SWR2 - Jazzprogramm September 2016
10.08.2016 23:18 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
September 2016
Donnerstag, 1. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Nels Cline & Julian Lage
(Aufnahme vom 23. Februar 2016 aus dem Moments, Bremen)
Am Mikrofon: Arne Schumacher
Die Verbindung der beiden Gitarristen Nels Cline und Julian Lage ist nicht nur für Anhänger brillanter Saitenkunst ein Fest. Ihr besonderer Reiz liegt in der Verschiedenheit der Akteure. Nels Cline galt jahrelang als experimentierfreudiger Jazz-Individualist. Zugleich genießt er einen exzellenten Ruf in der internationalen Rockwelt: Seit 2004 ist er Mitglied von „Wilco“, der Avant-Rock/Songwriter-Band von Jeff Tweedy. Julian Lage gilt als virtuoser Jazzgitarrist der gemäßigteren Schule. Er ist unter anderem mit der sogenannten Acoustic Music-Szene verbunden, die aus Roots-Stilen wie Folk, Bluegrass und Country schöpft. Cline und Lage sind beide Kalifornier, allerdings ganz unterschiedlicher Generationen: Ersterer feierte Anfang Januar seinen 60. Geburtstag, sein Kollege ist gerade mal 28. Beide leben in New York City, wo ein gemeinsamer Held, der Altmeister Jim Hall, zum Katalysator für das Duo wurde. Ihr improvisationsfreudiges Zusammenspiel ist eine pure Angelegenheit: zwei Gitarren ohne jede Effekt-Zutaten im intensiven Austausch.
Freitag, 2. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Preview: Neue Jazz-Produktionen
Von Johannes Kloth
Ohne Tonträger ist die sprunghafte Entwicklung des Jazz kaum vorstellbar: Längst sind Schallplatte, CD oder Soundfile der Weg, auf dem Neuigkeiten aus dem Jazz vom Musiker zum Hörer finden. Tief in seinem Wurzelwerk ist der Jazz eine Musik des unmittelbaren Erlebens, seine stärksten Momente hat er im Konzert, wenn sich zwischen Musiker und Publikum eine Rückkopplungsschleife aufbaut, die alle Beteiligten über sich hinauswachsen lässt. Doch ohne die Möglichkeit der Tonaufzeichnung hätte der Jazz nicht seine weltweite Anziehungskraft entwickeln können. Auch 100 Jahre nach den ersten Jazz-Schallplattenaufnahmen sind noch immer Tonträger der Weg, auf dem die Wandlungen des Jazz den Weg zu seinem Publikum finden. In Preview im ARD Radiofestival 2016. Jazz stellen wir aktuelle Neu-und Wiederveröffentlichungen auf Schallplatte, CD, Soundfile vor: glanzvolle Konzertmitschnitte und aufwändige Studioproduktionen von Major- und Independentlabels, Groß- und Klein-, Eigen- und Do-It-Yourself-Produktionen. All das also, was die lebendige Gegenwart des Jazz kennzeichnet.
Samstag, 3. September, 9.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz across the border“ hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik, in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Montag, 5. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Keyboard-Wizard unplugged
Lyle Mays Quartet
(Aufnahme von 1993 aus Ludwigsburg)
Am Mikrofon: Thomas Loewner
Weltweite Bekanntheit erreichte Lyle Mays als Mitglied der Pat Metheny Group. Der Pianist und Keyboarder war seit den Anfängen im Jahr 1978 eine der zentralen Figuren in der Band des Gitarristen. Dabei drückte er dem Gruppensound nicht nur mit seinem melodischen und harmonisch vielschichtigen Spiel seinen Stempel auf, sondern komponierte auch viele Stücke. Trotz der Erfolgswelle, auf der die Pat Metheny Group in den 1990er Jahren schwamm, entschied sich Mays, eine eigene Band zu gründen. Gemeinsam mit dem Saxofonisten Bob Sheppard, Marc Johnson am Kontrabass und Schlagzeuger Mark Walker ging Mays 1993 auf Tournee. Aus Kostengründen verzichtete er dabei auf sämtliche Keyboards und Synthesizer und spielte komplett „unplugged“. Seiner Musik hat das alles andere als geschadet: Das zeigt diese SWR-Aufnahme von den Ludwigsburger Jazztagen 1993.
