SWR2 - Jazzprogramm September 2015
18.08.2015 13:21 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
September 2015
Dienstag, 1. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Meterweise ver-rückte Metren
Der Trompeter Don Ellis
Von Henry Altmann
Es gab und gibt viele große Bigband-Leader im Jazz. Einer der originellsten, besten und vielleicht der verrückteste von allen war der Trompeter Don Ellis. Vom Free Jazz abgesehen, hat sich der Jazz bis 1970 ja nur selten vom tradierten Drei- und Vierviertelrhythmus gelöst. Wo andere aufhörten, da begann Ellis erst sein Spiel mit der getakteten Zeit. Er beschäftigte sich mit Neuer Musik im Kontext des Jazz, integrierte osteuropäische, arabische und indische Elemente. Fünfer und Siebener, 15/8 und 27/4-Takte, sogar Telefonnummern dienten als metrische Grundlage eines dennoch stets zwingend swingenden Stils. Die Ellis-Bands spielten stets unter Volldampf, unbarmherzig nach vorn getrieben von einer großen Rhythm Section von bis zu drei Bassisten, vier Perkussionisten und den exzellenten Soli ihres Leaders. Dazu schrieb Ellis erfolgreiche Filmmusiken, viele Artikel und mehrere Bücher. 1978 starb der Musiker im Alter von nur 44 Jahren. Das ARD Radiofestival stellt einen ebenso ungewöhnlichen wie charismatischen Musiker vor, der immer auf der Überholspur zu leben schien.
Mittwoch, 2. September, 23.30 – 24.00 Uhr
New On Board
Aktuelle Jazz-Alben
Von Harald Mönkedieck
"File Under Jazz" - mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den Verkaufs-Regalen der CD-Geschäfte und in den Sparten der Download-Portale. Was dann dort tatsächlich alles unter "Jazz" einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentierten deshalb die Autorinnen und Autoren des ARD Radiofestivals in "New On Board" die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 3. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Living (the) History
Der Saxofonist Jimmy Heath
Von Jörg Heyd
"I walked with giants" hat Jimmy Heath seine vor wenigen Jahren erschienene Autobiografie genannt. Was er damit meint, wird schnell deutlich, wenn man einen Blick auf die vielen musikalischen Stationen des Musikers aus Philadelphia wirft.
Seinen langen Weg als Saxofonist und Komponist säumten viele Jazzgrößen, unter ihnen John Coltrane, Miles Davis und Dizzy Gillespie. Unvergessen ist auch seine "Familienband": Zusammen mit seinen Brüdern Percy (Bass) und Albert (Schlagzeug) gründete er 1975 die "Heath Brothers". Die Gruppe setzte bis zu Percys Tod im Jahr 2005 Maßstäbe und war ein wichtiger Anlaufpunkt für viele Jazzmusiker. Jimmy Heath ist auf über 125 Plattenaufnahmen als Musiker zu hören und auch als Komponist ist er sehr aktiv. Bis heute hat er über 100 Kompositionen geschrieben. Heath, der im vergangen Oktober seinen 88. Geburtstag feierte, ist ein Stück lebendige Jazzgeschichte und auch im hohen Alter als Musiker, Komponist, Bandleader und Pädagoge noch weltweit unterwegs.
Freitag, 4. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Sounds aus dem Kaukasus
Der georgische Keyboarder und Bandleader David Malazonia
Von Nina Polaschegg
In seiner neuen Band Iriao vereint der Keyboarder und Komponist David Malazonia drei Jazzmusiker, drei georgische Volkssänger und einen Volksmusik-Instrumentalisten, allesamt fantastische Musiker. Die georgische Volksmusik ist hier weder Deko noch Ethno-Zutat, die Jazzband umgekehrt genauso wenig Begleitung zu traditioneller Musik. Was David Malazonia und seine Mitmusiker suchen, ist eine Begegnung, eine Verschmelzung der beiden Musiktraditionen, ohne dass sich beide darin vollständig auflösen. Es wird improvisiert, die Kommunikationen sind lebendig und streifen verschiedenste Stilistiken. Iriao gelingt es im intermusikalischen Dialog den Jazz ebenso fruchtbar neu zu denken wie die in Georgien immer noch äußerst lebendige Volksmusik im Kontext des 21. Jahrhunderts wirkungsvoll zu integrieren.
