die Zusammenstellung ihres Silvester-Buffets.
Montag, 31. Dezember, 15.05 – 16.00 Uhr Jazztime: „Moody’s Mood For Love“ Der Saxophonist und Flötist James Moody Von Gerd Filtgen
Die Überraschung konnte kaum größer sein: Als James Moody Anfang der 1950er Jahre nach einem mehrjährigen Europaaufenthalt in die USA zurückkehrte, konnte er üppige Tan-tiemen einstreichen. Dafür hatte „Moody’s Mood For Love“ gesorgt. Der Song basierte auf Moodys Komposition „I’m In The Mood For Love“, wobei das Thema und die Improvisation des Saxophonisten mit Lyrics versehen wurden. Der Sänger King Pleasure kreierte damit einen Hit. In James Moodys bewegter Biographie war das bei weitem nicht der einzige Höhepunkt: Seine Flöten- und Saxophon-Chorusse bereicherten Bebop, Rhythm ’n’ Blues, Latin Jazz und Fusion. Außerdem war er lange Zeit der ideale Sideman in den Bands von Dizzy Gillespie.
Zusätzliche Jazz-Sendung in SWR2:
Samstag, 1. Dezember, 9.05 – 10.00 Uhr Urbane Jazzgeschichten (12) Far East Capital – Tokyo Von Julia Neupert
"Live in Tokyo": Diesen Untertitel tragen seit Jahrzehnten viele wichtige Jazzveröffentlichungen. Und das ist natürlich kein Zufall – die improvisierte Musik hat in dieser Stadt so viele Podien wie kaum anderswo auf der Welt: Allein über 80 Jazzclubs zählt Tokyo. Das Publikum hier, so schwärmen viele Musiker, sei sowieso internationale Spitze. Jazz, diese uramerikanische Kunstform hat sich aber nicht nur als solche in der asiatischen Kultur etabliert, sondern dort gleichermaßen Nährboden für eigenständige Entwicklungen gefunden. "Live in Tokyo" verspricht jedenfalls oft auch besonders aufregende und experimentierfreudige Klänge.
Weitere Informationen finden Sie im Internet:
www.swr2.de/jazz



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