Dienstag, 6. September, 23.30 – 24.00 Uhr
jazzahead! 2016
Das Messe-Ereignis feiert den Jazz
Von Arne Schumacher
Die jazzahead! hat sich zu einem Fixpunkt des internationalen Jazzgeschehens entwickelt. Seit Jahren ist die Bremer Messe Anlaufpunkt für Künstler, Agenturen, Labels, Verlage und verschiedenste Institutionen aus fast allen Ecken Europas. Inzwischen reisen auch Akteure und Aktivisten aus Nord- und Südamerika, aus Australien und Südostasien regelmäßig an. Auf der jazzahead! werden Kontakte geknüpft, werden Verhandlungen geführt, Pläne geschmiedet und Projekte geboren. Darüber hinaus dient das Musik-Event als Börse für Entdeckungen. Dafür gibt es unter anderem ein Konzertprogramm mit kompakt gehaltenen „Showcase“-Auftritten. Auch 2016 stellten sich Gruppen aus zahlreichen Ländern vor, verteilt auf die Overseas Night, das European Jazz Meeting, die German Jazz Expo und einen speziellen Konzert-Fokus, der dem Partnerland Schweiz vorbehalten war. Eine Auswahl an Highlights aus dem vielfältigen musikalischen Geschehen.
Mittwoch, 7. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Ausnahmefall live on stage
Der Experimentierzirkel hr-Jazzensemble verlässt das Studio
Von Guenter Hottmann
Der Trompeter Valentin Garvie spielt seit 2002 im Ensemble Modern, einer der renommiertesten Formationen der Neuen Musik. Seit sechs Jahren ist er auch Mitglied im hr-Jazzensemble. 2015 erhielt der Multistilist den Hessischen Jazzpreis. Für das Preisträgerkonzert wünschte er sich den Ausnahmefall: eine öffentliche Performance mit diesem Studio-Ensemble, das höchst selten auf offener Bühne zu erleben ist. So war das hr-Jazzensemble, das 1958 auf dem Deutschen Jazzfestival Frankfurt gegründet wurde und viele Jahrzehnte unter der Leitung von Albert Mangelsdorff seine einzigartigen „Studio-Blüten“ produzierte, bei dieser Preisverleihung live zu hören, unter anderen mit Heinz Sauer, Günter Lenz und Christof Lauer.
Donnerstag, 8. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Jazz Live
Gebhard Ullmann’s Basement Research
(Aufnahme von Januar 2016 aus dem A-Trane, Berlin)
Am Mikrofon: Ulf Drechsel
Der Saxofonist und Komponist Gebhard Ullmann gehört zu den unermüdlich suchenden Musikern des zeitgenössischen Jazz. Permanent sucht er neue Herausforderungen, neue Klänge, neue musikalische Perspektiven. Das trifft selbstredend auch auf seine seit 1995 existierende transatlantische Band „Basement Research“ zu, in deren Namen ja bereits das Moment des Entdeckens, des Forschens implantiert ist. Gemeinsam mit Gerald Cleaver, Pascal Niggenkemper, Julian Argüelles und Steve Swell lotet Gebhard Ullmann hier die Felder zwischen Komposition und Improvisation auf immer wieder neue Weise aus. Den Blick stets nach vorn gerichtet, ohne das „Hinten“ aus der Erinnerung zu streichen. Die Freiheit des Einzelnen ist nichts, wenn sie nicht in der Freiheit der Gemeinschaft aufgehoben ist. Dieses Prinzip musikalischer Kommunikation lebt Basement Research vor allem in der Konzertsituation aus. Was gesagt ist, ist gesagt. Nichts kann revidiert werden. Das war auch auf der Tour anlässlich des 20-jährigen Bandgeburtstages nicht anders, während der Basement Research am 3. Februar 2016 im Berliner Jazzclub A-Trane Station machte.
Freitag, 9. September, 23.30 – 24.00 Uhr
Preview: Neue Jazz-Produktionen
Von Sarah Seidel
Ohne Tonträger ist die sprunghafte Entwicklung des Jazz kaum vorstellbar: Längst sind Schallplatte, CD oder Soundfile der Weg, auf dem Neuigkeiten aus dem Jazz vom Musiker zum Hörer finden. Tief in seinem Wurzelwerk ist der Jazz eine Musik des unmittelbaren Erlebens, seine stärksten Momente hat er im Konzert, wenn sich zwischen Musiker und Publikum eine Rückkopplungsschleife aufbaut, die alle Beteiligten über sich hinauswachsen lässt. Doch ohne die Möglichkeit der Tonaufzeichnung hätte der Jazz nicht seine weltweite Anziehungskraft entwickeln können. Auch 100 Jahre nach den ersten Jazz-Schallplattenaufnahmen sind noch immer Tonträger der Weg, auf dem die Wandlungen des Jazz den Weg zu seinem Publikum finden. In Preview im ARD Radiofestival 2016. Jazz stellen wir aktuelle Neu-und Wiederveröffentlichungen auf Schallplatte, CD, Soundfile vor: glanzvolle Konzertmitschnitte und aufwändige Studioproduktionen von Major- und Independentlabels, Groß- und Klein-, Eigen- und Do-It-Yourself-Produktionen. All das also, was die lebendige Gegenwart des Jazz kennzeichnet.