Samstag, 5. September, 9.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer "global language" geworden. "Jazz across the border" hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik, in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Montag, 7. September, 23.30 – 24.00 Uhr
„Hommage“
Pat Metheny und die SWR Big Band beim Eberhard-Weber-Jubilee Concert im Stuttgarter Theaterhaus 2015
Am Mikrofon: Günther Huesmann
"He' s the greatest", Pat Metheny kommt aus dem Schwärmen nicht heraus, wenn er von dem Bassisten Eberhard Weber spricht. Beide hatten sich Anfang der 1970er-Jahre kennengelernt, als sie gemeinsam in der Band des Vibrafonisten Gary Burton tourten; zwei Seelenverwandte in Sachen elegischer, großer Melodiebögen und zupackender Rhythmen.
Beim Jubilee-Konzert zu Ehren Eberhard Webers präsentierte sich der amerikanische Gitarren-Star Pat Metheny nicht nur als Solist, sondern auch in der für ihn ganz untypischen Rolle als Arrangeur und Komponist für eine Big-Band.
In der Suite "Hommage" greift er Melodien und Rhythmen aus Webers Solokonzerten auf und führt diese extrem fantasievoll weiter. Klangliche Tiefe, pralle, satte Linien, energetische Rhythmen, rundes Melos - Methenys Werk "Hommage" berührt. Sein Auftritt mit der SWR Big Band war der umjubelte Höhepunkt des Eberhard-Weber-Jubilee Konzerts. Das ARD Radiofestival strahlt die Uraufführung von Methenys Komposition erstmals im Rundfunk aus.
Dienstag, 8. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Die leisen Wilden
Das Duo Andreas Willers/Urs Leimgruber in der Künstlerwerkstatt Pfaffenhofen an der Ilm
Am Mikrofon: Roland Spiegel
Die radikalsten Köpfe sind manchmal ganz leise. Hier ist der musikalische Beleg aus der Welt des ganz freien Jazz: Der Schweizer Saxofonist Urs Leimgruber und der deutsche Gitarrist Andreas Willers trafen an einem sonnigen Juni-Tag zum ersten Mal als musikalische Partner aufeinander. Sie spielten in einem gelben alten Haus auf einer Wiese gegenüber einem Kleinstadtbahnhof in Bayern: in der Künstlerwerkstatt in Pfaffenhofen an der Ilm, einem Jazz-Ort, der eigentlich eine Schreinerei ist. Zwischen Sägen und Schleifmaschinen und in Anwesenheit eines Publikums, das sich auf alten Stühlen und abgewetzten Sofas dem Hör-Abenteuer hingab, improvisierten sie ohne jede Vorgabe - und ließen knisternde Elektronik-Geräusche und gurgelnde Saxofon-Sounds zu Tableaus der tönenden Freiheit werden. Diese Freiheit tönte so leise, wie es Musik nur ganz selten tut. Zwei, die sich nichts vorschreiben lassen, mit Musik ohne Vor-Schriften. Ergebnis: eine kompromisslose Aufforderung zum Lauschen - die einen ganz eigenen Zauber hat.
Mittwoch, 9. September, 23.30 – 24.00 Uhr
New On Board
Aktuelle Jazzalben
Von Karl Lippegaus
"File Under Jazz" - mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den Verkaufs-Regalen der CD-Geschäfte und in den Sparten der Download-Portale. Was dann dort tatsächlich alles unter "Jazz" einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentierten deshalb die Autorinnen und Autoren des ARD Radiofestivals in "New On Board" die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 10. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Still Out To Lunch!
Der Trompeter Russ Johnson erfindet Eric Dolphys epochale Platte „Out To Lunch“ neu
Von Ssirus W. Pakzad
Er sei eigentlich ein strikter Gegner von Tribut-Projekten, sagt Russ Johnson. Als er dann allerdings vom Kurator einer New Yorker Konzertserie die Offerte erhielt, Eric Dolphys bahnbrechendes Werk "Out To Lunch" aufzuführen und neu zu interpretieren, konnte der heute 50-jährige Trompeter nicht widerstehen. Der Musiker, der lange der New Yorker Jazz-Szene angehörte und seit 2013 als Professor an einer Universität in Milwaukee lehrt, brachte das Kunststück fertig, auf seinem Werk "Still Out To Lunch" den Geist der Original-Aufnahme zu bewahren und doch viel Eigenständigkeit einzubringen. Der Saxofonist Roy Nathanson, die Pianistin Myra Melford, der Bassist Brad Jones und der Schlagzeuger George Schuller trugen zum Gelingen des Albums bei. Russ Johnson: "Wir versuchten uns vorzustellen, wie die Musik klingen würde, wäre sie erst in der heutigen Zeit entstanden."
