SWR 2 Jazzprogramm Mai 2005

05.05.2005 14:42 von jazz (Kommentare: 0)

 

S W R 2    J A Z Z P R O G R A M M    M A I   2 0 0 5

  

Sonntag, 1 Mai, 17.12 – 18.00 Uhr (nach dem Hörspiel)

Vom „Local Hero“ zum vielbeachteten Tenorsaxophonisten: von Freeman

Von Werner Wunderlich

 

Da ist ein Jazzmusiker zufrieden damit, in seiner Heimatstadt – in diesem Fall Chicago – als Star der heimischen Szene zu gelten, als einer der Besten auf dem Tenorsaxophon gefeiert zu werden. An Ausweitung des Ruhms über die Stadtgrenzen hinaus liegt ihm wenig. Doch dann erringt sein Sohn Chico, der vorwiegend das gleiche Instrument spielt, weltweite Aufmerksamkeit, gibt dem Namen „Freeman“ eine neue Bedeutung und verhilft schließlich Vater von Freeman zum Sprung ins internationale Rampenlicht, steht gelegentlich mit ihm zusammen auf der Bühne und im Plattenstudio. 1980 taucht der Name des Seniors in der Zeitschrift „down beat“ auf der Liste der Tenoristen auf, die nach Meinung der Fachleute größere Beachtung verdienen.

 

Dienstag, 3. Mai, 23.00 – 24.00 Uhr

Ars acustica

 

Mittwoch, 4. Mai, 23.00 – 24.00 Uhr

Jazztime: „Deep River“

Die musikalischen Diskurse von David Murray

Von Gerd Filtgen

 

„Shout Song“ hieß das Thema, mit dem David Murray vor rund dreißig Jahren die New Yorker Avantgarde verblüfft hatte. Der Beitrag des Tenoristen und Bassklarinettisten hob sich von den vielen anderen Loft-Sessions durch seine Textur ab. Wie im Vorgriff auf die Zukunft skizzierte Murray in nur zweieinhalb Minuten seine musikalischen Vorstellungen: Ein farbiges Kräftespiel zwischen intensiver Emotionalität mit fließenden Übergängen und stilistischen Bereichen wie Swing, Bop und Free. Auch die Zusammenarbeit mit dem Trompeter Lawrence „Butch“ Morris, der eigenen klanglichen Visionen einbrachte, führte in vielen Arbeiten des Saxophonisten zur Strukturierung seiner ungezügelten Improvisationen. Nach einer jahrzehntelangen Odyssee durch zerklüftete Avantgarde-Territorien bezieht David Murray bei seinen aktuellen Projekten Musik aus anderen Kulturen mit ein.

 

 

Donnerstag, 5. Mai, 16.55 – 18.00 Uhr (nach dem Hörspiel)

Die Blütezeit der Big Bands in New York

Chick Webb, Duke Ellington, Fletcher Henderson und andere

Von Gudrun Endress

 

Big Bands gingen aus der klassischen New-Orleans-Besetzung hervor. Einer der Pioniere war Anfang der 20-er Jahre Fletcher Henderson. Zusammen mit seinem Arrangeur Don Redman teilte er die ursprünglich 10-köpfige Band in Sections, in Sätze ein. Etwas später brachte er den orchestralen Swing zur Blüte. Rasch besaß jede Big Band ihren eigenen, unverwechselbaren Sound. Dieser unverkennbare Klang wurde zum einen von der Persönlichkeit des Bandleaders geprägt, zum anderen auch von den Arrangeuren und Solisten. Der Big-Band-Swing wurde zur populärsten Musik der USA in den 30-er Jahren, ja zur „Classical American Music“. Duke Ellingtons Orchestra, das jahrelang als Hausband im Cotton Club in Harlem fungiert hatte, spielte stark klangmalerische, an den Jungle-Style angelehnte Musik. Chick Webb, der sein Domizil im Savoy Ballroom hatte und bei Tanzlustigen hoch im Kurs gestanden war, malte – wie Ellington sagte – „Tänze auf seinen Trommeln“.

 

 

Freitag, 6. Mai, 23.00 – 24.00 Uhr

NOWJazz: Magazin

Von Harry Lachner

 

Neues aus der Welt des Jazz, Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über wichtige Festivals, Buchbesprechungen, Personalia und jede Menge brandneuer CDs erwarten Sie im NOWJazz-Magazin in SWR2, das jeweils am ersten Freitag jeden Monats zwischen 23.00 Uhr und 24.00 Uhr zu hören ist. Erwartet werden diesmal unter anderem ein Bericht über ein neues, mit hochkarätigen Improvisatoren besetztes Festival im ungarischen Györ und eine Rezension des zweibändigen Kompendiums über „Jazz-Klassiker“, das Peter Niklas Wilson kurz vor seinem Tod noch fertigstellen konnte.

 

Sonntag, 8. Mai

Jazz nach dem Hörspiel entfällt

 

Montag, 9. Mai, 23.00 24.00 Uhr

JetztMusik: Grenzgänge zwischen Komposition und Improvisation
Musik von Scelsi, Sciarrino, Globokar und Frith
Von Reinhard Kager

 