Dienstag, 13. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Keine Angst vor Jazz!
Dieter Zimmerle zum 100. Geburtstag (1)
Am Mikrofon: Julia Neupert
Er gehörte zu den leidenschaftlichsten Jazzmissionaren im Nachkriegsdeutschland: organisierte Konzerte, hielt Vorträge, schrieb Zeitungsartikel und gestaltete Rundfunksendungen. Dieter Zimmerle sah sich als eine Art Musikaufklärer, der möglichst viele mit seiner persönlichen Begeisterung für den Jazz anzustecken versuchte. Am 15. August wäre der ehemalige Jazzredakteur des SDR und Gründer der Zeitschrift „Jazz Podium“ 100 Jahre alt geworden – in unserer dreiteiligen Sendereihe würdigen wir den Jazzpapst aus Stuttgart mit Aufnahmen aus einigen seiner legendären „Treffpunkt-Jazz“-Produktionen und Erinnerungen von Weggefährten wie dem Pianisten Wolfgang Dauner.
Donnerstag, 15. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Kreativ-Achse des gallischen Jazz
Emile Parisien/Vincent Peirani
Von Odilo Clausnitzer
Beide sind in Frankreich mit dem „Prix Django Reinhardt“ als Jazzmusiker des Jahres ausgezeichnet worden, beide gehören zu den herausragenden Solisten des aktuellen europäischen Jazz, und beide verbindet einen intensive Zusammenarbeit: Emile Parisien und Vincent Peirani. Parisien hat sich als einer der wenigen internationalen Zeitgenossen auf das Sopransaxofon spezialisiert. Vincent Peirani hat dem Akkordeon durch seine stilistische Wendigkeit und seinen Klangfarbenreichtum ein neues Ausdrucksspektrum erschlossen. Erstmals arbeiteten beide prominent im „Sweet & Sour“ Quartett des Schlagzeugers Daniel Humair zusammen. In dieser Sendung stellen wir die beiden Ausnahmemusiker in einzelnen und gemeinsamen Produktionen vor.
Freitag, 16. September, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Sonic Wilderness
Von Thomas Loewner
Diese Reihe auf dem freitäglichen NOWJazz Update Sendeplatz führt in abenteuerliche Zwischenwelten des Jazz. Ob Improv, Electronica, Klangkunst, Noise oder Rock – für die atmosphärischen Mixes mit Neuerscheinungen gibt es nur eine Regel: Die Lust am musikalischen Abenteuer muss hörbar sein.
Samstag, 17. September, 22.30 – 23.00 Uhr
Jazztime: September Song
Geschichte eines Jazz-Standards (5)
Von Hans-Jürgen Schaal
September – der Monat zwischen Sommer und Herbst. Kurt Weill schrieb den „September Song“ 1938 für Walter Huston, einen damals beliebten Film- und Musicaldarsteller. Huston war ausgewählt worden, in Weills Bühnenmusical „Knickerbocker Holiday“ die Rolle von Peter Stuyvesant zu spielen, und wünschte sich dafür einen Feature-Song über das fortgeschrittene Alter seiner Figur. „Die Tage werden kurz, wenn du den September erreichst“, heißt es sinngemäß im Song, „und diese wenigen wertvollen Tage werde ich mit dir verbringen.“ Der von Weill bewusst eingängig gehaltene „September Song“ wurde ein großer Erfolg, an dem auch berühmte Vokalist*innen wie Sarah Vaughan, Ella Fitzgerald, Bing Crosby, Frank Sinatra oder Nat King Cole nicht vorüber kamen. Der Song inspirierte ebenso Instrumentalisten jeder Couleur – von Swing bis Free, von Bop bis Rock.