Freitag, 11. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Souvenance
Anouar Brahems Reflexionen des arabischen Frühlings
Von Bert Noglik
Anouar Brahem, einer der großen Meister auf der Oud, der arabischen Laute, hat die traditionelle arabische Musik assimiliert, sich aber zugleich für Einflüsse aus neuer Kammermusik und Jazz geöffnet. In diesem Prozess gelang es ihm, im Schnittbereich von Komposition und Improvisation zu einem eigenen Stil zu finden. Mit dem Album "Souvenace" blickt Anoaur Brahem auf die zum Teil dramatischen Geschehnisse in seiner Heimat Tunesien während der letzen Jahre zurück. Wie ein Seismograf reflektierte er Hoffnungen, Ängste, Enttäuschungen und Visionen des arabischen Frühlings. Doch er brauchte Zeit und Abstand, all das künstlerisch zum Ausdruck zu bringen. Mit "Souvenance", aufgenommen im Quartett mit dem Pianisten François Couturier, dem Bassklarinettisten Klaus Gesing und dem Kontrabassisten Björn Meyer, sowie Streichern des Orchestra Della Svizzera Italiana, ist Anouar Brahem ein emotional erfülltes Werk voller Lyrik und Dynamik gelungen.
Dienstag, 15. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Big Is Beautiful
Das Lucerne Jazz Orchestra & Hayden Chisholm
Zu Gast beim Jazzclub Karlsruhe
Am Mikrofon: Julia Neupert
2013 hat er den SWRJazzpreis gewonnen, für den Musikfilm „Sound of Heimat“ gab es 2014 den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik, und Anfang 2015 war der Saxofonist Hayden Chisholm zum „Improviser in Residence“ der Stadt Moers ernannt worden. Kurz bevor er zusammen mit dem Lucerne Jazz Orchestra die Ehre hatte, das diesjährige moers festival zu eröffnen, machte der gebürtige Neuseeländer Station in Karlsruhe. Maximal Mikrotonales wurde da in “Mute Density“ genauso präsentiert wie Chisholms neueste Big-Band-Arbeit: In „Rhythm Got Me“ setzt er sich mit der Tradition der großen Swing-Orchester auseinander.
Donnerstag, 17. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz : Wert des Unbekannten
Der amerikanische Tenorsaxofonist Mark Turner
Von Günther Huesmann
Seine eleganten musikalischen Achterbahn-Fahrten durch alle Lagen des Tenorsaxofons sind legendär. Dabei hat es Mark Turner geschafft, den Tonraum seines Instruments um ein erhebliches Maß zu erweitern – mit kühnen, motivisch brillanten Ausflügen ins Altissimo-Register. Aber es sind weniger die technischen Aspekte seines Spiels, die ihn zu einen der meistgefragten Spieler der New Yorker Szene machen, sondern seine Fähigkeit Mitmusiker und Zuhörer mit stets frischen neuen Ideen zu überraschen. Im Laufe seiner Karriere – unter anderem im Spiel mit dem Gitarristen Kurt Rosenwinkel, dem Trio Fly und seinem eigenem Quartett – ist dem heute 49jährigen etwas gelungen, was man nur von ganz wenigen Instrumentalkollegen sagen kann - er ist stilpräggend geworden für eine ganze Generation jüngerer Saxofonisten.
Freitag, 18. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: "slišati!"
Die vielen Facetten der slowenischen Musikerin Maja Osojnik
Von Nina Polaschegg
Hör zu! Doch wo anfangen? Die aus Slowenien stammende und in Wien lebende Musikerin Maja Osojnik ist ein hellwacher Wirbelwind voller Energie. Ein Projekt reiht sich an das nächste, stilistisch breit gefächert. „Broken. Heart. Collector“, „Rdeča Raketa“, „Traversing the Balkans“ oder „Low Frequency Orchestra“, so lauten einige ihrer Bandnamen. Ihr Interessensgebiet reicht von der Neuinterpretation und dem Neudenken slowenischer Volkslieder über freie Improvisation, experimentelle Soundarbeit, kompositorische Konzepte bis hin zu experimentellem Rock. Sie singt, und sie ist Blockflötistin. Live-Elektronik ist dabei stets ein wichtiger Part in ihrem musikalischen Schaffen.