Die starren Grenzen haben sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend verwischt: Nicht wenige Komponisten entwerfen nun auch improvisatorische Kontexte, und umgekehrt gibt es zahlreiche Improvisatoren, die kompositorische Strukturen in ihre Improvisationsprogramme integrieren. Bekannt ist, dass Giacinto Scelsi bereits in den fünfziger Jahren seine Kompositionen durch die Transkription ursprünglicher Improvisationen schuf. Diesen Umstand nahmen Michael Kiedaisch, Stefano Scodanibbio und Mike Svoboda zum Anlass, neben Originalwerken Scelsis auf ihrer neuen CD auch eigene Improvisationen zu stellen, die aus dem kompositorischen Geist Scelsis entstanden sind. Salvatore Sciarrino notierte in „La Bocca, I Piedi, Il Suono“ zwar die Stimmen von vier Saxophonsolisten, die aber von den sparsamen Sounds hundert anderer, sich auf der Bühne bewegender Saxophonisten klanglich ziemlich frei begleitet werden. Improvisatorische Elemente spielen auch in den sprachorientierten Werken von Vinko Gobokar seit jeher eine große Rolle. In „Toucher“ muss etwa der Schlagzeugsolist nach einer rhythmisch genau notierten Partitur sprachähnliche Strukturen hervorbringen. Ein ähnliches Ineinander von kompositorischen und improvisatorischen Elementen schuf der aus der freien Improvisationsszene bekannte Fred Frith, der über die Klänge seines durchkomponierten Streichtrios „Allegory“ mit der E-Gitarre improvisiert. Vier verschiedene Versuche, die historisch entstandenen Barrieren zwischen Komponiertem und Improvisiertem zu überwinden.

 

 

Dienstag, 10. Mai, 23.00 – 24.00 Uhr
NOWJazz: „Drums & Powerbook“

Der Kölner Schlagzeuger Christoph Hillmann im Gespräch mit Thomas Loewner

 

Christoph Hillmann ist einer der vielseitigsten Schlagzeuger der deutschen Jazz-Szene: Als Interpret komplexer Kompositionen ist er ebenso versiert wie als Improvisator, die klanglichen Möglichkeiten des akustischen Equipments lotet er mit einer ähnlichen Konsequenz aus, wie er mit Elektronik nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten sucht. Diese Allroundqualitäten schätzen auch viele Kollegen Hillmanns: Er ist ständiges Mitglied renommierter Bands, etwa in den Gruppen von André Nendza, Angelika Niescier oder im Pata Ensemble von dem Kölner Saxophonisten Norbert Stein. Darüber hinaus hat er auch an diversen Tanz- und Theaterproduktionen mitgewirkt.

 

 

Mittwoch, 11. Mai, 23.00 – 24.00 Uhr

Jazztime: „Seven Steps To Heaven“ – Miles Davis revisited

Von Günther Huesmann

 

1963 war ein schwieriges Jahr für den Jazztrompeter Miles Davis. Der Pianist Wynton Kelly, der Bassist Paul Chambers und der Schlagzeuger Jimmy Cobb hatten gerade seine Band verlassen. Zum ersten Mal seit dem Weggang des Tenorsaxophonisten John Coltrane war Davis gezwungen, seine Gruppe komplett neu zu formieren. Nach einer kurzen Phase des tastenden Ausprobierens, hatte der Trompeter zu Lösungen gefunden, die einmal mehr sein außerordentliches Gespür für musikalische Qualität zeigten. Er fand in Musikern wie dem Pianisten Herbie Hancock, dem Bassisten Ron Carter und dem Schlagzeuger Tony Williams zu Mitspielern, die sein Band-Konzept stabilisierten und sein musikalisches Wachstum beförderten. Aus diese Phase zwischen 1963 und 1964 gingen klassische LPs wie „Seven Steps to Heaven“, „My Funny Valentine“, „Miles Davis in Europe“, „Four & More“ und „Miles in Berlin“ hervor. Diese Platten bilden eine Brücke zu jener Band, mit der der Trompeter einen Gipfelpunkt in seiner Karriere setzen sollte – dem zweiten Miles Davis Quintett. „Seven Steps: The Complete Columbia Recordings of Miles Davis 1963 – 1964“ bringt acht zuvor unveröffentlichte Tracks sowie drei Tracks zum ersten Mal in ungeschnittener Form. Damit liefert diese Sieben-CD-Box faszinierende Einblicke in das Jazzlabor eines Trompeters, der nie aufgehört hat, sich neu zu erfinden – und stets er selber blieb.

 

 

Donnerstag, 12. Mai, 19.05 – 21.00 Uhr

SWR Jazz Session: Grenzgänge

Das Carmina Quartet und der Saxophonist Daniel Schnyder bei den Schwetzinger Festspielen

Am Mikrophon: Reinhard Kager

 

Daniel Schnyder war immer schon ein Grenzgänger. Ob im Free Jazz, ob in der Weltmusik oder gar in der europäischen Klassik: Überall ist der stilistische Barrieren überschreitende Schweizer Saxophonist zu Gange. Bei den Schwetzinger Festspielen führen ihn seine verschlungenen Klangwege mit dem Schweizer Carmina Quartett zusammen, das seit zwei Jahrzehnten zu den führenden Streichquartetten Europas zählt. Diese Mischung garantiert einen ungewöhnlichen Konzertabend, der zwischen Pachelbel und Duke Ellington, zwischen Schubert und Jimi Hendrix und natürlich auch eigenen Kompositionen Schnyders changiert.

 

 

Freitag, 13. Mai, 23.00 – 24.00 Uhr

NOWJazz: Session

NEWJazz Meeting2004: George Lewis im Focus

Von Reinhard Kager

 

Im Februar und im März standen bereits drei Sendungen mit Konzerten des NEWJazz Meetings 2004 auf dem Programm. Die Resultate waren jedoch so vielfältig, dass spielend zwei weitere Sendungen im Mai mit bisher noch nicht ausgestrahltem Material gestaltet werden können. Die erste der beiden rückt den künstlerischen Leiter des Projekts, den amerikanischen Posaunisten und Musiktheoretiker George Lewis, ins Zentrum. Beleuchtet wird vor allem sein enger Kontakt zur AACM, zur „Association for the Advancement of Creative Music“ in Chicago, deren Offenheit Lewis' musikalisches Denken Vieles verdankt.

 

 

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