Sonntag, 18. September,19.22 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Melody In Swing
Der Tenorsaxofonist Don Byas
Von Odilo Clausnitzer
Der Amerikaner Don Byas (1912 – 1972) gilt als einer der bedeutenden Tenorsaxofonisten des Jazz und als entscheidende Figur beim Übergang des Swing in den Bebop. Doch der große musikgeschichtliche Ruhm ist ihm versagt geblieben. Ein Grund dafür: Den größeren Teil seiner Karriere verbrachte er im europäischen Exil. Mit seinem geschmeidigen und vitalen Spiel über schnelle Akkordfolgen beeinflusste er eigenen Angaben nach sogar Modernisten wie John Coltrane. Aber besonders seine expressiven Balladeninterpretationen lassen ihn heute als Giganten seines Fachs erscheinen.
Dienstag, 20. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Keine Angst vor Jazz!
Dieter Zimmerle zum 100.Geburstag (2)
Am Mikrofon: Gerd Filtgen
Bei der von dem damaligen SDR-Jazzredakteur Dieter Zimmerle 1955 ins Leben gerufenen Sendereihe „Treffpunkt Jazz“ traten die Giganten afroamerikanischer Musik auf. Angefangen bei den Sounds, mit denen Duke Ellington in den turbulenten 1920er Jahren die Besucher des New Yorker Cotton Clubs verzückte, bis hin zu den extrovertierten Diskursen der Saxofon-Legende John Coltrane wurden stilistisch variantenreiche Ereignisse geboten. Das veranschaulichen auch weitere musikalische Höhepunkte aus diversen „Treffpunkt Jazz-Programmen, die Sie in dieser Sendung hören können: Eine der spannendsten Quintett-Formationen des Trompeters Dizzy Gillespie – mit dem Altsaxofonisten Leo Wright und dem argentinischen Pianisten Lalo Schifrin, im Kontrast dazu die vornehme Coolness des Modern Jazz Quartet sowie die bewegenden Botschaften des Bassisten Charles Mingus und seines Ensembles.
Freitag, 23. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Vox Plus
Vokalperformende Instrumentalist*innen
Von Julia Neupert
Der Mann, von dem die Legende sagt, er habe 1926 den Scatgesang erfunden, war – ein Trompeter! Genau wie er (wenn auch sicher aus anderen Gründen) legen auch heute etliche Improvisator*innen wie die Klarinettistin Isabelle Duthoit, der Saxofonist Akira Sakata oder der Tubist Carl Ludwig Hübsch von Zeit zu Zeit ihr Instrument zur Seite, um allein mit der Stimme zu performen. Andere, wie die Bratschistin Charlotte Hug, der Pianist Sten Sandell oder der Cellist Tristan Honsinger benutzen Stimme und Instrument gleichzeitig. Ob inspiriert von Spoken-Word-Performances, Gesangstechniken traditioneller Musikkulturen oder der Lautpoesie: Es sind sehr unterschiedliche Ansätze, die wir in dieser Sendung vorstellen wollen – was sie vereint, ist die Überzeugung der Musiker*innen, sich mit dem Einsatz der Stimme eine zusätzliche künstlerische Dimension zu erschließen.
Samstag, 24. September, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Solo Flight
Wie Charlie Christian das elektrische Gitarrenspiel revolutionierte
Von Bert Noglik
Bevor Charlie Christian seinen unverwechselbaren Stil entwickelte, war die Gitarre im Jazz vor allem ein Begleitinstrument. Dass es Charlie Christian gelang, sich als ein den Bläsern gleichberechtigter Solist zu profilieren, verdankte er der zu seiner Zeit gerade erst erfundenen Elektrifizierung der Gitarre. Doch es bedurfte eines Genies wie das dieses afroamerikanischen Musikers, um aus den neuen Möglichkeiten heraus auch eine innovative Spielweise zu entwickeln. Charlie Christian, geboren 1916 in Dallas, gestorben 1942 in New York, war in Blues und Swing verwurzelt, wurde als Mitglied der Big Band wie auch des Sextetts von Benny Goodman gefeiert und wagte zugleich im Kreis der Neutöner um Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Thelonious Monk und Kenny Clarke den kühnen Vorstoß in Richtung Bebop. Charlie Christian trug mit virtuoser Technik und komplexer Musikalität dermaßen zur Entwicklung des Instrumentes bei, dass alle nach ihm folgenden Gitarristen in gewisser Weise in seiner Tradition stehen.
Dienstag, 27. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Keine Angst vor Jazz!