Samstag, 19. September, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Saxophone Colossus
Der Tenorsaxofonist Sonny Rollins
Von Bert Noglik
Er ist ein Jazzmusiker der Superlative und einer der letzten lebenden Großen aus der Ära des klassisch-modernen Jazz. Sonny Rollins, geboren am 7. September 1930 in New York, hat den Kurs des Jazz entscheidend mitbestimmt, ist noch immer aktiv und schon zu Lebzeiten ein Klassiker. Bereits im Alter von Mitte zwanzig galt er, nicht nur wegen seiner enormen Körpergröße, sondern vor allem wegen seines eigenständigen Tons auf dem Tenorsaxophon, als ein Koloss, als ein musikalischer Riese, was Gestaltungskraft und Einfallsreichtum anbelangt. Im Trioformat mit Kontrabass und Schlagzeug gelang es ihm, dem Jazz neue Freiheiten zu erschließen. Mit der „Freedom Suite“ thematisierte er bereits früh den Kampf der Afroamerikaner für gesellschaftliche Gleichberechtigung. Sonny Rollins zog sich mehrfach von der Jazzszene zurück, um mit neuer Energie zurückzukehren. Zu seiner fortwährenden Motivation zählt die positive, verändernde Kraft der Musik.
Sonntag, 20. September,19.40 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Zwischen Jazz und Indie-Rock
Der Gitarrist Matthew Stevens
Von Ssirus W. Pakzad
Der aus Toronto stammende Gitarrist Matthew Stevens ist im Umfeld des Trompeters Christian Scott bekannt geworden. In den letzten zehn Jahren fiel er mit seinem markanten Spiel zudem an der Seite von Musikern wie Walter Smith III, Harvey Mason, Ben Williams oder Jacky Terrasson und als Mitglied des Allstar Ensembles The Next Collective auf. Heute verkörpert er ein Drittel des neuen rockig-funkigen Esperanza Spalding Trios, das den Namen Emily D. & The Evolution trägt und mit dem ihm der endgültige Durchbruch gelingen könnte. Außerdem veröffentlicht Matthew Stevens jetzt mit „Woodwork“ ein Solo-Album, auf dem seine Indierock-Wurzeln ebenso durchscheinen wie seine diversen Jazzeinflüsse.
Dienstag, 22. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: London Calling
Das Kris Davis Trio und das Stephan Crump Rosetta Trio im Vortex
Am Mikrofon: Gerd Filtgen
Für die Teilnahme an musikalischen Abenteuern ist die Wahl des Veranstaltungsorts eine der besten Voraussetzungen. Das Vortex zeichnet sich durch die Präsentation eines breiten Spektrums improvisierter Musik aus. Durch die stilistische Offenheit der Programmgestalter wurde der Londoner Club zu einer der europäischen Top-Adressen für innovative Klänge. Das demonstrierte einmal mehr der Auftritt der kanadischen Pianistin Kris Davis. Ihr Spiel, das souverän zwischen filigranen Einzeltönen und abstrakten Motivketten pendelt, wird von den melodischen und rhythmischen Aktionen des Bassisten John Hebert und des Drummers Tom Rainey bereichtert. Schon seit mehr als zehn Jahren gibt es das Rosetta Trio des Kontrabassisten Stephan Crump. Es ist eine ungewöhnliche, nur aus Saiteninstrumenten bestehende Besetzung, mit welcher der Bassist und seine beiden Gitarristen, Liberty Ellman und Jamie Fox, durch fantasievoll miteinander verbundene Folk-, Jazz- und Avantgarde-Regionen schweifen.
Donnerstag, 24. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: The Art Of Entertainment
Der Bassist Georg Breinschmid
Von Thomas Loewner
Georg Breinschmid kann man als Prototypen des universalen Bassisten bezeichnen. Nach einer klassischen Ausbildung an der Universität für Musik in Wien arbeitete er zunächst einige Jahre als Mitglied namhafter Orchester und Kammerensembles, darunter feste Engagements bei der Wiener Staatsoper und den Wiener Philharmonikern. 1998 wechselte er dann das Lager und begann eine nicht minder erfolgreiche Karriere als Jazzbassist. Internationale Bekanntheit brachte ihm seine Mitgliedschaft im Vienna Art Orchestra, dem er bis 2006 angehörte. Doch es sind vor allem seine zahlreichen Tätigkeiten in kleineren Ensembles und mit eigenen Bands, mit denen Breinschmid immer wieder seine Vielseitigkeit unter Beweis stellt. In unterschiedlicher Gewichtung verbindet er darin Einflüsse des Jazz, klassischer Musik, aber auch der Wiener Musik. Ganz gleich ob im Duo mit dem Trompeter Thomas Gansch, mit seinem Trio Brein’s Café oder in großorchestralen Besetzungen: Breinschmids Musik meistert den Spagat zwischen hohem technischen Anspruch und intelligenter Unterhaltung mit bisweilen dadaistischen Zügen.
Freitag, 25. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Trauma Vietnam
Der Geiger Billy Bang im Portrait
Von Harry Lachner
Billy Bang selbst sprach von Dämonen, die ihn heimsuchten - jenen Erinnerungen an seine Zeit im Vietnam-Krieg. Mit der Musik versuchte er sie zu bannen, über das nach seiner Rückkehr neu erwachte Interesse am Jazz. Der Violinist hatte mit einer Vielzahl von Improvisationsmusikern gearbeitet: mit Don Cherry, Marilyn Crispell, Bill Laswell oder James Blood Ulmer; mehrere Jahre lang wirkte er in verschiedene Ensembles von Sun Ra. Doch es war schließlich sein Album "Vietnam: the Aftermath" aus dem Jahr 2001, mit dem er sich von dem Trauma lösen konnte: die Einbindung asiatischer Elemente in die Improvisation. Drei Jahre später schuf er mit "Vietnam: Reflections" eine weitere Verbindung von vietnamesischer Musik und Jazz - unter Mitarbeit einiger vietnamesischer Musiker. Bang, der 2011 im Alter von 63 Jahren starb, hatte auf der Geige eine völlig eigene Sprache entwickelt, die sein Spiel in jedem Moment erkennbar machte, und die ihre Ursprünge im Blues nicht verleugnen wollte.
Samstag, 26. September, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: „Liston Up!“
Die amerikanische Posaunistin und Arrangeurin Melba Liston
Von Odilo Clausnitzer
Sie sei eine Frau gewesen, die einfach alles konnte und dabei die männliche Konkurrenz weit hinter sich gelassen habe ‑ dieses Kompliment machte Quincy Jones einmal der Posaunistin und Komponistin Melba Liston. Big Band-Leiter wie Count Basie, Gerald Wilson und Dizzy Gillespie verließen sich auf ihr Talent als Satzbläserin. Auch improvisatorisch gehörte Liston zur führenden Riege der bebop-geprägten Posaunisten. Dabei hat sie nur eine einzige Platte unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht. Von Anfang an arrangierte sie auch für die Bands, in denen sie spielte. In dieser Eigenschaft wurde sie bald viel beschäftigt. Sie schrieb u.a. für Randy Weston, Johnny Griffin, Charles Mingus und sogar Duke Ellington. Sie leitete die Begleitband der Sängerin Billie Holiday und zusammen mit Trompeter Clark Terry dessen Big Band. Mitte der 1970er Jahre übersiedelte sie nach Jamaica, um dort eine Jazzabteilung am klassischen Konservatorium aufzubauen. Ein Schlaganfall beendete 1985 ihre Instrumentalkarriere. Als Komponistin aber blieb sie bis zu ihrem Tod 1999 aktiv. SWR2 Jazztime stellt eine bedeutende Musikerin der Jazzgeschichte vor.
Dienstag, 29. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Slawisches Melos
Das Marcin Wasilewski Trio feat. Joakim Milder in Aufnahmen aus dem Tollhaus, Karlsruhe 2015
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Als Schuljunge hatte er im damals noch sozialistischen Polen eine Videokassette entdeckt, die er sich täglich anhörte: Aufnahmen vom Standards-Trio des Pianisten Keith Jarrett. Heute zählt Marcin Wasilewski zu den führenden europäischen Jazzpianisten. International bekannt wurde er im Quartett des polnischen Trompeters Tomasz Stanko.
Seit 20 Jahren spielt Wasilewski nun schon mit dem Bassisten Sławomir Kurkiewicz und dem Schlagzeuger Michał Miśkiewicz zusammen. kreativ mischen sie in der ersten Liga der Piano-Trios mit. Als zusätzliche Stimme kam kürzlich noch der schwedische Saxofonist Joakim Milder zur Band.
Kennzeichnend für das Spiel von Marcin Wasilewski ist ein gesteigerter Sinn fürs Melodische und Harmonische, mit dem er immer wieder die federnden, energischen Grooves seines Trios ausbalanciert. Wobei es ihm weder um schwülstiges Pathos noch um trunkene Melodienseligkeit geht, sondern um das, was der gefeierte polnische Pianist „the deepness of music“ nennt.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



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