Dieter Zimmerle zum 100.Geburstag (3)
Am Mikrofon: Harry Lachner
Aus den zahlreichen Aufnahmen, die Dieter Zimmerle für seine Reihe „Treffpunkt Jazz“ machte, seien an dieser Stelle zwei ausgewählt, die symptomatisch für zwei Extreme des damals aktuellen Jazz stehen. Das amerikanische Quartett Oregon zählte mit seiner kammermusikalischen Ästhetik zu einem der innovativsten Ensembles, das Elemente der indischen Musik mit dem Prinzip der jazzgeschulten Improvisation in Beziehung setzte. Ihr Konzert in der Stuttgarter Liederhalle am 19. März 1974 wurde zunächst von einem Solo-Auftritt des Pianisten Paul Bley eröffnet, der sich gegen Ende des Oregon-Auftritts dann dem Quartett anschloss – eine Sternstunde der Improvisation und des Einfühlungsvermögens. Das Konzert des Cecil Taylor Sextetts im Juni 1978 folgte einer strengen Dramaturgie: Es begann zunächst mit Soli und Duetten seiner Bandmitglieder bevor der Pianist seine „Unit“ entlang einer Spannungskurve führte, die an Intensität kaum zu übertreffend ist. Dieser Auftritt bleibt einer der expressivsten Höhepunkte im Schaffen Cecil Taylors.
Donnerstag, 29. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Reinventing J.E.B.
Ein „Jazzpapst“ wird remixt – das Trio Andreas Schaerer/Michael Schiefel/Martin Ruch im Kunstmuseum Stuttgart 2015
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Worin besteht der Wert des Jazz? Über diese Frage gerieten 1953 in der Zeitschrift „Merkur“ der Philosoph Theodor W. Adorno und der Jazzkritiker und SWF-Redakteur Joachim-Ernst Berendt in eine heftige Auseinandersetzung. Während für Berendt der Jazz eine musikalische Form der individuellen Freiheit ist und den Rang einer universellen Kunstform einnimmt, sieht Adorno den Jazz skeptisch. Für ihn ist diese Musik ein Unterhaltungs-und Massen-Phänomen, das stellvertretend für die manipulativen Tendenzen der Kulturindustrie steht. Diese Debatte greifen jetzt drei Improvisatoren auf: die beiden Vokalisten Andreas Schaerer und Michael Schiefel sowie der Elektroniker Martin Ruch. Ausgehend von Berendt- und Adorno-Original-Tönen schaffen sie einen frei improvisierten Remix, in dem es dem Trio weniger darum geht, sich für die eine oder andere historische Position zu entscheiden. Die Musiker präsentieren vielmehr ihre ganz eigene, persönliche Sichtweise vom Wesen des Jazz, so wie er sich heute im 21. Jahrhundert zeigt. Wir senden den Mitschnitt eines Konzertes, das vergangenen Dezember in Koproduktion mit dem Kunstmuseum Stuttgart im Rahmen der erfolgreichen Ausstellung „I Got Rhythm – Jazz und Kunst seit 1920“ stattfand. Danach wurde die SWR2-Aufnahme selbst zu einem Teil der Ausstellung.
Freitag, 30. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Xylobiont, Forrest, Forresta
Der Bassist John Eckhardt im Portrait
Von Nina Polaschegg
Xylobionten, das sind Holz bewohnende Käfer. John Eckhardts Holz wird von Klängen bewohnt. Klänge ganz unterschiedlicher Art leben gemeinsam, tauschen sich aus, führen eine glückliche Koexistenz. John Eckhardt ist Bassist; er spielt E-Bass ebenso wie Kontrabass. Seine Musik ist frei improvisiert oder streng konzipiert, abstrakt oder groovebetont. Und dann wäre da noch der Interpret John Eckhardt, der sich in Kreisen zeitgenössischer komponierter Musik einen Namen gemacht hat. Solist und Ensemblemusiker – John Eckhardt ist und schätzt beides. Ob in seinem Kontrabass-Soloprojekt „Xylobiont“, in diversen Neue Musik Ensembles oder ob als E-Bassist, der sich mit „Forresta“ wiederum in ganz andere Klangwälder begibt.
Anmerkung zum Sommer-Programm
Vom 16. Juli bis zum 10. September findet wieder das „ARD-Radiofestival“ statt. Am Abend (20.05 – 24.00 Uhr) erwartet Sie dann ein gemeinsam von den Kulturwellen der ARD gestaltetes Programm. Aus diesem Grund entfallen alle SWR2-Jazzformate, die üblicherweise in dieser Zeit zu hören sind. Stattdessen gibt es werktags von 23.30 – 24.00 Uhr eine vom SWR organisierte Jazz-Sendung mit Beiträgen von allen ARD-Jazzredaktionen.
Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können Sie als Audio on Demand im Internet 7 Tage online nachhören. Auf www.swr2.de/jazz finden Sie auch Musiklisten und weitere Informationen zu unserem Programm.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



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